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Wer frei von Sünde ist, der investiere nicht in diesen Fonds!

So oder so ähnlich würde sich vielleicht Jesus über den Fonds „Peccata Global“ (WKN A1CXUS, ISIN DE000A1CXUS4) äußern?
(Peccata = lateinisch für „die Sünden“) Aber schon die biblische Originalgeschichte hat uns ja gezeigt, dass der Mensch an sich wohl nicht als „sündenfrei“ zu betrachten ist. Also kaufen und verdienen, oder?

Ist das jetzt wirres Gefasel oder hat das tatsächlich etwas mit der Anlage von Geld zu tun?

Im Prinzip geht es um ein klassisches Prinzip der Auswahl von Aktien. Gesucht sind, gerade für weniger spekulative Investments, Aktien, die relativ unabhängig von den vorherrschenden Konjunkturzyklen laufen. Klassiker in diesem Bereich sind Pharmawerte und Energieversorger. Die Menschen haben nicht weniger Kopfschmerzen, wenn die Wirtschaft nicht gut läuft und bevor tatsächlich bei Strom und Wasser gespart wird, wird eher mal kein neues Auto oder kein neuer Fernseher gekauft. Auf finanzdeutsch nennt man solche Aktien dementsprechend „Nichtzykliker“. Das Gegenteil, also „Zykliker“ wären dann Beispielsweise Autohersteller oder Maschinenbauer.

Was sind also die Branchen, die immer Geld verdienen, mal von den genannten abgesehen? Da gibt es z.B. die Hersteller von Luxusgütern. Die Reichen dieser Welt lassen sich nur sehr schwer davon abhalten, Champagner zu schlürfen, teure Klamotten zu kaufen und ihren Überfluss zur Schau zu stellen. Besonders, weil es in den schnell wachsenden Ecken dieser Welt viele neue Reiche gibt, die es sehr genießen endlich dort angekommen zu sein.

Wenn mich jemand fragt, in was man denn in Krisenzeiten investieren könnte, sage ich immer „Mädchen- und Waffenhandel florieren immer“. Das ist natürlich eher scherzhaft gemeint. Aber eigentlich ist es richtig. Die Rüstungsindustrie würde sich eher von einem plötzlich ausbrechenden Weltfrieden schockieren lassen, als von einer schwächelnden Konjunktur. Und auch die Umsätze im Rotlichtmilieu werden eher von relativ stabilen Basisbedürfnissen gestützt, als von der Gewinnsituation der DAX-Unternehmen (ERGO vielleicht mal ausgenommen ;-)). Befreit von allen ethisch-moralischen Schranken sind das rein rational betrachtet gewinnversprechende nichtzyklische Investments mit einem vergleichsweise stabilen Geschäftsmodell. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man, wenn man sich Unternehmen aus der Tabak-, Alkohol-, und Glücksspielindustrie anschaut.

Dumm nur, dass man damit volles Rohr gegen den Zeitgeist stänkert. Nachhaltigkeit, Öko und Ethik sind sehr beliebte Themen bei der Auswahl von Anlagemöglichkeiten und derzeit voll im Trend. Wie wahrhaftig die Fonds, die sich mit diesen Etiketten schmücken bei der Auswahl ihrer Titel tatsächlich sind, müsste man erstmal prüfen. Der Manager des „Peccata Global“, Dr. Conrad Mattern, äußert in einem Interview im Manager Magazin im April dieses Jahres (Auflagezeitpunkt des Fonds) hier zumindest seine Bedenken. Und ein Kenner der Branche ist Dr. Mattern allemal.

