RSS

Alle wollen die Banken zerschlagen!

Banken zerschlagen! Das ist derzeit wohl das Schlagwort im Zusammenhang mit der Schuldenkrise (oder von mir aus auch Eurokrise) am meisten genannte Schlagwort in der Politik. CDU, SPD und Grüne nutzen diesen martialischen Ausdruck. Sogar die FDP scheint bereit, über diese Idee zu reden. Was etwas verwundert, schließlich geht es um einen staatlichen Eingriff in wirtschaftliche Dinge. Genau aus diesem Grund müsste die Linke eigentlich dafür sein. Wenn aber alle anderen Parteien schon dafür sind, dann sind die Linken bestimmt irgendwie dagegen. Vielleicht weil es nicht weit genug geht und nur die Verstaatlichung sie glücklich machen würde? Ich bitte um Vergebung, wenn ich mich mit den Positionen der Linken nicht nachhaltig beschäftigen werde.
Ach ja, die Piraten muss man ja neuerdings wahrnehmen. Aber da ist es leicht: Die haben zu diesem Thema wahrscheinlich noch keine Position. Hauptsache, das Internet wird nicht zerschlagen… .       

Zur Sache:
Die Grundidee ist, das „gute“ vom „bösen“ Bankgeschäft zu trennen. Gut ist dabei alles, wofür wir als normale Menschen die Banken brauchen. Also Kontoführung, sparen, vorsorgen, Baufinanzierung usw. . Die Banken nennen das Privatkundengeschäft. Ob wirklich gut ist, was die Banken in diesem Bereich so treiben, darüber könnte man wunderbar streiten, siehe meinen Artikel über die „Bankberatung. Aber nehmen wir das mal so hin. Dazu kommt noch der Bereich, in welchem Banken die Wirtschaft mit Geld in Form von Krediten versorgen. Also das, was seit der Finanzkrise nur in sehr beschränktem Umfang geschieht.

Böse ist das, was nach Spekulation riecht. Hier vor allem der Eigenhandel. Also der Bereich, in welchem die Bank mit ihrem eigenen Geld (nicht dem von Kunden) an den Kapitalmärkten aktiv ist und dort versucht Gewinne zu erzielen. Das ist der Bereich, über welchen die „toxischen“ Papiere in der Finanzkrise in die Bilanzen der Banken kamen, was dann zu den bekannten dramatischen Entwicklungen führte. Das ist auch ein Bereich, in welchem sehr hohe Boni an gute Leute gezahlt wurden (und werden?), weil die Banken dort oft sehr sehr viel verdient haben. Aber jeder Leser dieses Blogs weiß, dass hohe Renditen nur mit hohen Risiken zu erzielen sind. Manche Leute sagen, der Eigenhandel einer Bank wäre nichts anderes, als ein riesengroßer Hedgefonds. Da tut man aus meiner Sicht den Hedgefonds unrecht. Nicht alle sind solche Zockerbuden und die Transparenz dürfte beim gemeinen Hedgefonds deutlich höher sein.

Es klingt also durchaus vernünftig, dieses lukrative aber riskante Geschäftsmodell von dem klassischen Bankgeschäft mit Krediten und Spareinlagen zu trennen. Das sollte dazu führen, dass ein Verlust des Eigenhandels nicht mehr dazu führen kann, dass der „systemrelevante“ Teil der Bank (Kredite und Spareinlagen) in Zahlungsschwierigkeiten kommen kann. Die SZ beschreibt die Gedankengänge der beteiligten gestern in einem Artikel.

Was in der Theorie einfach und logisch klingt, ist in der Praxis aber unendlich schwierig. In Europa ist das Modell der „Universalbank“ seit vielen Jahren historisch gewachsen. Diese unternehmensinternen Geflechte zu entwirren wird sehr schwierig. Das Handelsblatt schreibt gestern von einer „Trennung siamesischer Zwillinge“. Dies könnte die Bilanzen der Banken auch schwer belasten und auf längere Zeit für Krisen noch anfälliger machen. Das Handelsblatt führt noch weitere Gründe auf, warum die Zerschlagung nicht sinnvoll wäre. Ich teile nicht alle genannten Argumente, aber ich befürchte, dass die im Grundsatz gute Idee nicht realisierbar sein wird. Aus meiner Sicht sind dies die Hauptgründe:

  1. Zu wenig Sachverstand
    Die ganze Welt der Finanzmärkte ist dermaßen komplex, dass kaum ein Insider wirklich alle Zusammenhänge im Überblick hat und beherrschen kann. Die Politik kann das erst recht nicht. Dort sitzt bestenfalls die zweite Reihe an klugen Köpfen. Die erste Reihe spielt für ein vielfaches des Jahreseinkommens eines Herrn Schäuble (den ich durchaus für einen klugen Kopf halte) im anderen Team.
  2. Wer hat den Größten?
    In den Führungsetagen der Banken sitzen meistens Männer. Und Männer sind genetisch dazu verdammt, immer aufs Neue unter Beweis zu stellen, dass sie (damit ist jeder einzelne gemeint) als einzige fortpflanzungswürdiges Erbgut besitzen. Dafür können wir nichts, das ist einfach so. Macht und Geld sind die zeitgemäßen Symbole für diesen Anspruch. Geld zeigen gilt ein wenig als unfein und wird eher unterschwellig betrieben. Aber Macht ist schon ein starkes Argument. Und hier ist ganz klar: Je größer die Bank „unter einem“, desto größer die Macht.

Eine Zerschlagung würde die Einheiten deutlich verkleinern. Damit auch die Macht der Vorstandsmänner und somit die „fortpflanzungswürdigkeit deren Erbgutes“. Aus diesem Stoff wurden in der Menschheitsgeschichte schon diverse Kriege gemacht. Es ist also mit erbittertem Widerstand der Bankbranche zu rechnen. Und deren Macht weit in die Politik hinein ist sicher nicht zu unterschätzen…. .

Fazit:
An sich wäre die Zerschlagung der Banken in diesem Zusammenhang eine gute Idee. In der Praxis kann ich mir die Umsetzung nicht vorstellen. Die Politik nutzt dieses Thema derzeit nur für ihre Zwecke. Die Regierung übt Druck auf die Banken aus, um die gewünschte Eigenkapitalerhöhung durchzusetzen. Außerdem kommt Bankenschelte beim Volk gut an, was auch Herrn Gabriels SPD und die Grünen gerne für sich nutzen.
Ich glaube nicht, dass dabei wirklich etwas rauskommt.

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Yahoo! Buzz
  • Twitter
  • Google Bookmarks

2 Comments Add Yours ↓

  1. 1

    Die Pointe ist, dass es nicht bei der Zerschlagung der Banken bleiben darf. Jeder unrechtmäßige Besitz und die Spekulation damit muss reevaluiert werden sonst wird tatsächlich eine lahme Staatsverwaltung vor einer viel zu komplex gewordenen Welt kapitulieren müssen. Es ist wieder an der Zeit etwas Mut zu beweisen.

  2. 2

    Das ganze Zerschlagen-Thema, finde ich sowie ziemlich unsinnig. Das System stützt sich ja selbst. Reform ist das Sinnvollste, auf das man spekulieren darf.


1 Trackbacks/Pingbacks

  1. Anonymous 21 10 11

Your Comment