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Union PrivatFonds – gute Idee? gut gemacht?

Kürzlich habe ich einen Werbespot der Union-Investment (Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken) über eine neue Fondsfamilie, die Union PrivatFonds, gesehen. Ich fühlte mich sofort an die Werbung der DWS / Deutsche Bank aus dem letzten Sommer für die PrivatMandat Fonds erinnert. Kein Wunder, bei der Ähnlichkeit der Produktbezeichnungen. Und auch beim zweiten Blick offenbaren sich Parallelen zwischen beiden Produkten. Auch bei den PrivatFonds aus dem „Stall“ der Genossen handelt es sich um eine Familie von Fonds. Immerhin „beschränkt“ man sich hier auf sechs unterschiedliche Produkte. Und auch die Unionfonds mit dem „Privat“ im Namen sind im weiteren Sinne vermögensverwaltende Fonds. Also keine Instrumente, um gezielt bestimmte Anlageideen (wie z.B. „Aktien Deutschland“ usw.) umzusetzen. Sie sind auch keine klassischen Mischfonds, die nach einer festen Aufteilung von Aktien, Renten und Cash funktionieren. Ihr Ziel ist es, das Kundengeld so zu verwalten, wie es normalerweise sehr vermögende Menschen mit ihrem Vermögensverwalter vereinbaren. Auf Finanzdeutsch heißt das dann „privat banking“ oder „private Vermögensverwaltung“. Hier dürfte auch der mittlerweile sehr beliebte Namensbestandteil dieser Fondsfamilie entstammt sein.
Da die Union-Investment über ihren (nahezu) Ausschließlichkeitsvertrieb Volks- und Raiffeisenbanken eine wichtige Rolle am deutschen Fondsmarkt spielt, lohnt sich hier sicher der erneute Blick auf ein Angebot dieser Fondsgesellschaft. Bei meinen letzten Betrachtungen zum UniGarant BRIC 2017 ist die Union ja nicht so gut weggekommen (was sie nicht davon abhalten konnte, von diesem unglücklichen Fondskonzept noch eine zweite Tranche aufzulegen…). Schaumermal, ob ich diese Mal besseres zu berichten habe.Wie auch schon im Zusammenhang mit dem DWS PrivatMandat angemerkt, halte ich den Weg, Gelder von Privatkunden mit einem vermögensverwaltenden Ansatz anzulegen, grundsätzlich für den richtigen. Der „deutsche Michel“ ist mit dem Wetten auf einzelne Märkte und Anlageklassen einfach überfordert. Die herben Verluste, im Besonderen aus dem Aktiensegment, in den letzten zehn Jahren haben dies eindrucksvoll und schmerzhaft vorgeführt. Also Fuß vom Gas und intelligente Lösungen suchen. Aber da haben wir schon wieder ein Problem. Welche Lösungen sind denn intelligent? Bei der DWS haben wir gesehen, dass wie Werbung uns nicht mal die intelligentesten Lösungen aus einem Haus anbietet.

Wie intelligent ist also das Angebot der Union Investment mit ihren PrivatFonds aus Sicht der ganz normalen Privatanlegers?
Betrachten wir erst einmal, was eigentlich angeboten und versprochen wird.
Im Angebot sind drei Unterschiedliche Konzepte: PrivatFonds: Kontrolliert, PrivatFonds: Konsequent und Privatfonds: Flexibel.
Zu jedem Konzept gibt es eine noch etwas offensivere (finanzdeutsch für mehr Risiko) Variante mit dem Namenszusatz „pro“.
Betrachten wir die Konzepte im Einzelnen:

PrivatFonds: Kontrolliert
Damit beginnen wir mit dem wohl kompliziertesten Produkt dieser Familie. Was nicht heißen soll, dass die anderen Varianten so einfach wie ein Winterspaziergang sind. Das Konzept „Kontrolliert“ hat zum Ziel die Schwankungsbreite (finanzdeutsch: Volatilität.  Liebevoll kurz „Vola“ genannt… ) des Fondswertes in klaren Grenzen zu halten.
Na ja, so klar auch wieder nicht. Die Definition für die defensive (= weniger riskant = weniger Renditechance) lautet:

„Die langfristige Schwankungsbreite des Fonds orientiert sich dabei an dem durchschnittlichen Schwankungsverhalten eines defensiven Mischportfolios, welches aus ca. 30% Aktien und 70% Renten zusammen gesetzt ist.“

Quelle: Produktinformation Union Investment.

