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Kommentar zu indexgebunden Versicherungen

Dieser Kommentar zu meinem Artikel „Gastbeitrag: Funktionsweise der Allianz Index-Select“ ist zu umfangreich für die Kommentarleiste neben dem Beitrag. Da die Mühe des Autors nicht umsonst sein soll, erhält dieser Kommentar eine eigene Seite:

Ein dickes Hallo in die Expertenrunde,

ich habe mir mal die diversen Beiträge zum Thema „IndexSelect und Kollegen“ zu Gemüte geführt und diesen hier auf dieser Seite zum einzig Fundierten erkoren. Einige Leserkommentare waren auch noch sehr gut.

Bei der ganzen Diskussion um Funktionsweise und Kosten und ob der Anleger bei der Indexpartizipation um das ein oder andere Prozent zu kurz kommt wird doch dem Wesentlichen viel zu wenig Beachtung geschenkt: Der Vorteil eines automatischen Lock-in gegenüber der Emotionalität des Anlegers! So heißt es im Fazit des R+V-Beitrages recht lapidar: „Aus meiner Sicht ist auch bei der IndexInvest sehr zweifelhaft, ob unter dem Strich für den Anleger ein besseres Ergebnis herauskommt, als bei einer klassischen Rentenversicherung oder einer fondsgebundenen Variante mit einer intelligenten Fondsauswahl und dem richtigen Umgang mit dem Fondsbestand.“ Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Anlagekunden und stelle doch immer wieder fest, dass „der richtige Umgang mit dem Fondsbestand“ die wahre Herausforderung bei dem Ganzen ist. Und zwar nicht nur für den Anleger, sondern auch für den Berater! Die wenigsten Anleger ertragen doch die Schwankungen des Aktienmarktes. Und so verkaufen sie sehr oft zum falschesten aller Zeitpunkte, um die darauffolgende Erholung zu verpassen. Dieses psychologische Risiko ist durch den Lock-in-Mechanismus sehr intelligent beseitigt. Das geht ja NATÜRLICH nur zu Lasten der Rendite in guten Jahren, das ist doch klar! Aber bekanntlich sind ja vermiedene Verluste langfristig deutlich wertvoller als die besten Gewinne, die in der nächsten Baisse wieder abgegeben werden. Auch eine „volatile Nullrunde“ in einem guten Aktienjahr ist doch langfristig gesehen problemlos zu verkraften.

Die 5 – 10 % der Anleger, die das mit „dem richtige Umgang mit dem Fondsbestand“ alles im Griff haben … Chapeau! Ihr braucht kein IndexSelect. Für alle anderen ist die Strategie TOP!

Und dann auch noch ein Wort zu dem irgendwo kritisierten Backtest: Ja, oft wird bei einem Backtest recht kreativ gerechnet. Allerdings ist bei der IndexSelect-Strategie die einzige Variable der Cap, so dass man einer solchen Rückrechnung getrost vertrauen schenken darf – die Entwicklung des Index ist ja transparent nachvollziehbar. Inwieweit ein Cap von z.B. 4 % dauerhaft Bestand hat, hängt von Faktoren ab, die genauso wenig vorherzusehen sind wie die Entwicklung des Index im kommenden oder in den darauffolgenden 5 Jahren.

Wenn also jemand etwas mehr Erträge haben möchte, als dies aktuell am Zinsmarkt zu erreichen ist, kann er bei IndexSelect zumindest einmal sicher sein, keine unliebsamen Überraschungen zu erleben, so wie ich das bei der ein oder anderen „Wunderwaffe“ am Markt schon heute kommen sehe.

Also: Keep selecting!

Kommentar von finanzdeutsch:

Danke für den wertvollen Beitrag und dass Sie sich die Zeit genommen haben, Ihren Standpunkt so ausführlich darzustellen.
Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Nur ist meiner Erfahrung nach bei fondsgebundenen Versicherungen i.d.R. kein Versuch zu erkennen, Gewinne zu sichern und dabei die beschriebenen typischen Fehler zu machen. So passt dieser Vergleich eher zu ganz normalen Fondssparplänen (die ja leider immer seltener werden…).
Ansosnten sind die unterschiedlichen Standpunkte deutlich geworden und der Leser mag sich seine eigene Meinung bilden.

 

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2 Comments Add Yours ↓

  1. Thomas Jörder - Auch Finanzberater #
    1

    Kommentar zu Ihrem Kommentar:
    Dann sollten Sie mal mit einem Anleger reden, der sich kurz vor der Rente befindet und bei dem mittlerweile ein Fondsbestand in nennenswertem Ausmaß aufgelaufen ist. Der macht sich sehr wohl Gedanken darum, ob er weiterhin ein hohes Aktienrisiko fahren möchte 🙂

    An dieser Stelle vielleicht auch ganz interessant: http://www.multi-invest.de/e6/e408/2007_05_16_Der_Cost_Average_Effekt.pdf
    Hier wird zwar mit Fonds gerechnet, aber der besagte Multi-Invest OP strebt einen ähnlichen Verlauf an wie die IndexSelect-Strategie.

  2. finanzdeutsch #
    2

    Ich glaube wir sind uns einig, dass der typische Neurentner nicht gerade eine Aktienquote von 100% haben sollte… .
    Zum Thema cost-average gibt´s übrigens hier auch einen Beitrag.
    Wenn die Versicherer mit Ihrer Strategie genauso erfolgreich sind wie der Her Eick, dann sollte man es wohl wirklich besser lassen? Der Multi-Invest OP ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel für eine Trendfolgestrategie die nicht funktioniert. Vielleicht, weil Eick dem Anschein nach selbst nicht an seine Strategie glaubt und opportunistisch eingreift. Mit vollen Hosen rennt es sich aber nicht gut…



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