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Steigt Deutschland aus dem Euro aus?

Schmeißt die Griechen doch einfach aus dem Euro raus!“. Solche Parolen hört und liest man dieser Tage nicht selten. Es ist ja auch kein Geheimnis mehr, dass der Euro Staaten und Volkswirtschaften miteinander verbindet, die sehr sehr sehr sehr unterschiedlich sind. Bis die Schuldenkrise zuschlug, haben wir in Deutschland davon kräftig profitiert. Die Erholung der deutschen Exportwirtschaft nach der finanzkrisenbedingten Wirtschaftskrise wäre mit einem teureren Euro (Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar) wohl kaum so rasant verlaufen. Den billigen Euro verdanken wir aber gerade den schwächeren Volkswirtschaften, die jetzt große Probleme mit ihren Staatsschulden haben. Hätten wir die gute alte D-Mark noch, wäre deren Kurs gegenüber anderen Währungen sicher wesentlich höher. Das lässt allein die hohe Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen vermuten. Wie sich eine vermeintlich stabile Währung entwickeln kann, hat der Schweizer Franken ja erst kürzlich gezeigt.  

Für die schwachen Volkswirtschaften wird der Euro dagegen vom starken Deutschland viel zu hoch gehalten. Zu hoch, um an den Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein. Außerdem wäre für diese Länder eine hohe Inflation ein normales Instrumentarium zur Entschuldung. Diese hohe Inflation lässt aber die EZB im Rahmen der Euroziele nicht zu. Ein Teufelskreis ohne klar erkennbaren Ausweg.
Es wäre also nicht verwunderlich, wenn die Griechen fordern würden „Schmeißt doch einfach die Deutschen aus dem Euro!“.
Vielleicht würde das klappen, wenn Otto Rehagel Ministerpräsident in Griechenland wäre?

Aber die Idee, dass Deutschland aus dem Euro aussteigt, und nicht die schwachen Länder, ist vielleicht gar nicht so abwegig. Zumindest hat eine namhafte US-Finanzmarktexpertin diesen Schritt vorhergesagt. Philippa Malmgren war unter anderem Beraterin von George W. Bush. Ob das wirklich eine Auszeichnung ist, kann ich nicht sagen. Bei der „Präsidentenfirma Bush & son“ sind mir mehr militärische als wirtschaftliche „Kompetenzen“ in Erinnerung. Aber immerhin wagt sich Frau Malmgren derzeit aus der grauen Masse der Experten heraus und bezieht eine recht eigene Position. Ob sie nur mal gerne ein wenig Rampenlicht möchte oder wirklich etwas zu sagen hat, wird die Zukunft weisen. Sollte sie recht behalten, ist ihr eine große Berühmtheit, verbunden mit vielen gut dotierten Beraterverträgen, gewiss.
In einem Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsblatt erläutert sie, warum Deutschland ihrer Meinung nach derzeit gerade den Austritt aus dem Euro vorbereitet.

„Deutschland bereitet sich vor, die Eurozone zu verlassen, damit sie eine Wahl treffen können, sobald sie gezwungen sind, zu entscheiden, ob man drinnen bleibt oder raus geht. Aber meine Einschätzung ist, sie werden aussteigen.“

Zumindest hält Frau Blamberg die deutsche Regierung für wesentlich strategischer und schlauer, als es und die Opposition und die meisten Medien derzeit vermitteln wollen. Als weitere Option wird eine Aufteilung der Währungsunion in nördliche und südliche Länder genannt. Dies könnte aus Malmgrens Sicht eine positive Weiterentwicklung der Euro-Idee sein. Die damit zwangsläufig verbundene Aufwertung der Handelswährung deutscher Exportgüter sieht Malmgren nicht als Problem an:

Überhaupt kein Problem. Es gibt keine Griechen, Italiener oder Spanier, die in den kommenden drei Jahren einen Mercedes kaufen. Es gibt keinen Exportmarkt zu verlieren. Deutschland wird international verkaufen, wo es nicht mit der Billigkeit der Währung in Wettbewerb tritt. Deutschland hat immer teure Produkte gehabt und immer über die Qualität konkurriert.“

Na ja, was man in den Vorstandsetagen der entsprechenden Unternehmen wohl darüber denkt? Ich glaube ja, dass es immer Mercedeskäufer auch in diesen Ländern geben wird. Es dürften Eher Opel, Ford und VW sein, die unter solch einer Entwicklung leiden würden. Und Deutschland ist ja nicht nur die Autoindustrie. Aber der klassische Mittelstand außerhalb des Kfz-Bereichs wird traditionell zu unrecht gerne übersehen…. .
Ich möchte in diesen Tagen kein Politiker sein. Es stehen Entscheidungen an, deren Tragweite kaum übersehbar sind. Bleibt der Euroraum wie er ist und riskieren wir unsere eigene Zahlungsfähigkeit, um die schwachen Staaten zu retten (vielleicht bis wir selbst schwach werden) oder trennen wir was nicht zusammen passt und schwächen damit zwangsläufig deutschlands wichtigsten Wirtschaftszweig? Mein Eindruck ist, dass man ständig die berühmte Entscheidung zwischen Pest und Cholera zu treffen hat. Da wird es schwer, mit einer positiven Leistung in die Geschichtsbücher einzuziehen…. .

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  1. 1

    Die sogenannte Finanzexpertin sollte erstmal die Probleme ihreres eigenen Landes lösen..



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