Alles klar? Wissen Sie jetzt bescheid? Das ist mal wieder so ein Satz von Profis für Profis. Aber der Fonds ist ja ganz gezielt für ganz normale Privatanleger gedacht. Also liebe Unternehmenskommunikation der Union: Das geht besser! Gebt euch mal ein bisserl mehr Mühe.
Bis dahin versuche ich mal laienhaft zu deuten, was damit gemeint sein könnte:
Im Normalfall unterliegen Aktien und deren Kurse den stärksten Schwankungen. Wenn ein oben beschriebenes Portfolio (finanzdeutsch für eine aus verschiedenen Elementen bestehende Anlage) zu 30% aus Aktien besteht, dann unterliegt es also auch etwa einem Drittel der Schwankungen des Aktienmarktes. Gehen die Aktien um 10% nach oben oder unten, sind es bei diesem Portfolio eben nur 3%. Zumindest in der Theorie. Die 70% in Renten (finanzdeutsch für festverzinsliche Wertpapiere) können dieser Bewegung entgegen wirken oder sie in seltenen Fällen sogar verstärken.
Man will also mit diesem Fonds deutlich weniger stark schwanken, als der Aktienmarkt dies tut. Stellt sich die Frage, warum man nicht einfach ein beschriebenes Portfolio mit 30% Aktien und 70% Renten nimmt. So etwas nennt man klassischerweise einen defensiven Mischfonds und das gibt es schon sehr sehr lange.
Die Antwort auf diese Frage liefert uns der folgende Satz, der ebenfalls aus der oben genannten Produktinfo stammt:

„Dabei soll sichergestellt werden, dass die Schwankungsbreite des Anteilswertes (Rendite) weitgehend unabhängig von der Entwicklung des Schwankungsverhaltens einzelner Anlageklassen ist und insgesamt defensiver ausgerichtet wird.“

Ah, jetzt, ja. Eine Insel! Jetzt ist alles klar. Oder finden Sie auch, dass unsere Freunde bei der Unternehmenskommunikation der Union sich diesen Satz auch gleich noch einmal vorknöpfen sollten, wenn sie schon dabei sind?
Was hier so kompliziert beschrieben wird, heißt auf finanzdeutsch „marktneutral“. Aus irgendeinem Grund scheuen die Genossen diesen Begriff aber. Vielleicht hat die Marketingabteilung der Union-Investment in einer aufwändigen und teuren Untersuchung festgestellt, dass es Hedgefonds gibt, die nach diesem Prinzip arbeiten. Und weil diese Fondsgattung ja allgemein als Ausgeburt des Bösen und schlimmstes Teufelszeug gilt, will man damit vielleicht nicht in Verbindung gebracht werden? Ist ja nur menschlich und verständlich.
Marktneutral ist aber an sich eine klasse Idee. Das bedeutet, dass man ein bestimmtes Anlageverhalten vollkommen unabhängig von dem, was an den Kapitalmärkten so passiert, erreichen möchte. Der Wert der Anlage soll also nicht automatisch sinken, wenn z.B. die Aktienmärkte mal wieder in die Knie gehen. Er wird dann aber auch nicht automatisch steigen, wenn diese mal wieder durch die Decke gehen. Es kann sogar genau gegenteilig laufen. Unter dem Strich soll eine relativ ruhige Entwicklung mit einer vernünftigen Rendite und kalkulierbaren Schwankungen stehen. So etwas, womit man immer ruhig schlafen und trotzdem ein paar mal im Jahr gut essen gehen kann, wenn Sie wissen was ich meine.
Im Gegensatz zum klassischen Mischfonds soll man hier also nicht automatisch 3% verlieren, wenn der Aktienmarkt 10% abgibt. Bestenfalls macht man trotzdem Gewinne. Erreicht werden soll das dadurch, dass alle Möglichkeiten der Kapitalmärkte intelligent genutzt und durch deren geschickte Kombination die Risiken begrenzt werden. Es wird also nicht nur in Aktien und Renten, sondern auch z.B. in Rohstoffe und Währungen investiert. Und letztlich kommen zur Absicherung ges Ganzen auch Lieblingsspielzeuge der Kapitalmarktprofis, die Derivate, zum Einsatz.