Merken Sie etwas? Nachhaltigkeit und so weiter ist voll im Trend. Und wie verdient man Geld? Indem man mit dem Trend schwimmt? Meistens eher nicht. Nicht umsonst ist „antizyklisches investieren“ ein stehender Begriff im Vokabular der Finanzwelt. Wenn also alle ethisch-grüne-nachhaltige Investments suchen, dann müsste das genaue Gegenteil davon doch derzeit gewinnversprechend sein, oder?
Dies ist zumindest die Argumentation von Herrn Dr. Mattern und wenn man sich den weiter unten folgenden Chart anschaut, dann hat er in diesen turbulenten Wochen recht behalten. Sein Sündenfonds hat die Nachhaltigkeitsprodukte deutlich „outperformed“ (wie die Finanzwelt zu sagen Pflegt, wenn mehr heraus gekommen ist).

Peccata Global im Vergleich mit dem MSCI Welt und einem willkürlich gewählten Nachhaltigkeitsfonds (Quelle: www.onvista.de)

Spannend finde ich die Story, die Dr. Mattern rund um die Auswahl seines Anlageuniversums entwickelt hat. Er bezieht sich auf die sieben biblischen Todsünden. Für die weniger bibelfesten unter uns hier mal zur Erinnerung:

Stolz, Habgier, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit und Trägheit.

Mattern ordnet die für das Portfolio in Frage kommenden Branchen diesen Sünden zu. Die Rüstungsindustrie fällt in die Kategorie Zorn, „Erwachsenenunterhaltung“ passt natürlich zur Wollust. Auch die Zuordnung der Investmentbanken wie Goldman Sachs zur Habgier wird allgemein auf große Zustimmung stoßen, auch wenn der Münchener Vermögensverwalter in manchem Bankturm sicher deswegen der Ketzerei bezichtigt werden dürfte. Aber auch das ist schließlich etwas sündiges…. .

Es gibt aber auch viele harmlosere Beispiele. So soll laut einem anderen Kommentar Mc Donalds unter dem Aspekt der „Maßlosigkeit“ für das Portfolio in Frage kommen. Die Hersteller von Luxusgütern sind demnach dem Stolz verfallen und Lifestyle-Produkte werden des Neides wegen gekauft.
So finden sich dann auch Branchen und Aktien im Fonds wieder, die auch in jedem „normalen“ globalen Aktienfonds gefunden werden können. Die Sündhaftigkeit liegt also zu einem ordentlichen Teil im Auge des Betrachters.

Also diesen Fonds kaufen, weil wir alle kleine Sünderlein sind?
Aus rein rationalen und anlagetechnischen Gesichtspunkten gibt es vieles, was für ein Investment in diesen Fonds spricht. Antizyklisch, Valueansatz und ein erfahrener Manager, der das Thema „Behavioral Finance“ mit der Fundamentalanalyse kombiniert.
Den Rest muss jeder selbst mit sich und seinem Gewissen vereinbaren. Große Investoren dürften den Fonds scheuen, da die Außenwirkung „politisch unkorrekt“ sein könnte.
Auch private Anleger werden wohl eher „heimlich“ ein so sündhaftes Investment tätigen. Wir werden an der künftigen Volumensentwicklung ablesen können, ob der Fonds sich zu einem dauerhaften Geheimtipp entwickelt. Sollte er sich nachhaltig so positiv vom Markt und dem Wettbewerb abheben wie in den letzten Wochen, sehe ich da durchaus Potenzial. Und eine nachhaltige Outperformance ergibt ja auch so  eine Art Nachhaltigkeitsfonds…… .

Nachtrag vom 11. Oktober 2011:
Der September war kein guter Monat für die Sünde. Zumindest wenn man in ebendiese investiert hatte. Der Fonds verlor ca. 18%. Der MSCI-Welt gab in diesem Zeitraum nur 4,6% ab.
Was lernen wir daraus? Auch die Sünde kommt gegen die Angst der Anleger nicht an… . Aber wahrscheinlich sind dann bei einem erneuten Anstieg ein paar sündige Prozente mehr für denjenigen zu erzielen, der in solchen Zeiten den ersten Euro wirft…. .

 

 

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