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Carmignac Patrimoine im Sommer 2012

Im September 2010 habe ich über einen zu dieser Zeit extrem beliebten Fonds, den Carmignac Patrimoine, berichtet. Der Fonds war außergewönlich gut durch die erste Phase der Finazkrise (oder Eurokrise, oder Schuldenkrise) und hatte extrem hohe Mittelzuflüsse zu verzeichnen.

Solche Mittelzuflüsse werden für besodners erfolgreiche und aktive Manager oft schnell zu einem Problem, weil die Suche nach den unentdeckten Perlen immer schwieriger wird. Allerdings spielt die Perlensucherei bei der Strategie des Patrimoine nicht die Ausschlaggebende Rolle. Für diesen Fonds geht es mehr um ganze Märkte, als um einzelne Aktien oder Unternehmen. Viele Experten prognostizierten allerdings dennoch einen Qualitätsverlust des Fonds für die Zukunft. Knapp zwei Jahre später lohnt es sich sicher, einmal wieder einen Blick auf die Entwicklung des Fonds zu werfen. 

Hierzu schauen wir uns zuerst einmal an, was „die Märkte“ so getrieben haben. In Deutschland schauen wir gerne hauptsächlich auf „unseren DAX“. Dieser stand am 1.9.2010 bei rund 6.000 Punkten und steht aktuell bei etwa 6.500 Punkten. Da wäre also eine Performance von rund 6,5%. Wobei die Feststellung an sich schon ziemlicher Unsinn ist. Der DAX lag allein in diesem Jahr schon deutlich unter 6.000 und über 7.000 Punkten. Die Performacebetrachtung könnte also auch wesentlich schlechter oder deutlich besser ausschauen.

DAX PERFORMANCE-INDEX 1 Jahr Chart

Quelle: onvista.de

Womit wir bei einer anderen wichtigen Charaktereigenschaft von Kapitalanlagen sind: Der Schwankungsanfälligkeit und damit auch dem Risiko. In 2011 schwankte unser deutscher Lieblingsindex zwischen rund 7.600 und etwas unter 5.000 Punkten. Da konnte man schnell mal 34% verlieren. Dumm nur, dass man gemäß den Gestzen der Prozentrechnung rund 52% gewinnen muss, um wieder auf Null zu kommen.
Wir halten also fest: Eine klare Aussage zur Alternativanlage im DAX lässt sich nur für einzelne genau definierte Zeiträume machen. Ein klarer Trend ist nicht zu erkennen.

Nimmt man statt des deutschen den europäischen Leitindex Eurostoxx 50, sieht es für den Anleger noch trauriger aus. Schließlich sind in diesem Index auch Aktien aus den europäischen Krisensländern (Spanien, Italien, Griechenland, Portugal usw.) beinhaltet. Hier gab es für Anleger schon länger nichts zu holen.
Besser sieht es bei US-Aktien aus. Der Leitindex Dow Jones hat in der genannten Zeit gut 20% zugelegt. Für den Euroanleger kommen noch zusätzliche Gewinne aus dem Kursrückgang des Euro gegen den Dollar hinzu. Aber das ist Spielerei, das hätte auch gut nach hinten losgehen können (und kann es immer noch).
An den Emerging Markets dagegen schaut es ähnlich aus wie beim DAX. Hohe Schwankungen und Gewinne nur bei guter „Tagesform“.

Tatsächlich Geld verdienen können hätte man mit Renten (festverzinslichen Wertpapieren) . Dies zeigt der Index REX für deutsche Anleihen an. Knapp 10% seit September 2010 sind nicht so schlecht. Allerdings drücken die aktuellen Schwankungen sicher nicht das Risiko aus, dass gerade diese Anlageklasse aufgrund der Euro-Schuldenkrise in sich verbirgt.

REX GESAMT PERFORMANCE-IN 3 Jahre Chart

Quelle: onvista.de

Wir sehen also ein unheitliches Bild an den Aktienmärkten, eine sehr schwierige Situation bei den Renten und das übliche Casino bei den Währungen. Da kann und konnte man als Fondsmanager wirklich viel falsch machen, wie die Performance vieler Fonds eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Wie hat der Patrimoine diese Zeit gemeistert? Eine Performance von fast 11% bei maximalen Rückschlägen unter 8% ist vor dem Hintergrund des beschriebenen Marktumfeldes sicher nichts, was einigermaßen vernünftig tickende Anlager unzufrieden macht.

Chart Carmignac Patrimoine seit 09/2010

Chart Carmignac Patrimoine seit 09/2010 Quelle: comdirect

Bemüht man die Chartfunktion auf morningstarfonds.de erkennt man, dass die kurze Schwächephase gegenüber der Kategorie wieder überwunden ist. Dass der von Morningstar gewählte Index derzeit besser abschneidet als der Fonds ist wahrscheinlich nur von geringer Aussagekraft, da dieser Index für das Management des Fonds ziemlich unerheblich sein dürfte. Letztlich erhält der Fonds von Morningstar weiterhin nur Bestnoten.
Dass das Fondsmanagement auch weiterhin seine wichtigste Qualität, nämlich die Vermeidung hoher Verluste bei deutlichen Rückgängen an den Aktienmärkten, nicht verloren hat, zeigt das Jahr 2011 eindrucksvoll.

Chart Patrimoine / MSCI World 2011

Chart Patrimoine / MSCI World 2011

Die blaue Linie ist der MSCI World, die schwarze der Carmignac Patrimoine.

Das finanzdeutsch-Fazit:
Der Patrimoine reiht sich glücklicherweise nicht in die lange Liste der „gefallenen Engel“ bei den ehemaligen Superfonds ein. Das Team um Edouard Carmignac hat auch in dieser schwierigen Zeit die großen Risiken beherrscht. Wer vor dem Hintergrund dieser Entwicklung von diesem Fonds enttäuscht ist, der hat eher ein Problem mit seiner Erwartungshaltung, als der Fonds mit der Perfromance oder dem Management!

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