RSS

Carmignac Patrimoine – Der Wunderfonds für alle?

Seit rund zwei Jahren erfreut sich ein Fonds besonderer Beliebtheit, dessen Namen viele Anleger nicht einmal korrekt aussprechen können. Diese Tatsache spricht allerdings mehr gegen die Französischkenntnisse der Deutschen, als gegen den Fonds.

DER PATRIMOINE AKTUELL IM JULI 2012!

Beginnen wir also mit dem Namen. Carmignac ist der Nachname des Gründers der Fondsgesellschaft (Carmignac Gestion). Sein Vorname ist Edouard und er ist auch der Kopf der Management-Teams dieses Fonds. Das „Gestion“ im Firmennamen bedeutet soviel wie „Management“. In Deutschland hätte er seine Firma vielleicht „Carmignac Vermögensverwaltung“ genannt. Wie es sich für eine ordentliche französische Firma gehört, hat sie ihren Sitz in Paris. Es handelt sich um eine Aktiengesellschaft und die Aktien befinden sich ausschließlich im Besitz der Geschäftsführer und Mitarbeiter des Unternehmens (Quelle: www.carmignac.de). Die Firma wurde 1989 gegründet. In diesem Jahr ging auch der Fonds Carmignac Patrimoine an den Start (finanzdeutsch: Fondsauflage in 1989).
Der Name des Fonds, Patrimoine, bedeutet auf deutsch soviel wie „Erbe“. Der Name lässt sich wohl am besten so interpretieren, dass das hier angelegte Geld auch den Erben irgendwann einmal noch Freude bereiten soll. Daraus könnte man auf eine defensive Anlagestrategie schließen, bei welcher der Werterhalt der Anlage im Vordergrund steht.
Das klingt eigentlich nach einer ziemlich langweiligen Kiste. Warum um alles in der Welt steht dieser Fonds dann derzeit so im Fokus? Die Antwort ist sehr einfach: Weil er eine außergewöhnlich gute Wertentwicklung (finanzdeutsch: Performance) vorweisen kann. Und das nicht erst mit Einsetzen der Finanzkrise, als man in Deutschland auf diesen Fonds aufmerksam wurde, sondern schon seit vielen Jahren, wie dieser Vergleich über die letzten zehn Jahre zeigt:

Quelle: www.onvista.de

Der zum Vergleich herangezogene Vermögensbildungsfonds I, der Deutsche Bank Tochter DWS, war Ende der 90er Jahre einer der Top-Fonds seiner Klasse und wurde vor einiger Zeit vom Marketing der DWS (ein weiteres Beispiel für die Qualität des DWS-Marketing) kurzerhand zum „Volksfonds“ erklärt. Seine Wertentwicklung ist in den letzten Jahren allerdings eher durchschnittlich. Ich nutze ihn hier zum Vergleich, weil viele Anleger diesen Fonds haben und eigentlich von ihm genau das erwartet haben, was der Patrimoine gemacht hat. Natürlich hinkt der Vergleich zwischen einem Aktien- und einem Mischfonds. Aber erstens sind wenige Anleger in Mischfonds investiert und zweitens zählen letztlich nur die Ergebnisse im Depot. Wenn die Schlussfolgerung dann lautet, dass ein guter Mischfonds für den Privatanleger besser geeignet ist, als ein mittelmäßiger Aktienfonds, dann ist ja auch schon was gewonnen.

Was macht der Carmignac Patrimoine anders als die Anderen?
Ruft man die Produktinformation des Fonds auf, findet man einen für die Beantwortung dieser Frage sehr wichtigen Satz:

Carmignac Patrimoine ist ein globaler Mischfonds, der zu mindestens 50% in Anleihen und in Aktien investiert sowie eine absolute Performance anstrebt.

