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Deka EuroGarant Strategie

Nicht nur die Spezialisten von der Union Investment sind immer wieder für neue und spannende Ideen gut, auch deren Kollegen aus dem Sparkassensegment bei der Deka strotzen gerade so vor Kreativität. Geringe Risiken und vernünftige Gewinne, das ist es, was wir alle irgendwie suchen, oder?
Die Deka hat im September 2011 mit dem Investmentfonds „Deka EuroGarant Strategie“ ein neues Produkt mit genau diesem Ziel an den Start gebracht. Was sind die wichtigen Eigenschaften dieses Fonds?

  • Eine Garantie für die nächsten sechs Jahre.
  • Der systematische Wechsel zwischen Anleihen (Renten oder Bonds) und Aktien, je nach Marktlage, das sog. „best of two“-Prinzip.
  • Das Ziel ist wie immer, in guten Börsenphasen stärker in Aktien und in schlechten Phasen stärker in den sichereren Anleihen investiert zu sein.

Betrachten wir die Punkte einmal im Einzelnen:

Die Garantie
Garantiert wird ein Rücknahmepreis von 103,50 Euro nach den ersten sechs Jahren der Laufzeit, also am 29.09.2017. Das bedeutet letztlich den Kapitalerhalt für die Anleger, die am ersten Tag in den Fonds eingestiegen sind. Da der Fonds 3,5% Ausgabeaufschlag hat und der erste Preis am 30.9.11 mit 100,- Euro festgelegt war, hat man also für einen Anteil des Fonds am ersten Tag 103,50 Euro bezahlt und bekommt eben diese nach sechs Jahren garantiert zurück, egal was passiert.
Ich nehme an, dass dies ein tolles Marketinginstrument war, um Kunden im Rahmen einer Zeichnungsphase für einen frühen Einstieg zu begeistern. Denn die Kunden von Sparkassen gehören anscheinend, genauso wie Volksbankkunden, zu der aussterbenden Art der Zahler von Ausgabeaufschlägen.
Für den Anleger bedeutet diese Garantie, dass ein Teil des Fondsgeldes festverzinslich angelegt wird, um mit Zinsen am Ende auf jeden Fall diese 103,50 Euro Anteilswert zu erreichen. Jetzt sind 3,5% in sechs Jahren selbst in diesen Zeiten kein besonders sportliches Ziel. Man kann also davon ausgehen, dass diese Garantie sich innerhalb des Gesamtkonzeptes nicht sonderlich negativ auf eine Mögliche Wertentwicklung (finanzdeutsch auch gerne Performance genannt) auswirken wird. Zumal, wie wir später sehen werden, sowieso nicht in richtige Aktien sondern in Derivate investiert wird. Und das Einhalten der Garantie dürfte auch kein Thema sein, sollte nicht die komplette Finanzwelt zusammenbrechen.

Ein klarer Pluspunkt ist also, dass man bei diesem Fonds sein Risiko kennt. Wie hoch es ist, hängt vom Einstiegskurs ab. Per 24.1.12 lag der Ausgabepreis bei 106,88 Euro, man konnte also 3,38 Euro pro Anteil bis zum 29.9.2017 verlieren. Das entspricht bei diesem Kurs einem Maximalverlust von rund 3,3%.

Die Anlagestrategie
Die entscheidende Frage bei solche Konzepten ist immer: Woher weiß ich, wie viel Aktienanteil ich gerade haben sollte? Je höher der Aktienanteil, desto höher das Risiko und die Gewinnchancen. Um diese Frage zu beantworten gibt es verschiedene Ansätze, so richtig überzeugen konnte mich noch keiner. Normalerweise geht es um irgendwelche festgelegten Regeln, nach denen Aktien- und Rentenquoten auf- und abgebaut werden. Meistens irgendetwas, was versucht Trends an den Aktienmärkten zu erkennen, ihnen zu folgen oder auf sie zu reagieren. Das Problem ist, das in solchen Märkten wie z.B. letztes Jahr ohne klare Trends und mit vielen starken Schwankungen regelmäßig Verluste gemacht werden, weil solche Strategien systembedingt immer ein wenig dem Markt hinterherlaufen. Wenn die Trends zu kurz sind, kommt das System immer zu spät und investiert in die nächste Verlustphase hinein um vor dem nächsten Anstieg wieder auszusteigen.
Die Jungs und Mädels bei der Deka haben sich hier etwas einfallen lassen, was von der klassischen Denke der Trendfolger etwas abweicht und vielleicht wirklich ein spannender Ansatz ist. Nur einfach ist das Thema nicht wirklich, aber wir versuchen uns mal schrittweise zu nähern.