Fassen wir zusammen: Das Fondsmanagement verspricht für diese Fonds eine (mehr oder weniger) klar definierte Schwankungsbreite und gibt damit vor, welches Risiko man eingeht und wie hoch die Rendite sein kann.
“Mehr oder weniger“ deshalb, weil die Schwankungsbreite so eines Vergleichsportfolios (70% Renten und 30% Aktien) alles Andere als konstant ist. Die berühmte Volatilität schwankt selbst sehr stark. Man könnte sie auch als Kenngröße für die Angst im Markt bezeichnen. Ein aus dem Schwäbischen stammenden Mensch hat sie einmal treffend als den „Kittel-brenn-Indikator“ der Marktteilnehmer bezeichnet. Wie stark auch diese Kenngröße schwankt, können Sie am VDax sehen, der die Entwicklung der Volatilität des Dax darstellt.

Quelle: www.onvista.de

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Index keine Aussagekraft für die Entwicklung der genannten Fonds haben muss. Es soll nur verdeutlichen, dass auch diese Größe starken Schwankungen unterliegen kann, weshalb sich auch die „PrivatFonds: Kontrolliert“ in ihrem Verhalten stark ändern können.
In der Regel nimmt die Vola in Zeiten sinkender Kurse zu. Dies führt dazu, dass gerade in diesen Phasen auch die Schwankungen dieser Fonds größer werden dürften. Die Fondsmanager der Union-Investment müssen dann schon einen ziemlich brillanten Job machen, damit dies zu einem Vorteil für die Anleger wird. Da sollte man schon genau hinschauen.
Der Unterschied zwischen dem „normalen“ Fonds und der Variante „pro“ liegt in der zulässigen Schwankungsbreite. Hier wird ein Portfolio mit 60% Aktien und 40% Renten zum Vergleich hergenommen. Man kann hier also, wenn es gut läuft, eine höhere Rendite erzielen, geht aber auch ein höheres Risiko ein. Das bleibt letztlich Geschmackssache.

PrivatFonds: Flexibel
Diese beiden Fonds entsprechen am ehesten dem, was man unter einer klassischen Vermögensverwaltung versteht. Zwar ist in der Produktinfo von einem „systematischen und aktiven Investmentprozess mit klaren Kriterien und Schwellenwerten zur Risikosteuerung und Ertragsschätzung“ die Rede, unter dem Strich lese ich hier aber, dass bei diesen Fonds alles vom Geschick der Fondsmanager bei der Einschätzung der Märkte abhängt. Immerhin sind sie in der Umsetzung ihrer Ideen sehr flexibel gehen grundsätzlich wohl auch nicht zu offensiv an die Geschichte heran. Es können zwar alle Themen (Aktien, Renten, Rohstoffe, Währungen usw.) gespielt werden, aber grundsätzlich liegt der Schwerpunkt auf kurzlaufenden Rentenpapieren, was für ein reduziertes Risiko spricht.
Was mir nicht so ganz einleuchtet ist, warum hier nicht direkt in Märkte oder Indizes investiert wird. Zumindest dort, wo es sich um liquide Märkte handelt. Man kauft lieber Fonds und so werden die PrivatFonds, obwohl es nirgends explizit steht, letztlich zu einem Dachfonds. Immerhin werden hier auch -derzeit sogar vorrangig- die Fonds anderer Anbieter genutzt. Das ist schon mal lobenswert. Mehr verdienen würde man, würde man nur die Fonds aus dem eigenen Haus nutzen. Der Nachteil eines Dachfonds für den Anleger sind sowieso die höheren Kosten. Es fällt eben bei zwei Fonds eine Verwaltungsvergütung (ca. 1,5 bis 2% p.a.) an. Dies senkt von vornherein die mögliche Rendite, gerade bei defensiven Fonds, die sowieso keine extremen Renditen erzielen können. Ich habe so eine Idee, warum die Union so vorgeht, dazu mehr in der abschließenden Beurteilung der PrivatFonds.
Die Variante „pro“ ist auch hier die offensivere Umsetzung dieser flexiblen Anlagestrategie. Hier wird etwas mehr Gas gegeben, was naturgemäß die Schadenshöhe im Falle eines Unfalls steigert… . Dafür wird der Anleger im Erfolgsfall auch mehr verdienen, als bei der Standardvariante „Privatfonds: Flexibel“.

