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Aktien Europa – Erstes Halbjahr 2010

(finanzinfo-service.de) Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Dies trifft auf jeden Fall auf die Erwartungen der Börsianer am Ende des vergangenen Jahres zu. Damals ging man davon aus, dass zu Jahresanfang die „Jahresendrally“ fortgesetzt würde. Eigentlich wurde mehr gehofft, dass die schwächelnde Jahresendrally von einer richtigen Jahresanfangsrally abgelöst wird. So schlau, wie wir im Nachhinein immer sind, können wir nun festhalten, dass die Stimmung an den Börsen einfach zu gut für die unsichere Realität war.
Es konnte kaum zu positiven Überraschungen kommen, welche die die Kurse weiter nach oben treiben konnten. Umso leichter war es aber, negative Überraschungen zu erzeugen. Diese kamen zuerst aus Griechenland und brachten die Erkenntnis, dass die griechische Regierung die EU einmal mehr mit falschen Zahlen zur Lage des Haushalts belogen hat. Griechenland konnte nur durch die Hilfsmaßnahmen der EU und des IWF vor dem Staatsbankrott gerettet werde. Mit Spanien, Portugal, Italien und Irland gab und gibt es jedoch weitere Kandidaten, deren Haushaltslage mehr als bedrohlich erscheint. Die Geschehnisse legten die Schwächen im Euro-Währungssystem offen. Pessimisten sahen das Ende des Euro bevorstehen und die weltweite wirtschaftliche Erholung in Gefahr. Der Euro verlor gegenüber den anderen wichtigen Weltwährungen deutlich an Wert. Beim „einfachen Volk“ machte sich teilweise die urdeutsche Angst vor einer Inflation breit. Von einem „schwachen Euro“ war die Rede. Rational betrachtet ist dies blanker Unsinn, denn der Euro befindet sich trotz seiner aktuellen „Verluste“ z.B. gegenüber dem US-Dollar ziemlich genau auf jenem Niveau, welches Experten als „Kaufkraftparität“, also als faire Bewertung, bezeichnen. Die Gemeinschaftswährung war nur aufgrund des schwachen US-Dollar zuvor sehr stark gestiegen, was nun „korrigiert“ wurde. Griechenland hat erste, anscheinend wirkungsvolle, Maßnahmen zur Konsolidierung eingeleitet. Zuletzt sorgte Spanien für Unsicherheiten. Dort könnte der Bankenbranche noch großes Ungemach drohen, da auf der iberischen Halbinsel die Immobilienblase geplatzt ist, die sich von 2004 bis 2008 aufgeblasen hatte, was übrigens niemand an den Börsen wirklich überraschen dürfte.

Die Ergebnisse an den Aktienmärkten
Die Aktienmärkte haben gewohnt schwankungsreich (volatil) auf diese Geschehnisse reagiert. Wobei der Dax sich deutlich von den anderen Indizes abhebt, im positiven Sinne. Die erste Angstwelle im Februar kostete den deutschen Leitindex knapp neun Prozent. Der EuroStoxx 50 verlor im gleichen Zeitraum mehr als elf Prozent. Heftiger kam es für die europäischen Aktienmärkte mit dem zweiten Rückschlag Anfang Mai. Der Dax verlor hier (gerechnet seit Jahresbeginn) rund vier Prozent. Die Probleme in Südeuropa kosteten den EuroStoxx 50 an dieser Stelle mehr als 15%! Ausgelöst wurde dieser schnelle Rückschlag von den rätselhaften Tagesverlusten an den US-Börsen am 6. Mai, als die wichtigsten Indizes, aus bislang ungeklärten Gründen, innerhalb kurzer Zeit mehr als neun Prozent verloren. Man hatte den Eindruck, dass die sowieso schon extrem nervösen Anleger nun endlich die Schnauze voll hatten und froh waren, sich von den südeuropäischen Werten getrennt zu haben. Von diesem Rückschlag hat sich der Euroland-Index bis heute nicht erholt. Zum 30.6. verbuchte er ein Minus (seit Jahresbeginn) von 13,3%. Der Dax beendete das Halbjahr mit einer „schwarzen Null“. Dies zeigt, dass Deutschland derzeit als der sichere Hafen in der Eurozone gesehen wird. Dies galt übrigens auch schon vor dem tollen Auftritt unserer Elf in Südafrika. Sollen die Spanier doch Weltmeister werden, die armen Kerle haben ja sonst nichts. 😉 

Was ist zu erwarten?
Seit Ende März schwanken die europäischen Aktienmärkte nun in einer rund zehn bis zwölf Prozent breiten Spanne auf und ab, ohne nennenswert vom Fleck zu kommen. Es braucht wohl einen neuen Impuls in die eine oder andere Richtung. Die Erwartung einer weiteren wirtschaftlichen Erholung ist genauso „eingepreist“, wie die Angst vor schlimmeren Problemen in der Eurozone. Worauf ist im zweiten Halbjahr zu achten? Einige Experten ziehen beharrlich die Parallele zur Entwicklung in 2004. Zwar kann niemand sagen, warum zwei Börsenjahre sich gleichen sollten, aber irgendeinen Halt braucht auch der gemeine Börsianer. Sollten sie Recht behalten, würde sich dieser Seitwärtstrend bis in den Herbst hinein fortsetzen, um dann in eine richtige Jahresendrally zu münden. Das gibt zumindest ein wenig Hoffnung.

Worauf zu achten ist.
Allerdings sind am Horizont auch noch einige sehr bedrohliche Risiken zu erkennen. Die Staatsverschuldung ist ja kein exklusives Problem der südlichen Euroländer. Große Player an den Kapitalmärkten bergen durchaus größere Gefahren. Derzeit werden die Probleme Großbritanniens, der USA und Japans von den Märkten schlichtweg ignoriert. Das kann sich aber schnell ändern, denn die Schwierigkeiten dort sind keineswegs als gering einzustufen. Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, wenn z.B. die USA oder Großbritannien ein Downgrade durch die Ratingagenturen erfahren würden, dürften deutlich stärker sein und zu neuen herben Kursverlusten führen. Gänzlich unbeachtet ist die Tatsache, dass der Markt für US-Gewerbeimmobilien die gleichen Probleme hat, wie der dortige Privatimmobilienmarkt vor Ausbruch der Finanzkrise. Auch hier liegt Potenzial für negative Überraschungen. Oder für gezielte Nachkäufe. Je nach Sichtweise. Auf jeden Fall wird es sich lohnen, die Augen offen zu halten.

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