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Gastbeitrag: Funktionsweise der Allianz Index-Select

Der folgende Beitrag wurde freundlicherweise von Thomas Eilenberg, Versicherungsmakler in Berlin (www.eilenberg.de) als Reaktion auf meinen Beitrag zu diesem Produkt vom Oktober letzten Jahres zur  Verfügung gestellt. Gastbeiträge geben grundsätzlich die Meinung des Autors und nicht diejenige der finanzdeutsch-Redaktion wieder.

 „Im Rahmen einer Basis-Rente, Riester-Rente, Privat-Rente oder einer Direktversicherung bietet die Allianz ihr Produkt „Index Select“ an.

Was ist das Produkt nicht?
Es ist keine fondsgebundene Rentenversicherung
Es ist kein Direkt- Investment der investierten Kundengelder in einen Index

 

Wie funktioniert die Index-Select?

1. Der Kunde kann jährlich zum vereinbarten Stichtag  wählen, ob er für die nächsten 12 Monate die sichere Verzinsung der Allianz haben möchte oder ob er eine Partizipation am Euro Stoxx 50 wünscht.

2. Wenn der Kunde die Partizipation am Euro Stoxx 50 wünscht gilt folgendes:

a. Die Kundengelder  (Beiträge und jährlich eingeloggte, also gesicherte Gewinne) verbleiben im Deckungsstock der Allianz!
b. Die Allianz schreibt  zu den jeweiligen Stichtagen gegenüber Finanzinstituten (anderen Bankhäusern) ein Angebot aus, welches da lautet:

i. Du, Finanzinstitut erhältst eine Summe x (sehr wahrscheinlich eine Summe die einem Anteil aus der Überschußdeklaration des jeweiligen Jahres entspräche).
ii. Monatlich  wird die Veränderung des Euro Stoxx 50 bis zu einer vereinbarten Höchstgrenze (CAP) gutgeschrieben und am Ende des Indexjahres addiert. Wenn der Euro Stoxx 50 in einem Monat stärker steigt als der CAP, bleibt die  über den CAP hinausgehende Steigerung in der  Addition zum Ende der 12 Monate unberücksichtigt.
iii. Nach 12 Monaten werden die Monatsergebnisse addiert. Ergebnismöglichkeiten:

1. Jeden Monat hat der Euro Stoxx 50  4% erzielt, dann hat das Finanzinstitut der Allianz für den Kunden 48% (12 x 4%) für dieses eine Stichtagsjahr gutzuschreiben (möglich, aber nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung unwahrscheinlich)2. Es gab ein auf und ab, so dass am Ende z.B. 5% oder 25% für das Stichtagsjahr rauskommen. Dies hat das Finanzinstitut der Allianz für den Kunden gutzuschreiben.
3. Es gab ein auf und ab und am Ende kommenden -50% raus. Dann hat das Finanzinstitut der Allianz nichts zurück zu zahlen, dem Kunden wird für dieses Stichtagsjahr dann 0,0% gutgeschrieben.

 Welche Kosten hat die Index-Select?
Der Versicherer beschreibt stets in seinen Angeboten die Gesamtkostenquote des Vertrages. Diese liegt zumeist zwischen 0,94 und 1,14%.
Zu finden zwischen den Seiten 17 und 22 eines VVG-konformen Angebotes. Je nachdem ob das Angebot mit Beitragsfreistellung bei BU (wenn, dann schon das Bedingungswerk „ BU-PLUS“) oder ohne berechnet wurde.
(Bitte eine BU-Rente immer vom Sparvertrag trennen!).

 Wie wirken sich die Kosten trotz der Sicherungsstruktur konkret auf die Leistungen aus?
Wir haben einmal das Produkt Index-Select verglichen mit einem Online gern genannten Versicherer, der Cosmos Direkt (Tarif CFR, fondsgebundene Rentenversicherung), ONLINE berechnet am 28.10.2011.

Folgende Kriterien liegen dem bespielhaften Vergleich zugrunde:
Mann, Jahrgang 1987, Nichtraucher,  Laufzeit 41 Jahre, Beginn 1.12.2011, 80 Euro Monatsbeitrag, keine Zusatzversicherungen, 10 Jahre Rentengarantiezeit, Werte nach Kosten

Variante 1:
0,00 % konstante Wertentwicklung (was ja durch das jährliche Gewinnsicherungssystem der Index-Select faktisch nicht möglich ist).
Garantierte mtl. Mindestrente Allianz: 145,44 Euro, Cosmos: 144,36 Euro – einmaliges Gesamtkapital Allianz: 39.360 Euro, Cosmos: 39.345 Euro

Variante 2:
6,00 % konstante Wertentwicklung
Monatliche Gesamtrente (inkl. nicht garantierter Überschüsse) – Allianz: 574,91 Euro, Cosmos: 555,85 Euro – einmaliges Gesamtkapital (inkl. nicht garantierter Überschüsse) Allianz: 122.128  Euro, Cosmos: 151.490 Euro.