Das Wichtige ist der Begriff „absolute Performance“. In normales deutsch übersetzt heißt das soviel wie: „Wir wollen immer im Plus sein, egal was an den Märkten passiert.“ Das ist ein ganz anderes Ziel, als das des Vermögensbildung I, welches auf der Seite der DWS leider nicht genau definiert wird. Dort steht zu lesen:

Mit DWS Vermögensbildungsfonds I beteiligen Sie sich an aussichtsreichen Branchen und Unternehmen rund um den Globus. Der Fonds wird aktiv gemanagt – in Form hochwertigen Stock Pickings ohne starre Index-Orientierung.“

Das heißt auf deutsch: „Wir (ver)suchen weltweit die besten Aktien heraus(zufinden) und kaufen sie in den Fonds.“ Dann hat der Anleger diejenigen Aktien, welchen die Fachleute von der DWS am meisten zutrauen. Wenn die Aktienmärkte aber insgesamt nach unten rauschen, dann verliert auch so ein Fonds naturbedingt  an Wert. Die DWS hat ja nicht versprochen, Risiken zu begrenzen oder zu vermeiden. Wie Sie im Chart oben sehen können, verliert so ein Aktienfonds dann auch mal rund 50% (oder mehr), wie zwischen 2001 und 2003 oder zwischen Herbst 2007 und März 2009.
Und genau hier schlägt die große Stunde des Carmignac Patrimoine! Dem Fondsmanagement ist es gelungen, die ganz herben Verluste zu begrenzen oder teilweise gar ganz zu vermeiden.
So hat der Fonds nach dem Platzen der dotcom-Blase in 2000 weniger als zehn Prozent verloren und bereits in 2003 alle Verluste aus den beiden vorangegangenen Jahren wieder aufgeholt. Der Vermögensbildung I war Ende 2003 noch mit fast 40% im Minus (verglichen mit dem Höchststand in 2000). Durch die „Tücken der Prozentrechnung“ musste er ab 2004 also noch deutlich mehr als 60% aufholen, um wieder in den Bereich zu gelangen, bei welchem die meisten Anleger der Fonds gekauft hatten. Wie Sie in der Grafik oben sehen können, war er im Herbst 2007 endlich wieder auf diesem Niveau. Doch dann kam die Finanzkrise und schickte die Kurse erneut tief in den Keller. Wie gesagt, das ist kein schlechter Fonds. Das ist der Aktienmarkt. (Siehe „Mein Fonds ist sooo schlecht“)
Der Patrimoine hingegen konnte die guten Aktienjahre von 2004 bis 2007 nutzen, um ordentliche Gewinne einzufahren. Während der Vermögensbildung I im Herbst 2007 gerade einmal ungefähr sein Niveau von 2000 erreicht hatte, konnte sich der Anleger, der 2000 in den Carmignac Patrimoine investiert hatte, über ein Plus von rund 50% freuen.
Im März 2009 war der Anleger mit dem Vermögensbildung I erneut mit rund 45% in den Miesen, während der Besitzer des Carmignac Patrimoine etwa fünf Prozent mehr im Depot hatte, wie vor der Krise im Herbst 2007.

Besonders beeindruckend ist dieser Zeitraum nach Beginn der Finanzkrise im Herbst 2007, wie die 3-Jahres-Grafik deutlich zeigt:

Quelle: www.onvista.de

Hier konnte der Patrimoine weiter steigen, während die Aktienmärkte bereits deutlich unter der Lehmann-Pleite litten. Die kleine Schwächephase im Sommer 2009 fällt vor diesem Hintergrund wohl kaum ins Gewicht. Unter dem Strich konnte der Patrimoine seinen Wert nahezu halten, während Aktienfonds, wie der Vermögensbildung I, rund 20% verloren. Als die Aktienmärkte dann bis März 2009 so richtig „in die Grütze“ gingen, stieg der fröhliche französische Erbe schon wieder deutlich nach oben. So werden Legenden gemacht!
Halten wir also fest: Dem Carmignac Patrimoine ist es zweimal gelungen, die herben Verluste an den Aktienmärkten zu begrenzen oder gar zu vermeiden. Aus diesem Grund genügt ihm auch ein Aktienanteil von höchstens 50% in der Aufschwungphase an den Aktienmärkten, um langfristig eine sehr attraktive Rendite zu erzielen.
Diese Vermeidung von Verlusten ist der Schlüssel zum Anlageerfolg und letztlich genau das, was die Mehrheit der Privatanleger erwartet (was ein Missverständnis ist!), wenn sie einen Fonds kauft.

