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Der Zwei-Euro-Ansatz

Im Oktober habe ich über Spekulationen berichtet, dass Deutschland aus dem Euro aussteigen könnte. Zugegeben, mehrheitlich werden andere Themen im Zusammenhang mit der Lösung der  Eurokrise diskutiert. Aber wirklich besser ist die Situation seit Oktober nicht gerade geworden. Vielleicht haben wir uns nur ein bisschen mehr daran gewöhnt?

Das ein Rauswurf Griechenlands aus dem Euro nichts bringen würde, zeigt die Entwicklung in Spanien. Portugal und Italien sind auch fragwürdige Kandidaten und sogar Frankreich scheint nicht 100%ig sattelfest zu sein. Die können wir wohl kaum alle nacheinander aus dem Euro schmeißen. Also was tun?    

Stellt sich erst einmal die Frage, warum das mit dem Euro so gar nicht klappt?
In der Zeit der D-Mark hatten wir doch auch Länder mit sehr unterschiedlicher Wirtschaftskraft. Schon vor der Wiedervereinigung waren Welten zwischen der Wirtschaftskraft z.B. Baden-Würtembergs und der des Saarlandes. Nach der Wiedervereinigung waren die Diskrepanzen noch weitaus größer. Dennoch war nie die Rede davon, z.B. Mecklenburg-Vorpommern aus der D-Mark zu werfen. Warum konnte also die D-Mark, was dem Euro nicht gelingt?

Die Antwort ist relativ einfach. Für den gesamten D-Mark-Bereich galten die gleichen wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen und Gesetze. Außerdem taten die Bundesländer das, wogegen wir Deutsche uns in der Eurozone gerade vehement wehren: Sie traten (und treten) füreinander ein (Stichwort Länderfinanzausgleich). Das wäre durch den Einsatz der von den Südeuropäern geforderten Eurobonds der Fall. Aber hierfür fehlt der gemeinsame rechtliche Rahmen, weshalb sich Angie aus meiner Sicht zu recht mit Händen und Füßen (besser mit Klauen und Zähnen) dagegen wehrt.

Streng genommen muss man also sagen, dass der Euro erst dann funktionieren kann, wenn die EU nicht mehr so ein relativ lockerer Staatenbund wie derzeit ist, sondern so etwas wie die „Vereinigten Staaten von Europa“ mit einer gemeinsamen Regierung, einheitlicher Gesetzgebung und allem drum und dran. Dieser Zustand ist allerdings erst am Ende einer sehr langfristigen Entwicklung zu erwarten, welche wir wohl erst zu einem kleinen Teil hinter uns haben.
Andererseits haben gerade wir Deutschen die Vorteile einer gemeinsamen europäischen Währung genießen gelernt. Und das nicht nur auf Auslandsreisen, sondern auch und gerade beim wichtigen Export innerhalb der EU. Und die relative Schwäche des Euro im Vergleich zu einer hypothetisch noch existenten D-Mark hat uns gerade in den letzten Jahren wirtschaftlich sehr geholfen (Exporte in die USA und die Schwellenländer).

Aber was hilft`s? Das Modell funktioniert nicht und es muss und wird sich etwas ändern!
Einen Südeuropäer nach dem Anderen aus dem Euro zu werfen ist also auch keine Lösung für die Eurokrise. Eine Rückkehr Deutschlands zur Mark würde auch nicht wirklich helfen. Die Mark würde wahrscheinlich zu stark und damit „zu teuer“ für die Kunden unserer Exportwirtschaft werden. Außerdem wären die Probleme der Südeuropäer damit nicht gelöst und diese Absatzmärkte würden uns dauerhaft auch fehlen.

Der Zwei-Euro-Ansatz
Meine Vermutung ist, dass es künftig eine Teilung der Eurozone und zwei Euros geben wird. Einen „Nord-Euro“ und einen „Süd-Euro“. Im Nord-Euro wären dann „die Guten“ zusammengeschlossen. Das wären nach dem aktuellen Stand neben Deutschland die Benelux-Staaten, Finnland, Österreich und nach aktueller Lage auch noch Frankreich. Diese Einteilung basiert auf den Ratings der Euro-Länder.
Vielleicht wären gemäß der Euroverträge auch Staaten wie Estland, Malta, Slowenien und die Slowakei dabei. Das hängt davon ab, wie man die Bedingungen definieren möchte.

Die restlichen Staaten würden den Süd-Euro nutzen. Der Süd-Euro könnte dann im Vergleich zum Nord-Euro und den anderen Weltwährungen abwerten und damit die Konkurrenzfähigkeit dieser Länder verbessern. Der Griechenland- oder Spanienurlaub würde damit für uns (und die Holländer ;-)) wieder billiger werden, was die Nachfrage erhöhen dürfte.
Natürlich sollte es langfristig das Ziel dieser Länder sein, so zu wirtschaften und so produktiv zu werden, dass sie in den Nord-Euro „aufsteigen“ können, damit die stabile und wirtschaftlich leistungsfähige Zone Europas immer größer wird.

Für stark schwächelnde Nord-Euro-Länder muss es natürlich auch den Abstieg in den Süd-Euro geben. Zumindest solange, bis die ersten wirklich anfangen, den Kern der Vereinigten Staaten von Europa zu bilden. Dann hat das mit der gemeinsamen Währung auch endlich Hand und Fuß!

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