FAZIT:
Wenn der Euro Stoxx 50 sich jährlich gleichbleibend mit 0,00% entwickeln würde (mathematisch unwahrscheinlich), bietet die Allianz Index-Select bessere Leistungen.
Wenn der Euro Stoxx 50 sich jährlich linear um z.B. 6% entwickeln würde (mathematisch unwahrscheinlich), bietet die fondsgebundene Rentenversicherung der Cosmos eine bessere Gesamtablaufleistung (Privatrente).
Wenn der Euro Stoxx 50 sich z.B. entwickeln würde, wie in den letzten 12 Jahren (Herbst 1999 – Herbst 2011) wären die Anleger sehr nah an einer 0,00% Wertentwicklung (vor Kosten) im Gesamtergebnis, aber nicht im Ergebnis der einzelnen Jahre, diese schwanken ja, wie wir alle wissen, beträchtlich. Dann wäre die Allianz Index-Select besser, bedingt auch aus dem Gewinnsicherungssystem, die die Erträge der positiven Jahre sichern.

WICHTIG: Wer eine reine fondsgebundene Rentenversicherung meint wählen zu wollen, muß sich genau überlegen welche Leistungen er zur Entscheidungsgrundlage wählt (Rentengarantiezeit, Wertentwicklungsszenarien (von 0,00% oder eher 3%, oder 6%, oder eher -10% …) Fondsauswahl,  Rentenbezugsform (dynamisch, teildynamisch, flexibel, konstant) Garantiewerte, Qualität der Zusatzversicherungen (BU) usw. Unter all diesen Aspekten kommen bei professionellen Marktvergleichen (gibt es nur Offline)  immer wieder andere Anbieter unter die besten drei Versicherer.

Welchen wesentlichen Vorteil hat das Produkt Index-Select gegenüber Fonds- und sonstigen  Indexpolicen….
Wenn in einem Jahr der Euro Stoxx 50 um z.B. 30% zum nächsten Stichtag des Index-Vertrages fällt, dann hat der Kunde  0,0% gutgeschrieben bekommen UND beginnt im neuen Stichtagsjahr auf diesem niedrigen Niveau, wenn er möchte, er kann ja auch die jährlich sichere Verzinsung der Allianz wählen.
Wenn bei einer sonstigen Fondspolice dies geschieht, braucht der Kunde zumeist Jahre, um den alten Stand wieder zu erreichen. Die Kosten für Garantien (Höchststandsgarantien oder Zinsgarantien oder Kapitalgarantien), wenn angeboten müssen teuer erkauft werden.

Wann ist die Index Select für den Kunden nachteilig?
Dann, wenn es eine lineare, kontinuierliche positive Wertenwicklung über die gesamte Vertragslaufzeit gibt, denn dann wäre die Sicherung des Kapital überflüssig und die Kosten dafür nicht nötig aufzubringen. Gab es diese Situation schon einmal historisch – Kurz und knapp NEIN.

Abschließend: Bitte in Beratungen (bei allen Versicherern) insbesondere für Direktversicherungen und Basisrenten immer die Rabattmöglichkeiten erfragen!
Ich hoffe, der Artikel dient einigen zum besseren Verständnis einer interessanten Produktart. Fragen? – einfach melden.

 

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9 Comments Add Yours ↓

  1. finanzdeutsch #
    1

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Bleibt zu hoffen, dass die Bank, welche die Indexperformance darstellen soll, nicht in Solvenzprobleme gerät. Unter diesem Aspekt ist das Sondervermögen innerhalb der fondsgebundenen Produkte eine Stufe sicherer.

  2. 2

    Das Finanzinstitut hat die sich nach 12 Monaten ergebene Indexperformance, wie im Artikel beschrieben abzubilden und der Allianz gut zu schreiben. ABER Garantiegeber für den Kunden ist Allianz Leben. Insbesondere trägt der Kunde bei der Index Select nicht das Emittentenausfallrisiko der Optionen, die Allianz für(die eigene!) Absicherung der Indexpartizipation kauft. Wichtig ist beim Kauf der Optionen für den Kunden allein die Bestimmung des Caps! (s.a. § 2 (2) c) der aktuellen Bedingungen – E24). Deshalb sind auch Details des Optionskaufs jenseits des Caps (und der Monatsstichtage) wie z.B. “Wer ist der Emittent der aktuellen Indexoptionen?” für den Kunden finanztechnisch nicht relevant.

