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ebook-Kritik: Investmentfonds-die ideale Anlageform

Heute beschäftigen wir uns einmal mit etwas sehr modernem, einem ebook. Das ist ein Buch, welches nicht in gedruckter Form beim Buchhändler steht (für die Jüngeren Leser: Das ist so was wie ein Amazon-Laden in einer real existierenden Innenstadt. Lohnt sich mal hinzugehen, super Sache. Aber die Sonnencreme nicht vergessen…), sondern nur als Datei für die Anzeige über den Computer verfügbar ist.
Das ist eine tolle Sache, spart es doch viel Papier und schont die Wälder dieser Welt. Außerdem kann endlich jeder, der Lust dazu hat, „sein“ Buch schreiben, denn man muss sich keinen Verlag suchen und das ganze Gedönse drumherum fällt weg. Ob das Buch dann tatsächlich jemand liest, ist natürlich eine andere Frage….
Ich habe eines gelesen, natürlich zum Thema Geld. Das Buch heißt „Investmentfonds – die ideale Anlageform“ und stammt von einem Autor namens Bernd Röttger. Mich hat natürlich erst einmal interessiert: wer ist dieser Bernd Röttger? Googelt man nach diesem Namen, findet man einen Astrologen, einen Kommunisten, einen lehrenden an der Uni Jena und einen selbstverlegenden ebook-Autor. Nur ein ausgewiesener Finanzfachmann ist nicht Teil der illustren Runde. Da in diesem Buch weder der Zusammenhang zwischen Sternekonstellationen und Aktienkursen thematisiert wird, noch das Geschehen an Kapitalmärkten als Werk des Teufels beschrieben wird, fallen der Astrologe und der Kommunist als Urheber wohl aus? Der Uni-Dozent und auch einh bisher nicht erwähnter Landrat scheinen ebenfalls nicht hinter dem Werk zu stehen. Es ist also anzunehmen, dass der Autor der gleiche Bernd Röttger ist, der bisher eher mit Kochbüchern und Witzsammlungen aufgefallen ist.

Diese Erkenntnis erhöhte meine Spannung bei Beginn der Lektüre deutlich. Was darf man unter diesen Voraussetzungen erwarten?
Schon das Inhaltsverzeichnis verrät, dass es sich um ein Standardwerk für den motivierten Einsteiger in die Fondswelt handelt. Das ist lobenswert, denn das Wissen um dieses Thema ist in der breiten Bevölkerung viel zu dünn gesät. Es wird also erläutert, was ein Fonds ist, wie er funktioniert und was man sonst noch so zu diesem Thema beachten sollte. Dies wird auf rund 34 Seiten auch tatsächlich beschrieben. Wobei man sicher ein paar Seiten hätte einsparen können, wenn man nicht nach dem Ende jeden Kapitels den Rest der Seite einfach frei gelassen hätte. Der Umfang von 41 Seiten kommt zu Stande, weil noch ein Lexikon mit wichtigen Begriffen angefügt wurde.
Hier mein persönliches „Urteil“:

Was mir gefällt:

  • Röttger baut die Themen übersichtlich auf und nutzt eine -gerade für den nicht-Börsen-Fachmann- gut verständliche Sprache. Hier macht sich positiv bemerkbar, dass er selbst kein Fachidiot in diesem Metier ist.
  • Alle wichtigen Themen sind angesprochen und das Nötige dazu wird behandelt, ohne sich zu sehr im Detail zu verlieren.
  • Der Umgang mit dem Thema Fonds ist sachlich. Fondsanlagen werden weder als „Allheilmittel“ hochgejubelt, noch als „Geldvernichtung“ verteufelt.
  • Es werden sowohl die Chancen, als auch die Risiken dargestellt.

