RSS

Schafft den gemeinsamen Bundesausschuss ab!

Der gemeinsame Bundesausschuss soll eine Art unabhängige Experteninstanz sein, die darüber entscheidet, was die Kassen alles zahlen und was nicht. Patienten sollen beteiligt werden und alles ist total zum Wohle des Bürgers!
Soweit das Federbett der Theorie. In Wirklichkeit trifft der gemeinsame Bundesauschuss sehr fragwürdige und nur ganz kurzreichende Entscheidungen. Zumindest aus Sicht der Patienten. Aus der Sicht von Ärzten und Kliniken mag das ganz anders aussehen.

Offensichtlich wird dies am Beispiel der Analog-Insuline (oder auch Insulin-Analoga, wie der Lateiner so wünscht…).  Ohne zu tief in die medizinischen Details einsteigen zu wollen: Analog-Insuline sind der derzeit aktuelle Stand der Forschung und das wirkungsvollste, was es für die Behandlung von Diabetikern derzeit gibt. Sie ermöglichen ein fast normales Leben (was esse ich wann?) und verbessern die Blutzuckerwerte dauerhaft und nachhaltig. Letzteres ist einerseits durch Studien belegt, andererseits kann ich es als Betroffener nach 35 Jahren Diabetes aus eigener Erfahrung bestätigen. Merkwürdigerweise finden sich immer wieder Ärzte, die genau diese Wirkung abstreiten. (Die können gerne mal bei mir anrufen!). Das zeigt, dass auch für wissenschaftliche Studien gilt: Traue keiner Statistik (Studie) die Du nicht selbst gefälscht hast.
Diejenigen, die jeden Tag mit Diabetes zu tun haben sind sich aber einig: Analog-Insuline verbessern die Diabeteseinstellung und helfen dadurch, die Spätfolgen dieser Krankheit zu verhindern. Diese Spätfolgen sind z.B. Nierenschäden (Dialyse), Augenschäden (immer wieder lasern, bis hin zur Blindheit), sonstige Gefäßschäden z.B. an den Extremitäten (Fuß- und Beinamputation) oder dem Herz-Kreislaufsystem. Also alles Leiden, die langwierige und kostenintensive Erkrankungen nach sich ziehen.

Selbst wenn die deutlich höhere Lebensqualität der Diabetiker dem gemeinsamen Bundesausschuss völlig egal sein müsste, weil eben letztlich nur die Kohle zählt, würde jeder einigermaßen unternehmerisch denkende Mensch die geringfügig höheren Kosten (knapp 100,- € p.a. pro Diabetiker) investieren, um die deutlich höheren Folgekosten zu vermeiden.
Die Fachleute  im gemeinsamen Bundesausschuss sehen das aber anders. Sie haben beschlossen, dass die Mehrkosten von Analog-Insulinen im Vergleich zu herkömmlichem (Human)Insulin nicht mehr von den Krankenkassen getragen werden. Das ist so, als würde man aus Kostengründen auf den Ölwechsel beim Auto verzichten. Eine Weile spart man da ein bißchen was, aber dann……. .

Info:
Betroffen sind vorrangig „TYP 1 – Diabetiker“ , der sog. „jugendliche Diabets“. Das sind nicht diejenigen, die wegen ihres Lebensstiles (Übergewicht, zu wenig  Bewegung usw.) an Diabetes erkranken, sondern deren Baucspeicheldrüse, z.B. aufgrund einer Erkrankung oder eines Infektes, kein Insulin mehr herstellt. Ich war 10 Jahre alt und ein dürrer Hering.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen, dass die Vertreterin des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), die Patienten werden ja beteiligt, rausgeworfen wurde. Ihre Argumente waren wohl nicht erträglich für die Entscheidungsträger?

Was sind die Hintergründe?
Ich kann natürlich nur spekulieren, aber das wären mögliche Theorien:

  • Im Bundesausschuss sind die Krankenkassen, die kassenärztlichen Vereinigungen und die Kliniken vertreten. Vielleicht ist es bei den Institutionen und Verbänden auch so, dass man nichtsnutzige und nervige Mitarbeiter in irgendwelche Kremien und Ausschüsse abschiebt, damit sie „zu Hause“ keinen Schaden anrichten können. Dann wäre der gemeinsame Bundesausschuss so etwas wie ein „Dumpbackenkremium“ und wir dürften uns über gar nichts mehr wundern.
  • Die Mitglieder des Ausschusses verfügen leider nicht über die nötige mentale Kapazität, um die Tragweite ihrer Entscheidungen zu erfassen. Dies ist gepaart mit einem hohen Maß an Beratungsresistenz.
  • Es zählen, wie meistens in der Politik, nur die kurzfristigen „Erfolge“. Das Volk ist ja sowieso so uninformiert und uninteressiert, dass es alles erträgt.
  • Die Klinikbetreiber konnten ihre Interessen durchsetzen.
    An einem gut eingestellten Diabetiker verdienen Kliniken heutzutage kaum etwas, die Behandlung findet meist ambulant statt. Ein Dialysepatient oder jemand mit ernsthaften Herz-Kreislaufkrankheiten dagegen ist wirtschaftlich ein wesentlich attraktiverer Patient….. .

Zugegeben, der letzte Punkt ist eine bösartige Unterstellung. Aber weil die Menschen so sind wie sie sind und diese Entscheidung an sich so ein Quatsch ist, scheint mir diese Gedankengang alles andere als unmöglich.

Fazit:
Der gemeinsame Bundesausschuss erfüllt seine Aufgabe nicht und schädigt sowohl die Patienten als auch die gemeinschaft der Versichterten!
Dieses Gremium gehört abgeschafft und durch ein funktionierendes und fachkundiges (!) ersetzt!

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Yahoo! Buzz
  • Twitter
  • Google Bookmarks

Your Comment