Wie macht der Herr Carmignac das?
Die Antwort auf diese Frage besteht aus zwei Teilen:

1. Breite Streuung und Begrenzung der Aktienquote.
Das Fondsmanagement kann sehr frei und flexibel investieren. Renten (finanzdeutsch für festverzinsliche Wertpapiere) dürfen 100% des Portfolios (finanzdeutsch für alles, was im Fonds drin ist) ausmachen. Aktien dürfen, auch in Phasen stark steigender Börsen, höchstens die Hälfte des Portfolios ausmachen. Hierdurch wird das Risiko im Vergleich zu reinen Aktienfonds schon einmal halbiert.

2. Risikobegrenzung durch den Einsatz von Derivaten
Dies dürfte ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen Mischfonds sein. Bei Carmignac traut man sich, das Vermögen des Fonds mit Finanzinstrumenten wie Futures abzusichern. (Vielen deutschen Fonds steht dieses Mittel aufgrund der gesetzlichen Vorschriften allerdings erst seit 2006 zur Verfügung.)
Warum „traut man sich“? Wenn es doch um Sicherheit geht? Tatsächlich nutzen viele Fondsmanager dieses Instrument nicht in dem Maße, wie es möglich wäre. Der Einsatz von Derivaten kostet Geld und geht, wenn man sie nicht braucht, zu Lasten der Wertentwicklung. Wie eine Versicherung, die man ewig nur bezahlt, aber nie in Anspruch nimmt. Ich glaube aber auch, dass viele Fondsmanager einfach ihre eigenen Vorhersagefähigkeiten überschätzen und zu wenig Demut vor ihrer eigenen Fehlbarkeit haben. Da lässt der Stolz (der Eine oder Andere mag auch ein wenig dem Größenwahn verfallen sein…)  dann keine Absicherung zu.
Viele klassische Misch- und Aktienfonds haben dieses Mittel aber auch schlichtweg nicht. Sie sind letztlich ein Instrument, um in die betreffenden Aktien- bzw. Rentenmärkte zu investieren. In welchem Ausmaß der Anleger dies zu welchem Zeitpunkt tut, ist dessen Entscheidung. Damit hat der Fondsmanager nichts zu tun.

Wie funktioniert so eine Absicherung?
Herr Carmignac sucht, wie jeder andere Manager eines Aktienfonds, Aktien heraus, von welchen er sich besondere Wertsteigerungen verspricht. Gleichzeitig kauf er aber einen „Short-Future“ (Ein „Papier“ mit welchem man bei fallenden Kursen gewinnt) z.B. auf den weltweiten Aktienindex MSCI-World. Fallen die Aktienmärkte, sollten die Qualitätsaktien von Herrn Carmignac weniger stark fallen. Außerdem gewinnt der Short-Future an Wert, weil man mit diesem auf fallende Märkte gewettet hat. Mit diesem Mittel kann man die Risiken als so ziemlich allen Anlagearten (Aktien und Renten) reduzieren. Wichtig ist es aber auch besonders im Bereich Währungen (finanzdeutsch: Devisen). Will man z.B. Aktien aus den USA kaufen, aber nicht das Risiko eingehen, unter einem fallenden Dollar zu leiden, kauft man einen Short-Future auf den Dollar (im Vergleich zum Euro). Somit lässt sich das Währungskursrisiko reduzieren oder ganz vermeiden. (Auf finanzdeutsch sagt man dann „Wir haben den Dollar gehedged.“) Man erzielt aber ein paar Prozent weniger Rendite mit den Aktien, weil ein Future Geld kostet.
Durch die Nutzung solcher Instrumente kann man also von sinkenden Märkten nicht so heftig überrascht werden. Um mit diesen Werkzeugen Erfolg zu haben, muss man eine klare Meinung zur Lage der verschiedenen Märkte insgesamt haben (finanzdeutsch: Makroökonomie). Viele Manager reiner Aktien- oder Rentenfonds beschäftigen sich mit diesen „Makrothemen“ gar nicht. Sie wollen nur die „relativ besten“ Papiere innerhalb ihres Anlageuniversums finden.
Es hat auch den Anschein, dass das Fondsmanagement des Patrimoine darüber hinaus in der Lage und bereit ist, sehr schnell auf Veränderungen an den Märkten zu reagieren und sich auf neue Situationen einzustellen. Auch diese Fähigkeit vermisst man bei der Mehrheit der Fondsmanager leider allzu oft.