PrivatFonds: Konsequent
Nun kommen wir zu einer Idee, die grundsätzlich super ist. Entstanden ist sie meines Wissens aus den Ansprüchen großer institutioneller Anleger, z.B. Versicherungen, die eine Anlage mit einem klar begrenzten Risiko aber dennoch einer vernünftigen Renditechance haben wollten.
Die Aufgabenstellung an die Asset Manager (finanzdeutsch: Geldverwalter) lautet z.B.: „Gib mir eine Anlage, mit welcher ich maximal 5% in einem Jahr verliere, dafür aber eine angemessene Chance auf eine gute Rendite habe. Auf keinen Fall darf der Verlust aber größer als 5% sein!“
Weil Garantien immer sehr teuer sind und man im Zeitalter der Computertechnik die Risiken der Kapitalmärkte  schon ganz gut berechnen kann, wurden auf diese Anforderung hin so genannte „Wertsicherungskonzepte“ entwickelt, die ausschließlich nach klaren Regeln handeln und vom Computer gesteuert werden. Diese Konzepte geben keine Garantie, können aber systembedingt das Risiko recht gut begrenzen. Mein alter Arbeitgeber, Metzler Asset Management, hat ebenfalls solch ein Konzept entwickelt. Man nennt es „TORERO“. Das hat nichts mit dem Stierkämpfer zu tun, sondern heißt „TOtal REturn Risk Overlay“. Lustigerweise haben wir damals trotzdem Stress mit den Tierschützern bekommen… . Manche Menschen haben echt zu viel Zeit.
Zur Sache: Wertsicherungskonzepte sollen also Risiken begrenzen, wenn es nach unten geht und eine vernünftige Rendite generieren, wenn es nach oben geht. Grundsätzlich wäre das langfristig der sichere Weg zum Anlageerfolg. Warum wäre? Weil mir bisher noch kein Konzept untergekommen ist, das diese Erwartungshaltung langfristig erfüllt hat. Auch die Torero-Fonds von Metzler haben hier eher enttäuscht. Und den Torero MultiAsset gibt es immerhin schon seit 2007. Er hat auch das wichtigste Versprechen gehalten und die Wertuntergrenze jedes Jahr eingehalten. Nur mit der angemessenen Rendite bei steigenden Märkten tut sich das Konzept sehr schwer, wie man im Chart sieht.

Quelle: www.onvista.de

Das muss natürlich nicht heißen, dass die Union das auch nicht hinbekommt. Sie muss es aber erst einmal beweisen.
Der „PrivatFonds: Konsequent“ lässt auf zwölf Monate einen maximalen Verlust von 3% zu. Zwischenzeitliche Höchststände können unter bestimmten Umständen eingelockt werden und einen neuen 12-Monatszeitraum auslösen. Ich will das nicht zu kompliziert machen. Als Anleger kann man davon ausgehen, dass der Verlust in einem Zeitraum von 12 Monaten nicht wesentlich über drei Prozent liegt. Ich denke, man kann der Union zutrauen, dass sie das auch schaffen wird. Die Renditeerwartungen sollten allerdings nicht zu hoch sein. Wer nur 3% riskiert, wird keine zweistelligen Gewinne machen können. Wenn’s gut läuft, wird man mit diesem Fonds etwas mehr als am Geldmarkt verdienen. Das ist momentan nicht viel, wird aber sicher wieder mehr werden.
Der „PrivatFonds: Konsequent pro“ erlaubt einen Verlust von 10% in 12 Monaten. Dementsprechend sind hier in guten Börsenphasen, zumindest theoretisch, höhere Gewinne möglich. Ich persönlich glaube, dass so ein Konzept nur dann Sinn macht, wenn man etwas mehr Risiko eingeht. Die 3% Variante hat aus meinem Verständnis heraus nicht genug „Luft zum Atmen“. Aber das ist nur eine Meinung. Ich kann mich täuschen. Grundsätzlich halte ich Anlagestrategien für sinnvoll, deren Risiko transparent ist.