Die Grundüberlegung ist die Erfahrung, dass die Aktienmärkte in Zeiten steigender Kurse deutlich weniger schwanken, als in Zeiten sinkender Kurse. Damit es wichtig klingt, nennen wir Finanzprofis diese Schwankungen „Volatilität“. Und weil das kein Mensch nach dem dritten Rotwein mehr unfallfrei aussprechen kann, sagen wir „unter uns“ auch einfach nur „die Vola“.
Es gibt dafür sogar Indizes (Mehrzal von Index) für die Vola, z.B. den VDAX, der die Volatilität des DAX misst. Eigentlich ist es sogar die implizite Volatilität, aber wir wollen es mit der Wichtigtuerei mal nicht übertreiben!
Betrachtet man die nachfolgende Grafik, dann sieht man, dass die Vola (VDAX) immer dann dramatisch ansteigt, wenn die Aktienkurse so richtig in den Keller rauschen und eher moderat ist, wenn es einigermaßen stetig nach oben geht.

Vergleich Dax mit VDAX

Quelle: onvista.de

Dieses Prinzip wollen sich die schlauen Leute bei der Deka zu Nutze machen und versprechen dann stärker in Aktien zu investieren, wenn die Vola niedriger ist und wenige oder keine Aktien im Fonds zu haben, wenn die großen Ausschläge bei der Vola stattfinden.

Die Grafik zeigt auch, dass das grundsätzlich zwar gut aussieht, aber bei genauerem Hinsehen kein gleiches Muster in den jeweiligen Börsenphasen vorliegt. Der Erfolg dieser Strategie wird demnach davon abhängig sein, wie gut die Leute bei der Deka dieses Thema beherrschen. Darüber kann ich nichts sagen, bin aber eher skeptisch. Zum Einen, weil das ein extrem kompliziertes Thema ist und zum Anderen, weil ich noch nichts entdeckt habe, was die Leute von der Deka wirklich besonders gut können.
Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen, also gebt Euch mal Mühe!

Noch ein bisschen was zur Umsetzung
In Wirklichkeit machen die bei der Deka selbst gar nicht viel. Es gibt nämlich einen Index, den „EURO STOXX 50 Risk Control 12% Excess Return“, der genau diese Strategie abbildet. Und die Deka kauft nun einfach ein Zertifikat auf diesen Index und schon ist der Fonds gemanaged.
Das erklärt auch die mit 0,62% p.a. auf den ersten Blick relativ geringen Kosten des Fonds. Selbst wenn man die alle sechs Jahre anfallenden 2,5% für die „Umstrukturierung“ auf die einzelnen Jahre umrechnet, liegt man nur bei rund einem Prozent pro Jahr. Das ist für einen Indexfonds nicht billig, aber wirklich viel verdienen können die Deka und die Sparkassen damit auch nicht gerade.

Ich glaube ja grundsätzlich an das Gute im Menschen. Aber wenn ich lese, dass die Wertentwicklung des Index über ein Zertifikat abgebildet wird, dann frage ich mich schon: Wer gibt dieses Zertifikat heraus und wie hoch sind dessen Kosten? Ich würde, wenn ich die Deka wäre, sowas ja im eigenen Konzern lassen. Und da Zertifikate ja per sé der Inbegriff der Intransparenz sind, würde ich mir dort noch die nötigen Erträge in Form von Gebühren holen. Denn eines ist klar: Die Deka und die Sparkassen verdienen im Gegensatz zu den Kunden nicht in erster Linie an der Wertentwicklung des Fonds, sondern über allerlei Kosten und Gebühren an dem Geld der Kunden, das sich im Fonds befindet. Anders ist das beim EuroGarant Strategie auch nicht.

Fazit:
Wie immer stellt sich die Frage, ob man so einen Fonds kaufen soll. Man kann darüber nachdenken, wenn man eine Anlage mit klar definiertem Risiko sucht und nicht hinter dem letzten Prozent Performance in Zeiten steigender Märkte her ist. Ob man damit wirklich etwas verdienen kann, ist aus heutiger Sicht nicht zu prognostizieren. Der Ansatz mit der Steuerung des Portfolios über die Vola ist wenigstens „mal was anderes“ und bevor man sich einen weiteren Trendfolger ins Depot legt, kann man mal ein paar Prozent seines Geldes so eine Idee ausprobieren lassen. Was am Ende besser oder schlechter war, weiß man sowieso erst, wenn ebendieses naht.. .
Aber wie immer gilt auch hier, dass keinesfalls alles auf diese eine Idee gesetzt werden sollte!

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