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1a – Journalismus, liebe ARD!

Gestern Abend lief in der ARD eine Reportage unter dem Titel „Abkassiert und weiter so, Bankgeschäfte trotz Finanzkrise.“ Da war mal wieder kollektives Kopfschütteln und gemeinsames Bankerbashing angesagt. Ich bin ja wirklich kein Freund der aktuellen Praktiken im Bereich „Bankberatung“ in Deutschland, aber so platt und unkritisch darf ein Medium doch nicht an die Sache herangehen, dessen Aussagen die meisten Zuschauer automatisch als Wahrheit annehmen. Wer hinterfragt schon das, was im Fernsehen kommt?
Was mich bei dieser Art der Berichterstattung immer wahnsinnig stört ist, dass die Eigenverantwortung des Anlegers vollkommen abgeschafft wird. So tragen solche Berichte dazu bei, dass Anleger denken, sie könnten die Verantwortung immer weiter auf andere abschieben und bleiben weiterhin Opfer der Verkäufer, anstatt zu selbstbestimmten Kunden zu werden!

Ich habe mir nur die ersten paar Minuten angesehen, will also nicht über den ganzen Beitrag urteilen. Da war ein Professor mit seiner Frau, der das Familienerbe in einem Stiftungsvermögen verwaltet. Hallo! Klingt das nach einem armen überforderten Privatanleger? Wenn einer Professor ist, egal in welcher Fachrichtung, dann ist er doch mit Sicherheit intellektuell in der Lage, mal ein paar Emmissionsprospekte zu lesen und sich über die Dinge zu informieren, in welche er Geld investiert, oder?
Wenn einer eine Stiftung gründet ist er doch auch nicht gerade ein Trottel!

Aber wenn er 500.000 Euro für die Stiftung anlegt, dann benimmt er sich wie Klein-Doofie aus Hintertupfing und schuld ist der böse Berater, der völlig überraschenderweise dann doch ein provisionsgetriebener Verkäufer war! Was der Herr Professor natürlich gar nicht gemerkt hat…. .
Ein Blick ins Internet hätte genügt, um die Geschäftspolitik und die Vorgehensweise der Postbank Finanzservice zu erkennen.
Wie kommt denn jemand überhaupt darauf, die Postbank hätte auch nur ansatzweise eine Kompetenz in der Beratung und Verwaltung von Vermögen? Die haben Jahrzehnte lang nur Girokonten geführt. Und jetzt müssen Sie der Post schnelle Erträge bringen. Das geht nur mit Provisionsgeschäft. Mit dem langfristigen Aufbau einer Vermögensverwaltungssparte wäre das nicht machbar. Da haben Banken wie z.B. Metzler oder Beerenberg mehrere hundert Jahre für gebraucht ;-).

Also liebe ARD! Bitte nutzt die Mittel, die Ihr habt, künftig dafür, die Anleger zu motivieren, selbst die Verantwortung für Ihr Geld zu übernehmen. Das wäre natürlich etwas ansprucksvoller und würde auch nicht so viel zustimmendes Kopfnicken bringen. Aber für die Zuschauer wäre es richtig hilfreich und könnte helfen, solche Verluste wie die vom Herrn Professor und seiner Stiftung zu vermeiden. Die Kinder wären die Gewinner!
Und auch für die anderen Zuschauer würde es sich richtig lohnen. Die würden dann nämlich nicht mehr einfach so irgendwelche Dinge unterschreiben, die sie nicht verstehen. Dann hätten sich die Rundfunkgebühren für die Zuschauer richtig gelohnt und man würde mit dem Zweiten noch viel besser sehen!

Nachtrag:
Ich habe gesehen, dass der Artikel mehrfach im Wertpapier-Forum verlinkt wurde. Liebe Forumsteilnehmer, danke für die Zustimmung und die Links! Beim Lesen der Forumsbeiträge bin ich erst darauf aufmerksam geworden, dass ich ARD und ZDF verwechselt habe. Sorry! Wenn Ihr in Zukunft solchen Quatsch in meinem Blog findet, dann gerne eine Mail oder einen Kommentar. Sowas kann man ja nicht stehen lassen! 😉

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