RSS

Experten warnen vor dem nächsten Börsencrash. Warum tun die das?

Letzte Woche berichtete das Handelsblatt unter der Überschrift „Börsianer warnen vor Kurssturz“ von Experten, die für die Aktienmärkte schon wieder schwarz sehen und malen. Ein Rückgang von 60% für den Dax sei zu erwarten, meint z.B. Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale, und überhaupt sei alles ganz schlimm.
Was ist davon zu halten? Als Grund für die bevorstehenden Probleme wird -immer noch oder mal wieder- die weit verbreitete extrem hohe Staatsverschuldung angeführt. Da fragt man sich schon: “Warum kommt ihr damit jetzt schon wieder um die Ecke?“ Klar, die Staatsschulden sind auf Rekordhöhe und kein Mensch hat die leiseste Ahnung, wie dieser Schuldenstand jemals wieder abgebaut werden soll. Aber das ist ja nichts Neues und jeder an den Finanzmärkten weiß das seit längerem. Nicht umsonst zappeln die Aktienindizes in diesem Jahr nervös hin und her wie ein Fisch auf dem trockenen, ohne vom Fleck zu kommen. Die Anleger werden ständig zwischen Bangen und Hoffen, zwischen Angst und Gier hin und her gerissen.
Starke Bewegungen an den Börsen, egal in welche Richtung, werden von Überraschungen ausgelöst. Das die westlichen Staaten hoch verschuldet sind, ist aber nun wirklich keine Überraschung. Wenn derzeit Irland wegen seiner Haushaltsprobleme im Fokus steht, dann ist das auch für niemanden überraschend, der sich regelmäßig mit dem Geschehen in der Welt der Finanzen beschäftigt. Eine Überraschung wäre z.B., wenn die EU die Iren auf ihrer grünen Insel hängen lassen und in den Staatsbankrott schlittern lassen würde. Aber damit ist wohl, wie das bei Überraschungen so üblich ist, nicht zu rechnen.

Was treibt also diese Experten zu diesen Aussagen? Das weiß ich natürlich nicht, denn ich kenne keinen dieser Herren persönlich. Ich habe aber eine Theorie, die aus diesen Schwarzmalern wieder ein wenig mehr „Menschen“ macht. Sieht man sich an, wie den „Crashgurus“ vergangener Börsenabstürze (Z.B. Nouriel Roubini oder Marc Faber)  im Nachhinein Beachtung und Respekt entgegen schlug, kann dies für einen typischen „einer unter vielen“-Analysten schon ein Anreiz sein, sich einmal ordentlich aus dem Fenster zu lehnen. Je nachdem, wie stark die individuelle Profilneurose des Einzelnen ausgeprägt ist, tut er dies vielleicht öfter und plakativer als seine Kollegen.
Einen großen Vorteil haben alle Crashgurus. Sie haben sicher recht. Irgendwann einmal liegen sie mit Sicherheit richtig, denn Abstürze gehören zur Börse, wie das Bier zum Münchner Oktoberfest. Als Crashguru muss man also nur geduldig (vielleicht auch stur) genug sein und lange genug auf seine Prognose beharren. Irgendwann passt es dann schon und man kann sich zum Helden küren lassen. Natürlich ist diese Motivationslage eine infame Unterstellung, die dieser ausgemachten Fachleute nicht würdig ist. Aber unter uns, sind das nicht auch nur Menschen…..?

Am meisten Spaß machen mir ja die Aussagen von Herrn George Friedman aus dem schönen warmen Texas (kommt da nicht auch der gute alte George W. her?). Der Herr Friedmann (nicht der immer sehr wichtige Typ mit den schmierigen Haaren aus dem deutschen Fernsehen, der alle anderen Leute blöd anmacht und sofort tödlich beleidigt ist und aufflammenden Antisemitismus erkennt, wenn jemand ihn nicht so dolle leiden kann) aus Texas ist felsenfest überzeugt, dass die USA glorreich aus der Krise kommen werden, Europa aber noch lange daran darben wird.
Da taucht schon die Frage auf, wie streng die Drogengesetze in Texas eigentlich sind? Oder ist die Sonnenstrahlung dort vielleicht noch extremer, als man allgemein annimmt? Der gute alte George W. hat ja auch manch verblüffende Aussage getätigt, die in Verbindung mit dem offenbar in Texas besonders stabilen Patriotismus im Rest der Welt für Verwunderung gesorgt hat.
Leider nennt das Handelsblatt die Gründe für Friedmanns Überzeugung nicht. Aber Gegenargumente gibt es so einige:

  • Die US-Wirtschaft steht und fällt mit dem Inlandskonsum. Rekordarbeitslosigkeit und die nötige Entschuldung privater Haushalte sprechen nicht gerade für einen baldigen Konsumboom zwischen New York und San Francisco
  • Die US-Wirtschaft ist viel weniger als die europäische auf den Export in die wirklich boomenden Regionen (China, Indien usw.) eingestellt.
  • Das größte Wirtschaftspotenzial der nächsten Jahre bis Jahrzehnte dürfte in Asien liegen. Einer Region, in welcher die USA in der jüngeren Vergangenheit lieber die neuesten Generationen an Bomben und Waffensystemen getestet haben, als sich um ein vernünftiges zwischenmenschliches Verhältnis zu bemühen. Die Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking war schon vor Jahrhunderten ein wichtiger Handelsweg, der nach dem Zerfall des Sozialismus wieder zunehmend funktioniert. Die Wettbewerbsfähigkeit der Europäer in den Wachstumsregionen der Welt dürfte derjenigen der USA zumindest ebenbürtig sein. Vorsichtig geschätzt.

Der erste Texaner, den ich bewusst in meinem Leben wahrnahm war J.R. Ewing (die Älteren unter den Lesern werden sich erinnern). Ich muss leider feststellen, dass mein Bild von den Einwohnern dieses sonnenverwöhnten US-Staates sich fortan nicht bessern konnte.  😉
Es ist aber natürlich nicht auszuschließen, dass der Herr Friedmann aus dem sonnigen Texas am Ende recht behält. Schließlich ist er der Fachmann, nicht ich. Also stellt sich die Frage: 

Was mache ich als Anleger mit diesen Aussagen?
Erstmal: Ruhe bewahren. Sollten Sie zu den wenigen Menschen in diesem Land gehören, die noch Aktien oder Aktienfonds besitzen, lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Situation. Haben Sie derzeit Gewinne, dann macht es vielleicht Sinn, diese einmal auf die sichere Seite zu packen? Nachteil dieser Strategie ist: Sollten Leute wie der Vermögensverwalter Thomas Grüner aus dem Pfälzer Wald recht behalten und die Märkte kurz vor einem Ausbruch nach oben stehen, erzielen sie mit diesem Geld keine Gewinne mehr.
Es könnte also sinnvoller sein, die eigene Risikobereitschaft zu definieren und entsprechend zu agieren. Setzen sie sich selbst ein Limit für Verluste. Z.B. maximal 15% vom heutigen Stand ausgehend. Beobachten Sie die Kurse und hauen Sie ihre Aktien(fonds) konsequent raus, wenn dieser Wert überschritten wird. Viele Banken bieten z.B. mit Stopp-Loss-Orders nützliche technische Hilfsmittel an. Nicht zögern und zweifeln, wenn es soweit ist. Lieber zu früh raus, als zu spät.
Gehen Sie so vor, gehören Sie anschließend zur Mehrheit der Deutschen, die keine Aktien besitzt. Wenn sie aber grundsätzlich mit Aktien Geld verdienen möchten, wäre die folgende Vorgehensweise eine Idee:
Beobachten sie die wichtigen Aktienindizes, wie  den Dax und den Euro Stoxx 50. Verlieren diese in großem Stil, wird es Zeit einzukaufen. Liegt der Kursverfall seit dem letzten Höchststand bspw. bei rund 40% könnte man sein verfügbares Kapital in 12 Teile teilen und einen Teil davon jeden Monat investieren. Diese Vorgehensweise ist weniger riskant und weniger Spekulativ, als zu versuchen, den Tiefpunkt zu erwischen. Schauen Sie sich einmal an, welche Ergebnisse eine solche Strategie bei den letzten beiden Crashs (2000 – 2003 und 2007 – 2009) und den anschließenden Erholungsphasen gebracht hätte. Natürlich hätte es noch besser laufen können. Aber auch viel viel schlechter…. .
Wichtiger als die Frage, in welche Aktien Sie investieren ist übrigens, ob sie investieren. Die großen Kursbewegungen werden von den Märkten verursacht. Die Qualität Ihrer Aktien ist nur das berühmte „Sahnehäubchen“. Und lachen Sie auf  jeden Fall den Bank“berater“ aus, der Ihnen tollge Tipps zu einzelnen Aktien geben will. Der arme Kerl hat genauso wenig Ahnung wie Sie und ich. Er wird nur dafür bezahlt, dass er er es nicht zugibt…. .

Das wichtigste ist, dass Sie überhaupt eine Strategie haben, und diese konsequent durchziehen.
Viel Erfolg!

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Yahoo! Buzz
  • Twitter
  • Google Bookmarks

Your Comment