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Was die Aktienkurse bewegt

In den einschlägigen Internet-Foren taucht derzeit wieder vermehrt die Frage nach stabilen und weniger riskanten Aktien auf. Dann folgen oft Empfehlungen für Werte aus den Bereichen Nahrungsmittel (z.B. Nestlé), Pharma und Versorger.

Die Erklärung ist einfach:
Auch in Krisenzeiten müssen die Menschen essen und trinken, sie brauchen Medikamente und wollen zu Hause weder dunkel noch kalt sitzen. Gespart wird in diesen Bereichen als Letztes.
Andere Branchen wie z.B. Maschinenbau, Chemie und Banken sind deutlich stärker von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Man unterscheidet aus diesem Grund bei den Aktien zwischen Zyklikern und nicht-Zyklikern, gemeint sind hierbei die Konjunkturzyklen.  

Tatsächlich ist der Kursverlauf besonders von Nestlé eindrucksvoll: 

 

 

Chart Nestle

Nicht ganz so klar ist das Bild bei den Pharmawerten allgemein:

 

Chart MSCI-Pharma

Quelle: onvista.de

Deutlich wird, dass die Ausschläge noch unten und nach oben nicht so heftig sind wie bei den allgemeinen Indizes. Nach unten, weil die Unternehmensgewinne nicht so unter einer schwachen Konjunktur leiden. Nach oben, weil dann naturgemäß auch keine großes Gewinnwachstum bei einem Anziehen der Konjunktur zu erwarten ist.
Die Entwicklung seit 2008 ist sicher einem Sondereinfluss geschuldet, dazu später mehr.

An den Grafiken wird aber auch deutlich, dass die vermeintlich stabilen Werte zur gleichen Zeit herbe Verluste hinnehmen müssen wie der gesamte Markt. Bei Nestlé sicher stark gedämpft (was an der besonderen Wertschätzung des Unternehmens liegen dürfte) und auch etwas zeitverzögert. Bei den Branchenindizes allerdings ziemlich parallel zum Gesamtmarkt.
Woran liegt dies, wenn diese Unternehmen doch recht stabile Gewinne versprechen?

Was ist also Grund für diese starken Schwankungen?
Für große institutionelle Anleger (Fonds, Stiftungen, Versicherungen, Vermögensverwalter usw..) besteht eine Anlageentscheidung aus (mindestens) zwei Schritten. Der erste Schritt ist die Frage, welches Risiko mit einer Anlage eingegangen werden darf. Dann folgt die Analyse, welche Anlageklasse (z.B. Aktien, Renten, Immobilien, Rohstoffe) aktuell als wie riskant eingeschätzt wird und wie hoch dementsprechend der Gesamtanteil dieser Anlageklasse im Portfolio sein darf. Darüber hinaus wird meist eine breite Streuung angestrebt.
Das Ergebnis dieser Überlegungen ist dann eine Quote für jede Anlageklasse. Also z.B. die Quote von 30% für Aktien.

Erst im nächsten Schritt stellt sich die Frage, in welche Aktien investiert werden soll. An dieser Stelle tauchen dann Fragen nach Branchen und einzelnen Unternehmen auf, von denen sich der Asset-Manager (Vermögensverwalter) die besten Beiträge zur Umsetzung seiner Strategie verspricht.
Verändert sich die Risikoeinschätzung des Asset-Managers bezüglich der Aktienmärkte allgemein, wird er die Aktienquote entsprechend verändern. Sieht er ein sinkendes Risiko, kann er die Aktienquote erhöhen. Dann werden von allen für sinnvoll erachteten Aktien i.d.R. so viele nachgekauft, dass die Struktur des Aktienportfolios gleich bleibt.

Das Gegenteil geschieht, wenn die Risiken höher eingeschätzt werden. Normalerweise werden dann nicht bestimmte Aktien verkauft, sondern in der Breite die Quote verringert. Es werden also im großen Stil Aktien verkauft, was die Kurse drückt. Besonders, weil viele Asset-Manager das Risiko nach ähnlichen Kriterien einschätzen. Z.B. nach der Schwankungsintensität (Volatilität) der Märkte, nach wirtschaftlichen Nachrichten oder auch irgendwelchen Trendfolgemodellen (z.B. Charttechnik). Vielleicht werden auch noch Stopp-Loss Orders ausgelöst usw. .

So kommen auch Unternehmen, bzw. deren Aktien, unter Druck, deren Gewinnaussichten sich gar nicht verändert haben.
In diesen Marktphasen zählen die einzelnen Unternehmensdaten (Mikro) nicht viel. Die gesamten Rahmenbedingungen (Makro) sind es, die den großen Trend vorgeben und für die großen Gewinne und herben Verluste an den Aktienmärkten sorgen.

Viele Privatanleger machen den Fehler, sich zu sehr mit dem Thema „Mikro“ zu beschäftigen und zu wenig über die wirklich entscheidenden Makrothemen nachzudenken. Dies sieht man auch an den oben genannten Fragen in den Foren. 

Abschließend noch ein Wort zur aktuellen Entwicklung. In den obigen Charts sieht man seit 2008 eine deutlich bessere Entwicklung sowohl bei Nestlé als auch dem Pharmaindex. Dies dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass derzeit sehr viel Geld nach ein bisschen Sicherheit mit einer vernünftigen Rendite sucht. Dabei kommen viele in ihrer Not auf die vermeintlich stabilen Aktien.
2008 war das eine gute Entscheidung. Wer sich von dieser Vergangenheitsentwicklung anstecken lässt läuft Gefahr, den klassischen Anfängerfehler zu machen, anderen die Gewinne zu finanzieren. Es ist anzunehmen, dass diese Branchen und Unternehmen derzeit sehr hoch in den Portfolios gewichtet sind. Normalisiert sich die Welt wieder, wird dieses Übergewicht schnell wieder abgebaut und die Kurse geben stark nacht. Bestenfalls holt der gesamte Markt einfach nur auf und man verliert nichts (Gründe hierfür finden sich in diesem Artikel). Sich darauf zu verlassen ist aber schon wieder recht spekulativ…. .

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