Warum machen das die anderen Fondsgesellschaften nicht genauso?
Die Antwort ist so einfach wie verwunderlich: Weil sie es nicht können! Zumindest nicht einmal annähernd in dieser Qualität.
Auch wenn man den Fonds nicht, wie ich es oben getan habe, mit einem reinen Aktienfonds vergleicht, was zugegebenermaßen ein wenig Äpfel mit Birnen verglichen ist, sondern mit anderen Fonds in seiner Kategorie. Der Fondsdatenanbieter Morningstar stellt solche Vergleichsgruppen zusammen. Der Patrimoine landet hier in der Kategorie „Mischfonds Euro ausgewogen“. Der Blick auf die Ergebnisse dieser Kategorie wirft ein ganz schlechtes Licht auf die Leistungen der Fondsindustrie in dieser Klasse. Die Kategorie als solches ist deutlich schlechter als der Vergleichsindex. Hier versteht man, warum Mischfonds bisher bei deutschen Anlegern auf so wenig Gegenliebe gestoßen sind. Der Patrimoine steht mit seinem Ergebnis hier wirklich vollkommen allein auf weiter Flur. In den letzten 10 Jahren war er im Schnitt um mehr als 7% pro Jahr besser als die gesamte Kategorie! Das bedeutet, dass man mit einem Durchschnittsfonds dieser Kategorie in den letzten 10 Jahren kein Geld verdient hat. Hier geht es nicht darum, wer die Nasenspitze vorne hat. Den Carmignac Patrimoine trennen tatsächlich Welten von der breiten Masse.
Man kann von außen schwer sagen, ob es nur an der Person des Edouard Carmignac selbst liegt, an der Zusammensetzung seines achtzehnköpfigen Teams oder an der Strategie an sich. Sicher tragen alle diese Faktoren zu diesem außergewöhnlichen Ergebnis bei. Festzustellen bleibt, dass keiner der Konkurrenten auch nur annähernd an diese Ergebnisse herankommt und dass es sich hierbei keineswegs um eine Eintagsfliege handelt.

Also mit dem ganzen Geld rein in den Carmignac Patrimoine?
Nein! Auf keinen Fall!
Warum nicht, wenn das doch so ein toller Fonds ist?

Die Risiken:
Erstens legt man grundsätzlich nicht alle Eier in einen Korb. Das ist eine der wichtigsten Regeln der Kapitalanlage. All die positiven Dinge, die ich bisher über diesen Fonds geschrieben sind genauso alt wie die Zeitung von gestern. Über diese positive Entwicklung konnten sich diejenigen freuen, die schon früher in diesen Fonds eingestiegen sind. Anleger, die heute nach einer guten Möglichkeit für ihr Geld suchen haben davon erstmal nichts, denn die alten Gewinne haben Andere gemacht. Aber warum sollte der Fonds in Zukunft nicht genauso gut laufen, wie er das bisher getan hat? Die Chancen dafür stehen sicher nicht schlecht, aber es kann bei jedem Fonds immer einmal etwas schief gehen. Bis man das als Anleger merkt, ist es meist schon zu spät. Gerade bei einem Fonds, den man sozusagen als „Vollkaskofonds“ kauft und um den man sich wahrscheinlich wenig kümmern will.
Was kann schief gehen? So einiges:

1. Offensichtlich hängt vieles, wenn nicht alles, an der Person des Edouard Carmignac. Seine Erfahrung und seine Ideen sind die Basis für die gute Entwicklung dieses Fonds und seines Bruders, dem Carmignac Investissement. Wir alle wissen aber aus eigener Erfahrung, dass Menschen nicht immer gleich „gut drauf“ sind. Z.B. Veränderungen im persönlichen Umfeld eines Menschen können die Wahrnehmung der gesamten Umwelt verändern und somit auch die Anlageentscheidungen beeinflussen. Etwas zugespitzt kann man vielleicht sagen, dass man die Entwicklung seines Ersparten von der Gesundheit und dem Wohlbefinden eines einzelnen Herren in Paris abhängig macht.
Neben den Fähigkeiten des Herrn Carmignac ist das Funktionieren seines Teams der zweite wichtige Erfolgsfaktor. Sowohl Madame Ouahba als Managerin des Rentenanteils im Fonds (50 bis 100% des Portfolios!) als auch Monsieur Leroux, der die wichtige Absicherung des Fonds über Futures verantwortet, haben einen entscheidenden Anteil am Erfolg dieses Fonds. Sollte dieses Team -aus welchem Grund auch immer- einmal nicht mehr funktionieren, wäre auch die Entwicklung des Fonds betroffen.
In der Vergangenheit gab es schon des Öfteren Fondsmanager, die ein Weile mit dem Marktbedingungen hervorragend zurecht kamen. Carmignac ist bisher der Einzige, den die Märkte dann nicht doch irgendwann überrollt haben. Aber auch ihm kann es passieren, dass seine Ideen irgendwann einmal nicht mehr aufgehen. Wir haben es hier schließlich mit Menschen zu tun.

