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Sind Fondsmanager Geldvernichter?

Der Spiegel berichtet diesen Monat über eine Studie, die bestätigt, was wir eigentlich schon lange wissen: Die Mehrzahl der aktiv gemanagten Fonds schafft es nicht, nachhaltig ihren Markt bzw. den Vergleichsindex zu schlagen.
Was heißt das? Angenommen, wir wollen in deutsche Aktien investieren und haben begriffen, dass Anlagen in einzelne Aktien für Privatanleger ein reines Glücksspiel sind. Dann liegt es nahe, einen Investmentfonds zu nehmen, welcher in deutsche Aktien investiert. Der wirkliche Vorteil liegt darin, dass schon kleine Beträge über viele Aktien (alle die im Fonds sind) verteilt werden. Das senkt das Risiko und ist deshalb eine ziemlich schlaue Idee!
Natürlich könnte man auch Zertifikate, Optionen, Futures oder so etwas kaufen. Das sollten Sie aber nur dann tun, wenn Sie wirklich genau wissen, was das ist und was Sie da tun. Sonst haben wir auf einmal wieder extrem große Risiken und eventuell ist das ganze Geld weg, obwohl der Aktienmarkt schöne Gewinne macht. Und glauben sie hierbei auf keinem Fall dem Bankberater (auch nicht der Beraterin). Den gibt es nämlich gar nicht. Lesen Sie hier warum.
Wir sind also schlau und nehmen einen Fonds, weil er das Instrument mit der größten rechtlichen Sicherheit ist. Dann stellen wir bei näherer Betrachtung fest, dass die Auswahl sehr groß ist und uns die Anbieter gerne versprechen, unser Geld in diesem „aktiv“ zu verwalten. Das Ziel ist dann immer, mehr Gewinne bzw. weniger Verluste zu machen, als der Aktienmarkt an sich. In unserem Beispiel müsste so ein Fonds also besser sein als „der DAX“. Und genau das schaffen nur wenige Fonds, wie der Spiegel berichtet.



Warum ist das so?
Schauen wir uns mal den DAX an. Der DAX ist ein Index. Im Prinzip also eine Liste mit Aktien, die nach gewissen Kriterien ausgesucht werden. Im Fall des DAX ist meist der DAX 30 gemeint, in welchem die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften (gemessen am Wert aller Aktien = Marktkapitalisierung) enthalten sind.
Ein Fondsmanager hat nun also die Aufgabe, unter diesen 30 Aktien diejenigen zu finden, die in naher Zukunft mehr Gewinne machen und von diesen mehr im Fonds zu haben, als von den schwächeren Aktien. Nehmen wir mal an, die Aktienkurse würden tatsächlich irgendwelchen logischen Regeln folgen und man könnte anhand irgendwelcher Zahlen die künftige Entwicklung berechnen (Sie merken, ich habe mehr als nur leichte Zweifel….). Dann müsste man entweder schlauer sein, als alle anderen, die an den Aktienmärkten tätig sind, oder bessere Zahlen bzw. Informationen haben, als der Rest. Und genau hier hapert es. Vielleicht sind die paar Prozent, die den Index dauerhaft schlagen, wirklich schlauer. Dann sind es halt nur die wenigen. Aber mit Sicherheit hat im Bereich der DAX-Unternehmen keiner bessere Informationen als der Andere.
Der Grund ist, dass diese Firmen über spezielle Abteilungen (finanzdeutsch: Investor Relationship) verfügen, welche allen Interessierten systematisch die gleichen Informationen zur Verfügung stellen. Es wissen also alle das Gleiche. Dann gibt es eine ganze Horde an Analysten, welche diese Zahlen extrem gründlich analysieren und interpretieren. Da bleibt nichts unentdeckt und keine Meinung bleibt unausgesprochen. Es ist also bei den großen bekannten Indizes (Mehrzahl von Index) wie z.B. DAX, EuroStoxx, Dow Jones, Nikkei usw. nicht möglich, einen Wissensvorsprung vor dem Rest des Marktes zu schaffen und dadurch Gewinne zu erzielen.