Was man verbessern könnte:

  • Ich bin wirklich kein Fanatiker, was Äußerlichkeiten angeht, aber das Schriftbild wirkt auf mich unaufgeräumt und ist anstrengend zu lesen. Man ist bei Büchern nun mal Blocksatz gewohnt. Und dass z.B. die Überschriften teilweise in einer anderen Schrift erscheinen, als der Rest des Textes, erinnert eher an frühe Versuche mit der Textverarbeitungssoftware, als an einen erfahrenen Buchautor.
  • Was aus meiner Sicht gar nicht geht ist, dass jemand ein Buch über Fonds schreibt und dann in der Einzahl vom „Fond“ schreibt.
    Ein „Fond“ sind entweder die hinteren Sitze im Auto oder eine Basis für Suppen und Soßen. Wenn es etwas mit Geld zu tun hat, dann ist am Ende auch im Singular immer ein „s“. Ein Fonds. Bitte verbessern Sie das Herr Röttger! Das tut nicht nur im Auge weh, sondern wirft ein deutlich schlechteres Bild auf die Kompetenz des Autors, als aufgrund des Inhaltes gerechtfertigt ist.
  • Der Beitrag zum Cost-Average-Effect (finanzdeutsch: Durchschnittskosteneffekt) ist aus meiner Sicht zu oberflächlich und wird so gefährlich. Ich habe das Thema in einem eigenen Beitrag bearbeitet, den ich an dieser Stelle dringend empfehle!
  • Zum Thema offene Immobilienfonds muss man aus heutiger Sicht ergänzen, dass es ein Risiko gibt, dass man als Anleger an sein Geld in diesen Fonds für eine gewisse Zeit nicht herankommt.

Als Erscheinungsdatum ist für dieses ebook das Jahr 2007 angegeben. Daraus ergibt sich, dass die Aussagen zur Besteuerung von Fonds mittlerweile falsch sind. Die Abgeltungssteuer funktioniert gänzlich anders, als das im Buch noch beschriebene Verfahren. Leser können diesen Teil komplett ignorieren und sollten sich z.B. hier   informieren.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Herr Röttgen die verarbeiteten Informationen schon deutlich vor 2007 recherchiert haben muss. So war z.B. 2007 schon bekannt, dass die von ihm besonders hervorgehobene Fondsgesellschaft ADIG bald gänzlich in der Cominvest aufgehen und der Name verschwinden würde. Auch die Hinweise über die Abwicklung von Fondsanteilen stammen aus einer Zeit, als der Großteil dieses Geschäfts noch nicht über Fondsbanken lief. Man kann aber nicht sagen, dass die Aussagen deswegen falsch sind. Man würde aus heutiger Sicht nur sichere etwas anderes zu diesem Thema schreiben.

Fazit: Lohnt sich der Kauf dieses ebooks?

Im gn-ebook-shop  kostet dieses Werk 11,95 Euro. Die Kosten für eine einzige falsche, aus Unwissenheit entstandene, Anlageentscheidung dürften weit größer sein. So gesehen macht diese Investition für den Einsteiger, trotz der genannten Kritikpunkte, in dieses Thema durchaus Sinn.
Noch empfehlenswerter wäre das Werk, würde es im Rahmen einer „2. Auflage“ aktualisiert und an die gültige Welt der Abwicklung und Besteuerung von Fonds angepasst. Bis dahin ist der geneigte Leser leider genötigt, sich andersweitig zusätzlich zu informieren. Da die Auswahl an leicht verständlicher und lesbarer Literatur zum Thema Fonds nicht sehr groß ist, ist dieses ebook als Einstieg in die Welt der Finanzlektüre durchaus brauchbar.

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1 Comments Add Yours ↓

  1. 1

    Vielen Dank Herr Sperling für diese sehr gut geschriebene Kritik eines eBooks aus meinem Shop. Die angeführten Kritikpunkte hinsichtlich Steuern, ADIG, „Fonds(!)“ etc halte ich für absolut gerechtfertigt und werde mich dem Autor selbstverständlich ins Benehmen setzen.
    MfG
    G. Nauheimer



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