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Zum Schluss noch eine Posse!

Was längst jedem Klar sein musste ist nun amtlich: Auch die beiden verbleibenden Schwergewichte der Immobilienfondswelt SEB Immoinvest und CS Euroreal werden agbewickelt. Über die Hintergründe der Problematik habe ich hier bereits berichtet.
Hat man die Entwicklung bei den anderen Fonds und die allgemeine Anlegerstimmung beobachtet, gab es wohl keine realistsische Chance auf eine reguläre Wiederöffnung mit anschließendem Weiterbetrieb dieser beiden Fonds. Die Privatanleger haben, salopp ausgedrückt, „die Schnauze voll“ und wollen so schnell wie möglich ihr Geld wieder unter Kontrolle haben. Zumal man ja aufgrund der Kursentwicklungen der bereits in der Abwicklung befindlichen Fonds subtile Zweifel an der Nachhaltigkeit der Wertermittlung der Immobilien im Fonds nur schwer unterdrücken kann. (Ich weiß, das kann man dem Kopf alles super erklären. Aber was bleibt ist dieses schlechte Gefühl im Bauch… .).  

Umso überraschender finde ich die Posse, die sich die Manager bei SEB und CS erlaubt haben. Man liest, sie hätten die „Anleger entscheiden lassen“, ob die Fonds abgewickelt oder weitergeführt werden sollen. Voller Hoffnung auf eine Weiterführung seien Sie brutal von der Realität überrascht worden! Autsch!   
Wenn das wirklich so ist, dann kennen sich die Jungs und Mädels vielleicht ja noch mit Beton, Stahl und Glas aus, aber gar nicht mit Menschen und ihren Ängsten.
Ich glaube ja, wir werden hier veräppelt und das ist alles nur ein Marketinggag. Es ist wohl anzunehmen, dass sowohl die Credit Suisse als auch die SEB Invest bald mit neuen Immobilienfonds nach der neuen Gesetzgebung (siehe das Ende dieses Artikels) auf den Markt kommen werden. Dann ist so ein „basisdemokratischer Ansatz“ beim Fondsmanagement ja ein nettes Aushängeschild. Vielleicht stimmen ja die Anleger dann auch bei Facebook über die zu erwerbenden Immobilien und deren Mieter ab? Schaumermal.
Gegen ein angemessenes Honorar würde ich die fb-Seite einrichten und betreuen… ;-). Und wenn die Abstimmung über eine Internetseite stattfinden soll, empfehle ich dieses Unternehmen für deren Erstellung und Betrieb aufs herzlichste.

Warum dieses ganze Abstimmerei nur ein Schwank sein kann, liegt aus meiner Sicht in der Wurzel des ganzen Übels: Der Anlegerstruktur dieser Fonds.
Es waren ja nicht die Kleinanleger, welche die Probleme dieser Branche ausgelöst hatten, sondern institutionelle Anleger, die schlagartig ihre Gelder abgezogen haben und weiter abziehen wollten. Diese sind natürlich von der Schließung der Fonds genauso betroffen  und stecken auch fest. Mit diesen großen Investoren ist das Fondsmanagement aber sicher im stetigen Kontakt. Die müssen nämlich immer wissen, wie die Risiken einzuschätzen sind und was sie ihren Kunden erzählen sollen.
Von daher wusste das jeweilige Fondsmanagement sicher längst, dass die angesammelte Liquidität nicht ausreichen würde, um die Fonds weiter zu betreiben. (Das ist natürlich reine Spekulation von mir. Beweise habe ich für diese These keine.). Aber so kann man wenigstens noch einmal Kundennähe zeigen.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass dieses Drama wirklich kein glückliches Ende nehmen wird. Es gibt aber doch ein paar zarte Silberstreifen am Horizont. Der BVI berichtet von Mittelzuflüssen bei den Immobilienfonds, welche aufgrund ihrer Anlegerstruktur nicht in Liquiditätsprobleme gekommen sind. Das sind dann zwar die Fonds, die vor 2008 nicht die Qualität eines AXA Immoselect, KanAm Grundinvest, SEB Immoinvest, DEGI International oder CS Euroreal hatten, aber wenigstens die gewünschte Sicherheit dieser Anlageklasse darstellen konnten. Das ist in diesen Tagen ja schon viel wert. Und so kommt es, dass plötzlich ein Fonds wie der Deka zu unerwarteten Lorbeeren (=Mittelzuflüssen) gelangt. Das Leben geht manchmal gar merkwürdige Wege.. .
Aber egal, wenn das Anlegerinteresse an dieser Anlageklasse zurückkommt und die neue Gesetzgebung dafür sorgen wird, dass die Privatanleger wieder etwas Vertrauen zurück gewinnen, dann besteht Hoffnung für einen Stabilisierung dieses Marktes. Und davon haben schließlich alle etwas.

Die FTD schreibt am 8.5.12 über die gesetzlichen Neuerungen:
„Für die Zukunft des Produktsegments ist nach Ansicht von Fondsexperten vor allem das neue Investmentgesetz entscheidend, das Anlegern für ihre Anteile eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren vorgibt, binnen der sie pro Halbjahr maximal 30.000 Euro aus einem Fonds abziehen können. „So wird das Produkt wieder als Langfristanlage positioniert“, sagt Bone-Winkel von IREBS.“

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