Und jetzt?
Einfach die Aktien kaufen, wie sie im DAX sind und die gleiche Entwicklung machen? Damit wäre man immer noch bei den besten 20%!
Das funktioniert nicht, weil der Fonds ja Kosten hat. Die Verwaltungsgebühr und ein paar weitere Kosten verschlingen im Jahr ca. 2% des Fondsvermögens. Es ist aus diesem Grund nicht sinnvoll, einfach den Index nachzuahmen. Man braucht also eine Idee, wie man die Kosten wieder reinholen kann und am besten noch was obendrauf packt. Die meisten Fonds versuchen dies, indem sie Dinge beimischen, die nichts mit dem eigentlichen Markt zu tun haben. Das können z.B. die Aktien von kleineren Firmen (Small- oder Midcap) sein. Dies erhöht allerdings das Risiko bei fallenden Kursen. Es könnten aber auch festverzinsliche Papiere sein. Je nachdem, was die Regeln für den Fonds zulassen und der Fondsmanager für gut hält.
Hier kann es wirklich sein, dass sich „schlauere“ Manager langfristig durchsetzen. Besonders diejenigen, die es schaffen, schlimme Verluste zu begrenzen, werden im Langfristvergleich vorne liegen. Manchmal gehört auch einfach nur Glück dazu. Man muss als Anleger aber dann schon mal hinschauen, ob im Fonds wirklich noch das ist, was man haben wollte.

Beispiel:
Sucht man auf Morningstarfonds.de nach den Fonds der Kategorie „Aktien Deutschland“ mit der besten Wertentwicklung der letzten 10 Jahre, dann ist der beste Fonds, der tatsächlich auf deutsche Aktien abzielt der „DWS Aktien Strategie Deutschland“. (In den letzten 10 Jahren im Schnitt 5,88% pro Jahr. Das ist viel besser, als es sich anhört!). Auch dieser Fonds wird mit dem DAX verglichen. Nutzt man aber die sehr detaillierten Informationen von Morningstar stellt man fest, dass rund ein Drittel des Fonds nicht in großen Unternehmen investiert ist, sondern in kleinen und mittleren. Solange diese Wette aufgeht (oder Fondsmanager wirklich ein „schlauerer“ ist) wird’s dem Anleger egal sein. Aber wenn es an den Märkten mal wieder so richtig rauscht, dann kracht es meistens bei den kleinen Unternehmen lauter als bei den großen. Kurz gesagt: Wir kaufen uns die gute Wertentwicklung (finanzdeutsch: Performance) mit einem erhöhten Risiko. Das passt ja, denn schließlich ist „Risiko die Währung, in der wir immer für die Chance auf Gewinne zahlen“.

Somit ist es also ziemlich logisch, dass ein Fonds, der das tut was man von ihm will, nämlich in deutsche Standardaktien aus dem DAX zu investieren, kaum eine Chance hat besser zu sein als der Index.

Sind Fondsmanager also Geldvernichter?
Nicht mit Absicht und nicht gerne. Aber die Fondsindustrie gaukelt uns schon erfolgreich vor, dass aktiv gemanagte Fonds in diesen Standardmärkten einen Sinn machen würden. Machen Sie auch, aber immer nur für die Fondsgesellschaft und viel zu selten für den Anleger! Die Fondsmanager selbst geben sicher meist ihr Bestes. Aber genau genommen haben wir es hier mit dem Versuch der Quadratur des Kreises zu tun. Die Fondsmanager als Personen sind eher nur Tathelfer. Die Banken und Fondsgesellschaften veräppeln uns hier, wie anderswo, seit Jahren erfolgreich, um etwas von unserem Geld abzubekommen.

Was kann man als Anleger dann aber tun?
Soll man, wie vom Spiegel vorgeschlagen, selbst direkt in Aktien investieren? Besser nicht! So was kann ein Journalist mal so locker flockig dahin schreiben, aber Sinn macht das keinen. Machen Sie sich doch mal den Spaß und rechen aus, wie hoch der Anlagebetrag mindestens sein müsste, mit welchem man so investieren könnte, wie der Dax zusammengesetzt ist. Dieser Wert ändert sich jeden Tag mit den Aktienkursen, ist aber auf jeden Fall deutlich im sechsstelligen Bereich zu finden (mehrere hunderttausend Euro). Das fällt also aus. Stattdessen auf Instrumente wie Optionen, Futures oder Zertifikate zu setzen (so genannte Derivate) ist für den Privatanleger sicher auch keine gute Idee. Viel zu komplex und deswegen sehr riskant.
Die Antwort fällt also nicht leicht.
Vielleicht nähern wir uns einmal von einer anderen Seite? Wir wollen mit so  einer Anlage doch letztlich von den Chancen profitieren, die dieser Markt uns als Anlegern bietet. Im Falle des Dax heißt das, dabei sein, wenn es richtig hoch geht. Z.B. in Phasen wie zwischen 2003 und 2008, als der DAX von rund 2.300 Punkten auf rund 8.000 Punkte gestiegen ist. Das waren rund 250%. Mal im Ernst: Da geht es doch um die große Zahl. Ob ich als Anleger nun 245% oder 250% erziele ist erstens sowieso ein Glücksspiel und zweitens dann auch nicht mehr so wichtig. Es zählt also erstmal der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles! Im Vergleich zu den Auswirkungen der Entscheidung, ob und wann ich in so einen Markt investiere ist die Auswirkung der Frage, ob ich zufällig den besten Fonds erwischt habe relativ unbedeutend. Ich muss nur schauen, dass mein Fonds auch wirklich dort investiert, wo er es tun soll.
Man sollte sich also nicht zu verrückt machen bei der Auswahl eines Fonds, man weiss ja sowieso nicht, welcher in der Zukunft zu den Besten gehören wird. Der Blick auf die Vergangenheit hat hierfür nur eine sehr begrenzte Aussagekraft.
Aber eine Entscheidung muss man ja treffen, also was tun?

