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Jetzt rein in die tollen Autoaktien?

Rund um den Jahreswechsel werden in den einschlägigen Sendungen im Fernsehen regelmäßig die Gewinner des Jahres an den Aktienmärkten bejubelt.
In 2010 waren, zur Verwunderung vieler Beobachter, in Deutschland ausgerechnet die Autohersteller ganz oben auf der Liste. Die Aktien von VW und BMW haben jeweils um mehr als 85% in einem Jahr zugelegt. Daimler nimmt sich da mit einem Plus von rund 36% schon fast bescheiden aus. Und was ist eigentlich mit Audi los? Nur 27,2%. Und das soll Vorsprung durch Technik sein? 😉

Also jetzt schnell rein in die Autowerte?
„The trend is your friend“ und wer einmal so tolle Gewinne geschafft hat, der schafft das auch noch einmal. Oder?    
Wenn Sie so denken und deswegen auf diesen Artikel gestoßen sind, dann willkommen in der Welt der Gier. Und in der Welt der Opfer der Kapitalmärkte. Aber kaufen sie ruhig jetzt zu diesem Preis BMW- und VW-Aktien. Diejenigen, die seit Anfang letzten Jahres in diesen Werten investiert waren und diese schönen Gewinne in ihren Depotberichten stehen haben, brauchen schließlich jemanden, der es ihnen ermöglicht, diese Gewinne auch zu realisieren. Also Käufer auf diesem Niveau. Ihr Geld wäre also nicht weg, es hätte nur jemand anderes…. .

Aber ich glaube, ich bin gerade ein bisschen bösartig. Das meine ich nicht so, ich bin gar nicht böse. Ich will nur wachrütteln. Es gibt so viele tolle vernünftige Börsenregeln, die wirklich zu Erfolgen am Aktienmarkt führen. Aber leider werden diese nur allzu oft von der Gier oder der Angst überlagert, was zu hohen Verlusten und verarmten Anlegern führt.
Eine dieser ganz einfachen Regeln lautet: billig kaufen, teuer verkaufen. Klingt logisch, oder? Logisch ist dann auch die Frage: Sind die Aktien von BMW und VW nach diesen Gewinnen noch billig? Sicher nicht! Billig waren diese Aktien besonders um den Jahreswechsel 2008 / 2009. Auch Anfang 2010 waren diese Werte sicher noch nicht teuer, zumindest aus heutiger Sicht. Damals hätte man -im Nachhinein immer schlauer- kaufen müssen. Aber wie waren die Aussichten für Autohersteller in dieser Zeit? In der allgemeinen Wahrnehmung stand die ganze Branche kurz vor dem Abgrund. Auf der ganzen Welt wollte anscheinend niemand mehr niemals wieder ein deutsches Auto kaufen. Der Steuerzahler musste mit der Abwrackprämie großzügige Subventionen verteilen und die stolzen Premiumhersteller fragten -mehr oder weniger- demütig und vorsichtig nach staatlicher Hilfe, wie sie Banken erhielten. Die Stimmung war schlecht. Und was machten die Anleger? Sie verkauften Aktien, besonders die von den fürchterlichen Autoherstellern. Nur, wer sich damals gegen den Trend stemmte, nicht dem allgemein vorherrschenden Gefühl der Angst folgte und in diese Aktien einstieg, der gehört heute zu den Gewinnern. Da war schon viel Mut oder Cleverness nötig. Aber der Lohn ist fürstlich. Eine andere ganz einfache Börsenregel lautet: Buy on bad news, sell on good news.
Das bringt uns auf eine andere Fährte der Börsenpsychologie: Die Überraschungen. In den Börsenkursen sind ja bekanntlich immer die aktuellen Erwartungen der Marktteilnehmer eingepreist. 2009 waren die Erwatungen aufgrund der aktuellen Lage grottenschlecht. Irgendwann konnte es keine negativen Überraschungen mehr geben, weil man sowieso vom baldigen Untergang der deutschen Autohersteller ausging. Nun, ganz so schlimm war es wohl nicht, aber an der Börse wird ja gerne mal übertrieben. Umso wirkungsvoller sind in solchen Situationen positive Überraschungen. Zum Beispiel, dass die Inder und Chinesen doch nicht komplett dem Autofahren abgeschworen haben. Oder, dass deutsche Autos doch nicht über Nacht zu unattraktiven Ladenhütern geworden sind. Und schwupps sorgen solche vollkommen überraschende Überraschungen für eine Gegenbewegung an den Börsen und treiben die Kurse der Autohersteller wieder in luftige Höhen.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass gerade die Autowerte aber zuvor extrem unter die Räder gekommen waren. Die VW-Aktie kam von mehr als 120 Euro und ist auf rund 30 Euro gefallen. Das ist ein Verlust von rund 75%. Dazu kommt noch, dass die VW-Aktie wegen des Gerangels mit Porsche sowieso vollkommen am Rad gedreht hatte und zum reinen Zockerpapier mutiert war.
Die Aktie von BMW war im Zuge der Finanzkrise um mehr als 50% gefallen. Wer vor diesem Hintergrund erkannt hatte, dass Aktien von BMW, VW, Daimler und Co. gerade eher billig als teuer sind, der hat ordentlich Coolness bewiesen und sich seinen stattlichen Gewinn wirklich redlich verdient.

Das Auf und Ab der Autowerte. Die VW-Aktie hat sich zum Zockerpapier entwickelt. Quelle: www.onvista.de

Aber wie ist die Situation denn heute?
Das Wirtschaftswachstum ist weltweit super. Besonders die deutsche Wirtschaft steht bestens da. Deutsche Autos sind auf den Motorshows dieser Welt wieder im Fokus und wer sich was leisten kann und was auf sich hält will auch in den boomenden Regionen dieser Welt einen Mercedes, BMW, Audi oder Porsche in der Garage haben. Alles toll.
Aber was soll es jetzt noch für positive Überraschungen geben? Es ist doch gerade alles so toll. Besteht nicht viel mehr das Risiko, dass wir von schlechten Nachrichten auf dem falschen Fuß erwischt werden? Steigende Ölpreise könnten die Kauflaune dämpfen. Schließlich sind die deutschen Autofirmen in Sachen alternativer Antriebstechniken nach wie vor nicht gerade führend. Was, wenn in China und dem restlichen Asien irgendeine Krise ausbricht und der Markt für Nobelkarossen einbricht? Oder was, wenn die Welt endlich merkt, wie krank der US-Haushalt tatsächlich ist und die Finanzwelt erneut in eine Krise gerät?
Ich will nicht schwarz malen. Aber es ist bei der derzeitigen Stimmungslage der Marktteilnehmer viel mehr Platz für schlechte Überraschungen, als für gute. Das Risiko für die Aktienkurse ist also trotz aller tollen Prognosen einiger Analysten (übrigens eine der Berufsgruppen, deren Vergütung am weitesten diametral konträr zu deren Nutzen für die Menschheit ist….) stark erhöht. Die Chancen dagegen sind weit von den Gewinnen weg, die wir im letzten Jahr gesehen haben. Es fehlt einfach an Potenzial für weitere Überraschungen.
Natürlich muss es nicht zu einem Absturz kommen. Und wenn die Stimmung an den Aktienmärkten gut bleibt, kann man wahrscheinlich auch in diesem Jahr mit Autoaktien marktgerechte Gewinne machen. Aber man sollte seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben und sich der Risiken bewusst sein. Und wer ein Schnäppchen machen will, der sollte nach Branchen oder Gegenden suchen, in denen die Stimmung gerade so richtig schlecht ist.

Buy on bad news – wenn Du Dich traust!

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