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SV IndexGarant – Die Sparkassen mischen auch mit

Durch einen Leser, danke an Chris aus Hannover, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Sparkassenversicherung mit dem Tarif SV IndexGarant auch eine „indexgebundene“ Rentenversicherung anbietet. Da ist natürlich ein Blick auf dieses Angebot und den Vergleich mit beiden ähnlichen Produkten von der Allianz und der R+V angesagt.

Die grundsätzliche Funktionsweise ist sehr nahe an derjenigen der R+V IndexInvest:

  • Es gibt auch hier eine monatliche Gewinnobergrenze (Cap), die abhängig von verschiedenen Marktfaktoren für jedes Jahr neu festgelegt wird.
  • Es liegt der Aktienindex EuroSotxx 50 zu Grunde (eine von zwei Optionen).
  • Die Monatsergebnisse des Index werden, nach Anwendung des Cap, über das Jahr hinweg aufaddiert. Ist die Summe positiv, wird diese Rendite dem Kunden gut geschrieben. Ist das Ergebnis negativ, liegt die Rendite des Kunden bei Null. Er kann also keine Verluste machen.
  • In jedem Jahr kann der Kunde entscheiden, ob sein Geld in den Index oder festverzinslich angelegt werden soll.

Was unterscheidet die SV IndexGarant von der R+V IndexSelect und der Allianz Indexselect?

Der Hauptunterschied ist, dass es einen zweiten Index zur Auswahl gibt, den VolaIndexPerform. Wenn Sie von diesem Index noch nie etwas gehört haben, ist das nicht weiter verwunderlich. Er wird vom renommierten Indexanbieter Stoxx extra für die Sparkassenversicherung aufgelegt und gepflegt und ist deswegen nicht gerade ein „Promi“ am Kapitalmarkt.
Die Idee hinter diesem Index ist lobenswert. Die Wertentwicklung soll „verstetigt“ werden. Das bedeutet vor allem, dass die Verluste in den so richtig negativen Börsenphasen begrenzt werden und man in steigenden Phasen in vernünftigem Umfang profitiert. Das versuchen natürlich viele – die meisten scheitern. Die Zahlen, welche die Sparkassenversicherung hier auf ihrer internetseite kommuniziert sind allerdings recht gut. Zumindest besser, als der als Basis dienende EuroStoxx 50 selbst. Dargestellt wird die Wertentwicklung seit 1987. Seit wann es diesen Index wirklich gibt, verrät uns die Website der Sparkassenversicherung nicht. Aber, dass er nicht seit 1987 existiert darf als gesichert angenommen werden. Ich gehe von einer Auflage in 2011 aus. Seit diesem Jahr werden detailierte Monatsergebnisse auf der Seite aufgeführt.

Warum ist das Auflagedatum des Index wichtig?
Hinter der Wertentwicklung steht ein regelgebundener Prozess. Dieser Prozess entscheidet täglich aufs Neue, wie hoch der Aktienanteil der Fonds sein soll und wie hoch der Anteil im Cash bzw. Geldmarkt sein soll. Entschieden wird aufgrund der stärke der Marktschwankungen (Volatilität) des EuroStoxx 50. Diese wird regulär gemessen. Die Frage ist, was man mit diesem Wissen macht. Man kann mit Hilfe von Computern sehr leicht feststellen, welche Feineinstellung über einen gewissen Vergangenheitszeitraum das beste Ergebnis gebracht hätte. Das Problem ist, dass die Einstellungen dann immer für genau diesen Zeitraum optimal waren. Für andere Zeiträume wären andere Einstellungen besser gewesen. Da man aber sowieso nicht weiß, welche Einstellungen für die Zukunft die richtigen sind, ist es mühsam darüber zu streiten. Das ist einfach eine Schäche des Problems – und der Grund, warum so viele Systeme nicht die erhofften Ergebnisse einbringen.

Auf Basis der Zahlen von der Sparkassenversicherung ist dieser Index wohl eine sehr sinnvolle Alternative für Einmalanlagen. Wie sich diese Strategie bei sparplanähnlichen ratierlichen Zahlungen auswirkt, kann nur die Zukunft sagen.
Die Idee mit diesem Index finde ich durchaus positiv. Auch wenn das Produkt dadurch für den Kunden nochmal komplzierter wird. Es ist eine große Herausforderung für einen Privatanleger, diesen volatilitätsgesteuerten Spezialindex zu verstehen, dessen Aktienquote auch über 100% liegen kann…. .
Aber vielleicht müssen wir diese Pille schlucken. „Einfach“ hat ja gezeigt, dass es den Privatanleger auch nicht dauerhaft glücklich machen kann….

Was bei der Sparkassenversicherung positiv auffällt ist, dass das Produkt auf der Internetseite aus meiner Sicht wesentlich besser erklärt wird, als dies bei der R+V und der Allianz der Fall ist. Auch wenn die Werbeaussagen in die Richtung „sicher, ertragreich und flexibel in Einem“ nach der Quadratur des Kreises klingen und der Welt der Werbemärchen zugeordnet werden können, der Informationsgehalt der Seite ist überdurchschnittlich gut.

Fazit:
Meine bereits geäußerte Hauptkritik an der Allianz Indexselect und der R+V IndexInvest trifft aber auch auf die SV IndexGarant zu:

  • Das ganze Produkt ist so kompliziert, dass Privatkunden es nur sehr schwer verstehen werden. Besonders, weil es sich ja um ein Produkt mit i.d.R. langer Laufzeit handelt und die Informationen vom sicher redlich bemühten Verkäufer in dieser langen Zeit leicht verblassen und in Vergessenheit geraten… .
  • Bedingt durch den Cap und die Addition der monatlichen Ergebnisse können auch an sich gute Börsenjahre ein schwaches Ergebnis in der Rentenversicherung bringen.

Aus meiner Sicht ist auch bei der IndexGarant sehr zweifelhaft, ob unter dem Strich für den Anleger ein besseres Ergebnis herauskommt, als bei einer klassischen Rentenversicherung oder einer fondsgebundenen Variante mit einer intelligenten Fondsauswahl und dem richtigen Umgang mit dem Fondsbestand .
Ich befürchte, dass auch hier das Marketing und die „spannende Story“ mehr versprechen, als die Ergebnisse systembedingt halten können.

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