Beurteilung:
Bisher habe ich mich weitgehend beschreibend zu den drei Anlagestrategien geäußert. Stellt sich natürlich die subjektiv zu beantwortende Frage: Was ist von diesen Fonds zu halten?
Ich verzichte bewusst auf die Darstellung und Bewertung der aktuellen Wertentwicklung. Diese Fonds existieren seit rund einem halben Jahr und sind in eine sehr positive Phase an den Aktienmärkten „geboren worden“. Alle Fonds sind im Rahmen ihrer Risikostruktur im Plus. Die einzige Aussagekraft, die dieser Fakt mit sich bringt ist aus meiner Sicht die Feststellung, dass keines der Konzepte in dieser Marktphase komplett versagt hat. Alles Andere würde bedeuten, dass man den jeweiligen Fonds besser wieder sofort einstampfen müsste.
Wie gut diese Fonds wirklich funktionieren zeigt sich frühestens im nächsten heftigen Abschwung an den Aktienmärkten. Letztlich ist die Kontrolle oder Begrenzung der Risiken das Kernversprechen aller drei Strategien und ihre Daseinsberechtigung hängt davon ab, wie sie damit zurecht kommen. Die Strategien in der Einzelkritik:

PrivatFonds: Kontrolliert
Die PrivatFonds Variante Kontrolliert verspricht, ihr Risiko (die Volatilität) in einem definierten Rahmen zu halten. Leider ist die Definition dieses Rahmens für den Privatanleger aus meiner Sicht nicht transparent genug. Das als Maßstab dienende Musterportfolio selbst weist eine mehr oder weniger stark schwankende Vola auf, welche ein Privatanleger in sich verändernden Marktphasen kaum im Überblick haben dürfte. Ich bezweifle auch, dass der gemeine Vertriebsmitarbeiter (auch Kundenbetreuer oder Bankberater genannt) am Schreibtisch einer Genossenschaftsbank die Entwicklung der Volatilitäten der einzelnen Märkte im Blick hat, um seinen Kunden vor unerwarteten Überraschungen zu bewahren. Falls ihm überhaupt bewusst ist, wie stark die Schwankungen hier sein können. Somit empfiehlt sich ein Investment in diese Fonds bestenfalls für Anleger, welche mit der Volatilität der Märkte umzugehen verstehen. Ich bezweifle aber, dass es sich für diese kleine Zielgruppe lohnt, zwei Fonds aufzulegen…. .

PrivatFonds: Flexibel
Die Ergebnisse der PrivatFonds Variante Flexibel hängen auf Gedeih und Verderb von der Klasse des Fondsmanagements ab. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen recht viele Vermögensverwalter auf der ganzen Welt. Und nur ganz wenige erzielen die gewünschten Ergebnisse. Fast keiner schafft dies Nachhaltig über lange Anlagezeiträume. Es ist den Managern bei der Union wirklich zu wünschen, dass es ihnen gelingt, mit ihrer Strategie dauerhaft vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Das wird allerdings wahnsinnig schwer!
Bisher ist die Union-Investment nicht durch ein besonders brillantes Fondsmanagement aufgefallen. Die Jungs dort sind auch nicht grottenschlecht. Irgendwo im Mittelmaß. Man könnte positiv vielleicht auch sagen: eher solides Handwerk als ausgeflippte Kunst. Aber vielleicht ist ja gerade solides Handwerk etwas, was solch ein Konzept erfolgreich macht? Man muss abwarten.

PrivatFonds: Konsequent
Die unter dem Motto „Konsequent“ agierenden Fonds setzen ein Wertsicherungskonzept mit klar definiertem Risiko um. Hier weiß man als Kunde wirklich, was man auf das Spiel setzt. So gesehen scheinen mir diese Fonds die transparentesten aus der Familie der PrivatFonds. Immer vorausgesetzt, bei der Union beherrscht man die Risiken ähnlich gut, wie bei Metzler. Es liegt aber in der Natur solche risikohemmender Konzepte, dass ihnen oft die Möglichkeit fehlt, eine attraktive Rendite zu generieren. Ich habe dieses grundsätzlich Problem am Beispiel des UniGarant BRIC 2017 schon einmal geschildert und in meinem Gastartikel für das Blog Mehr.Wert.Fair näher erläutert. Vielleicht ist der Managementansatz der Union ja flexibler als der aus dem Hause Metzler und kann besser von steigenden Märkten profitieren? Auch das wird die Zukunft zeigen.