2. Eine solche Wertentwicklung kann man nur erreichen, indem man sich immer wieder erfolgreich gegen den aktuellen Trend am Markt stellt (finanzdeutsch: antizyklisch investieren). Dies bedeutet aber auch, dass man erhebliche Risiken eingeht. Ein Artikel aus der FAZ im Juli diesen Jahres beschreibt dies. Er zeigt übrigens auch, dass selbst die Redakteure solch kompetenter Blätter manchmal einen ziemlichen Stuss verzapfen:

Das größere Risiko, das Carmignac mit dem Patrimoine eingeht, lässt sich messen. Der Fonds weist mit 0,6 die höchste Sharpe Ratio aller Produkte auf, die in unserer Rangliste vertreten sind. Die Sharpe Ratio ist in den vergangenen Jahren ein gängiges Maß für das Risiko geworden.“

Die hier genannte Kenngröße „Sharpe Ratio“ beschreibt (vereinfacht gesagt), wie viel Rendite ich für das eingegangene Risiko bekommen habe. Je größer die Zahl ist, umso besser ist der Fonds. Die „höchste Sharpe Ratio aller Produkte“ spricht also für die Qualität und das bisher geringe Risiko dieses Fonds. Außerdem wird diese Größe meist rückblickend auf die letzten drei Jahre berechnet. Die Auswirkungen solch kurzfristiger Rücksetzer, wie der Autor hier beschreibt, sind hier nur sehr gering. Man darf also auch nicht alles glauben, was selbst solch ein renommiertes Blatt schreibt…. .

3. Die bisher genannten Risiken bestanden auch schon in den letzten Jahren. Nun kommt aber ein Punkt hinzu, der sich erst in den letzten zwei Jahren ergeben hat:
Viel Geld. Sehr viel Geld! Vielleicht zu viel Geld?
Im Juni letzten Jahres (2009) meldete Carmignac, dass der Fonds erstmals insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro „groß war“. Auf finanzdeutsch spricht man von einem (Fonds)Volumen von zehn Milliarden. Es hat also rund 20 Jahre gedauert, um diesen Betrag bei den Anlegern einzusammeln. Ein gutes Jahr später, beträgt das Fondsvolumen schon über 20 Milliarden Euro! Dem Patrimoine floss also innerhalb eines Jahres genauso viel Geld zu, wie zuvor innerhalb von 20 Jahren. So ein schnelles Wachstum ist auch in der Finanzwelt nicht einfach zu bewältigen. Außerdem sind 20 Milliarden (eine Zahl mit zehn Nullen!) auch für einen Investmentfonds richtig viel Geld. Das ist ein wirklich großer Fonds! Man kann sich das wie bei einem Schiff vorstellen. Ein riesengroßer Tanker ist nicht mehr so leicht zu manövrieren wie mittelgroßes Schiff. Und er kann auch nicht mehr in jedem Hafen anlegen. Genauso kann so ein großer Fonds viele Anlagechancen, besonders im Aktienbereich und bei Unternehmensanleihen, nicht mehr effektiv nutzen. Die genauen Gründe hierfür würden an dieser zu Stelle zu tief in die Vorgehensweisen des Fondsmanagements gehen und den Rahmen sprengen. Wichtig ist zu wissen, dass sehr große Fonds weniger Flexibel sind. Viele Beispiele haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Wertentwicklung unter dieser Größe leidet. Der oben genannte Vermögensbildung I ist hierfür übrigens ein gutes Beispiel. Man muss also gerade jetzt die weitere Entwicklung des Fonds sehr genau beobachten und schauen, wie das Fondsmanagement mit diesem vielen Geld zurecht kommt.
Man sollte übrigens nicht erwarten, dass Herr Carmignac und sein Team sich irgendwann hinstellen und sagen „Leute, wir haben jetzt soviel Kohle im Fonds, dass wir damit nichts vernünftiges mehr anstellen können. Bitte holt die Hälfte Eures Geldes wieder aus dem Fonds heraus.“ Die Gesellschaft -und damit bei Carmignac ja auch die Mitarbeiter- verdienen am Volumen des Fonds. Ihre Einnahmequelle ist die Verwaltungsvergütung des Fonds. Diese beträgt mindestens 1,5% des Fondsvolumens. Bei 20 Milliarden im Fonds sind das beachtliche 300 Millionen Euro! Hinzu kommt noch eine erfolgsabhängige Vergütung, die 2009 etwa bei 0,42 % gelegen haben dürfte, was noch einmal 84 Millionen Euro bedeutet hätte (das Volumen war in 2009 noch deutlich niedriger).
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Truppe um Edouard Carmignac hat jeden Euro hiervon verdient. Neid und Missgunst sind absolut fehl am Platz. Wer solch eine außergewöhnliche Leistung vollbringt muss auch außergewöhnlich verdienen. Als Anleger sollten Sie nur wissen, was Sie von einem Fondsmanagement erwarten können und was nicht.
Seriöse Gesellschaften, und diesen Eindruck macht Carmignac Gestion bisher auf mich, nehmen kein Geld für Fonds mehr an, wenn diese so groß werden könnten, dass man sie nicht mehr vernünftig managen kann. Auf finanzdeutsch werden dann „keine neuen Anteile mehr ausgegeben“. Dies wäre aus meiner Sicht auch hier eine Möglichkeit. Schaumermal.