Aus meiner Sicht ergeben sich zwei Optionen:

1. Man nehme einen Indexfonds. Das ist ein Fonds, der so genau wie möglich den Index abbildet, also genau die gleichen Aktien im gleichen Verhältnis zueinander kauft, wie sie im Index enthalten sind. Hier macht sich niemand Gedanken über das, was die Analysten so denken und niemand versucht bessere von schlechteren Aktien zu unterscheiden. Es gibt also kein „aktives Mamagement“. Man spricht auch von einem „passiv gemanagten“ Fonds. Änderungen gibt es nur, wenn sich an der Zusammensetzung des Index etwas ändert.
Für diese Fonds braucht man keine teuren Fondsmanager und keine tollen Analysten. Deswegen sind die Verwaltungsgebühren für solche Fonds auch deutlich niedriger (z.B. 0,5%). Dennoch schmälern diese den Gewinn, weshalb auch die Indexfonds immer etwas schlechter sein werden, als der Index selbst. (Im Index sind überhaupt keine Kosten berücksichtigt) Aber näher an den Index kommt man kaum heran. Und ein Fonds ist immer noch das sicherste und transparenteste Instrument für den Privatanleger. Für eine Anlage in den so genannten Standardwerten aus den großen oben genannten Indizes ist so ein passives Investment sicher keine schlechte Entscheidung.

Einschub:
Eine Sonderform von Indexfonds stellen übrigens die derzeit sehr modischen ETFs (Exchange Traded Funds) dar. Eigentlich sind das erstmal nur Fonds, die über die Börse gehandelt werden und nicht wie üblich mit der Fondsgesellschaft. Meist handelt es sich hierbei um passiv gemanagte Fonds. Allerdings sollte man auch hier überlegen, ob man versteht was man kauft. Da die gesetzlichen Regeln diesen Fonds einen größeren Spielraum einräumen, wird das Thema komplizierter. Wenn Ihnen nicht klar ist, wo der Unterschied zwischen DAX und DAX-Short liegt, dann besser Finger weg von den ETFs!

2. Wer die Chance auf eine über dem Index liegende Performance (finanzdeutsch: Outperformance) behalten will, der sollte sich ein Meinung bilden, für welchen Anlagestil er dafür die größten Chancen sieht. Es tut mir leid, aber das ist echt mit Arbeit verbunden. Begriffe wie Value, Growth, Midcap, Smallcap, Emerging Markets, BRIC, Corporate Bonds und einige mehr sollten keine böhmischen Dörfer sein. Wer an dieser Stelle nicht bereit ist, Zeit zu investieren, wird immer ein Opfer der Kapitalmärkte sein.
Wer sich hier eine Meinung bildet, kann sich die dazu passenden Fonds aussuchen und eine Strategie für den Ein – und den Ausstieg festlegen. Toi toi toi!

Wer sich über solche Fragen keine Gedanken machen möchte, sollte sich mit vermögensverwaltenden Fonds beschäftigen. Zu ein paar Exemplaren gibt es hier bei finanzdeutsch bereits Hintergrundinfos.

Carmignac Patrimoine, DB PrivatMandat, Union Privatfonds

 Ach! Und besser nicht den Redakteur vom Spiegel fragen…. 😉

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  1. 1

    Ich mag diese provokante Überschrift. 🙂 Ich finde es hat immer viel mit hauptberuflichen Glücksspiel zu tun. Aber selbstverständlich ist ein Wissen dafür auch von Nöten, sonst sind Fonds auch nicht die ideale Anlage.


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