  3. Christian #
    3

    Nun scheinen aufeinmal alle kritischen Fragen dadurch beantwortet, daß die Allianz andere Kreditinstitute damit beauftragt die Indexperformance zu gewährleisten. Warum ist damit dann alles klar und kein Zweifel mehr an dem Produkt?

  4. finanzdeutsch #
    4

    Hallo Christian,
    zumindest sind die Fragen nach dem “Wie” damit ein gutes Stück weit beantwortet. Dieser Blog ist kein Gericht. Jeder Leser mag sich sein Urteil bilden und ist eingeladen, offene Fragen hier zur Diskussion zu stellen.
    Auf die Wiederholung bereits genannter Punkte verzichte ich hier gerne.

  5. uvai #
    5

    Hallo,

    wenn die Allianz eine systemrelvante Bank für die Darstellung der Indexperformance wählt, so kann sie getrost das Emittentenausfallrisiko übernehmen, denn:

    Der Ausfall einer systemrelevanten Bank und ein Jahr mit einer positiven Indexentwicklung schließen sich geradezu aus!

  6. kenny #
    6

    Hallo,

    der Artikel ist sehr hilfreich. Auch ist der den Punkt an dem die Kosten angesprochen wurden richtig. Wenn man nun an diesem Punkt auch gleich ansetzt und man sich das Kapital ausrechnet was man ohne Kosten erhalten würde, kommt man auf 162.757,20€!(80€mtl., 41jahre, 6%zins)
    Subtrahiert man nun den ausgeschriebenen Wert der Allianz (122.128€)von der Bruttosumme ohne Kosten erhält man die gesamten Kosten. Das sind dann stattliche 40.629€! Das sind nur die Verdienste aus Kosten vom Kunden, hinzukommen noch die Gewinne aus Kapitalanlage der Allianz.
    Ich denke bei diesem Pordukt gewinnen sogar bei beide Parteien!

    Grüße Kenny

  7. Geldanleger 13 #
    7

    So sieht es mit den Kosten in der Praxis aus.
    Am 01.06.2012 105.263,16 € einmalig eingezahlt.
    Davon wurden sofort 5 % Einmalkosten abgezogen, so dass die beabsichtigten 100.000 € als Anlagekapital ankamen.
    Weiterhin werden pro Jahr 0,5 % laufende Kosten abgezogen.
    Dem gegenüber steht eine Wertentwicklung von 24,17 % nach dem ersten Jahr zum 01.06.2013.
    Dieses Ergebnis ist die Basis für das nächste
    Jahr und kann keinen Verlust machen, wenn man an das Überleben der Allianz glaubt (ausser vielleicht der 0,5 % Kosten?)
    Wie die Allianz das Geld vermehrt, ist mir angesichts des Ergebnisses zwar ein Rätsel, aber es ist genau so abgerechnet worden, wie in den Bedingungen beschrieben.
    Da könnten jetzt einige schlechte Jahre kommen, bis der Vorsprung zu anderen Alternativen aufgebraucht wäre, wenn man die Sicherheit in diese Betrachtung mit einbezieht.
    Bei monatlicher Einzahlung sollen die Kosten wesentlich höher sein, müssten aber auch in einem entsprechenden (qualifiziertem) Angebot genau drin stehen.

  8. Franz #
    8

    Zum Beitrag von Geldanleger 13:

    Es werden keine laufenden Kosten von 0,5 Prozent p.a. abgezogen.

    Diese werden mit dem Cap verrechnet, bzw. sind bei den neuen Policen im Garantiezins berücksichtigt. So steht es in den Bedingungen.

  9. Thomas Jörder - Auch Finanzberater #
    9

    Ein dickes Hallo in die Expertenrunde,
    ich habe mir mal die diversen Beiträge zum Thema “IndexSelect und Kollegen” zu Gemüte geführt und diesen hier auf dieser Seite zum einzig Fundierten erkoren. Einige Leserkommentare waren auch noch sehr gut.

    Dieser Kommentar ist sehr umfangreich und wird aus diesem Grund auf einer gesonderten Seite weitergeführt. Bitte hier klicken.



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