Also was jetzt? Doch nicht in den Patrimoine investieren?
Doch. Aber eben nicht alles. Der Carmignac Patrimoine ist aktuell wahrscheinlich ein gutes Basisinvestment für die Grundversorgung der Anlagestrategie mit Aktien und Renten. Man sollte aber unbedingt den für diesen Bereich vorgesehenen Betrag auf mehrere Fonds mit gleicher Zielsetzung verteilen. Auch, wenn diese in der Vergangenheit nicht so glänzten, wie der Erbenfonds aus Paris.
Je höher der Anteil des Patrimoine an der gesamten Anlage ist, umso wichtiger ist es, den Fonds regelmäßig (z.B. einmal monatlich) zu beobachten und zu prüfen, ob er noch das tut, was man von ihm erwartet.
Zur Erinnerung: Am wichtigsten bei diesem Fonds ist, dass er die richtig herben Verluste an den Aktienmärkten nicht mitmacht. Sollte er plötzlich über ein längeren Zeitraum mit den Aktienmärkten fallen (immer bedenken: Im Fonds sind höchstens 50% Aktien. Verlieren Aktien 20% und der Fonds 10%, läuft etwas schief!) besser verkaufen und erstmal schauen, welchen Weg Herr Carmignac und sein Team einschlagen. Wenn das Fondsmanagement die Risiken nicht mehr begrenzt, muss dies der Anleger (oder sein Berater, falls er einen guten hat) selbst tun!

Auch hier gilt:
Die Verantwortung für Ihr Geld haben am Ende des Tages immer Sie selbst.

Folgen Sie finanzdeutsch auf twitter: @finanzdeutsch

 

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Yahoo! Buzz
  • Twitter
  • Google Bookmarks

2 Comments Add Yours ↓

  1. 2

    Man nehme 1024 DAX-Aktienfonds, die allesamt gleich gut sind. Dennoch werden nach 1 Jahr genau 512 von diesen besser sein als der Durchschnitt. Nach 2 Jahren werden genau 256 zwei Jahre in Folge besser sein als der Durchschnitt. Usw. Nach 10 Jahren wir es einen geben, der 10 Jahre in Folge besser war, als der Durchschnitt (i.e. 10 Jahr in Folge den DAX geschlagen).

    Über welchen wird wohl geredet…

    Ich weiß nicht, wie der Fond arbeitet etc. Will nur kurz eine andere Sichtweise darstellen! 🙂


2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Welcher Mischfond? - Geldanlagen: Fest-, Tagesgeld & Investmentfonds Forum 12 09 10
  2. Anonymous 22 09 10

Your Comment