Positiv auffällig ist die Gebührenstruktur dieser Fonds. Es wird unüblicherweise von vornherein auf einen Ausgabeaufschlag verzichtet, den die Bank vor Ort normalerweise größtenteils als Vertriebsprovision erhält. Auch die Verwaltungsvergütung ist mit 1% bis 1,55% p.a. nicht überdurchschnittlich hoch. Davon erhalten die Banken bis zu 60%. Dies allein dürfte kein großer Anreiz für die Vorstände der Banken sein, denen die Bilanz dieses Jahres immer die wichtigste ist, diese Fonds in den Fokus ihrer Vertriebsbemühungen zu stellen. Es wäre also einmal interessant zu erfahren, wie die Banken beim Verkauf dieser Fonds einen angemessenen Ertrag generieren. Ich habe einen etwas bösartigen Verdacht: Die eingesetzten Fremdfonds schütten in der Regel ebenfalls ein so genanntes Kickback, also eine Beteiligung an ihrer jeweiligen Verwaltungsvergütung, aus. Diese können bei Aktienfonds leicht in der Größenordnung von ca. 0,5% p.a und darüber liegen. Diese Kickbacks fließen der Union-Investment zu und sie könnte dieses Geld dem Fonds und damit den Anlegern gut schreiben. Es könnte aber auch sein, dass die Union dieses Geld behält und den Banken z.B. in Form einer Bonifikation oder eines „Marketingzuschusses“ zukommen lässt, um die Attraktivität dieser Fonds für die Vertriebsstellen (=Banken) zu erhöhen. Aber das ist natürlich alles reine Spekulation…. .

Fazit: Kann und soll man diese Fonds kaufen?
Man kann insofern, dass man voraussichtlich keine hohen Risiken mit diesen Fonds eingeht und die Gefahr herber Verluste eher gering ist. Aber wir investieren in der Regel ja nicht nur, um nichts zu verlieren. Letztlich ist die Mehrung des Kapitals die Triebfeder für alle Aktivitäten dieser Art.
Ob es der Union mit diesen Fonds gelingt, das Geld ihrer Anleger auch angemessen zu vermehren, muss erst noch bewiesen werden. Gut klingende Ideen gab es schon sehr viele. Viele davon hatten auch, wie aktuell die PrivatFonds, einen guten Start. Ob die Idee wirklich gut ist, erweist sich aber erst nach einiger Zeit. Fonds mit einem vermögensverwaltenden Ansatz müssen beweisen, dass sie mit mindestens drei verschiedenen Marktphasen zurecht kommen:

  • steigende Märkte
  • sinkende Märkte
  • seitwärts tendierende Märkte

Knackpunkte sind die Übergänge zwischen den einzelnen Marktphasen und besonders die seitwärts tendierenden Märkte ohne eine klare Richtung.
Es empfiehlt sich aus meiner Sicht, nur in Fonds oder Anlagestrategien zu investieren, die bewiesen haben, dass sie mit all diesen Marktphasen und den Übergängen zwischen diesen Phasen vernünftig umgehen können. Leider lässt sich nicht vorhersagen, wie lange der nächste Zeitraum sein wird, in welchem wir alle wichtigen Marktbewegungen gesehen haben. Sicher ist aber, dass die Union PrivatFonds auf jeden Fall unter diesem Aspekt noch zu jung sind.
Also gilt in diesem Fall: Mit Wohlwollen beobachten, aber noch nicht kaufen.

Wenn Sie Fonds kaufen, die solche Strategien umsetzen, dann sollten sie auch diese im Auge behalten und prüfen, ob das Verhalten des Fonds weiterhin ihren Erwartungen entspricht. Besonders die Einhaltung der definierten Schwankungsbreite muss überwacht werden, um negative Überraschungen zu vermeiden. Auch die „Elastizität nach oben“, also wie schnell ein Fonds sich von Kursverlusten erholt, ist sehr wichtig, um langfristig einen Anlageerfolg zu erzielen. (Das ist z.B. das Problem des Metzler Torero Multi Asset)
Grundsätzlich ist sehr zu begrüßen, dass die Fondsgesellschaften endlich verstärkt Fonds anbieten, welche wirklich zu den Anforderungen der Privatanleger passen und die Banken diese Fonds auch aktiv verkaufen. Reine Aktien- oder Rentenfonds überfordern den normalen Privatanleger, weil „einfach nur liegen lassen“ eben doch nicht funktioniert. Fonds mit einem klar definierten Risiko (finanzdeutsch: risikoadjustiert) kommen den Anlegerbedürfnissen und -fähigkeiten hier wesentlich näher.

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