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Die Renditen steigen wieder. Ist das gut oder schlecht?

Heute berichtet das Handelsblatt darüber, dass wir möglicherweise am Beginn einer „Zinswende“ stehen. Das würde bedeuten, dass die Zinsen für Anleihen tendenziell nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben gehen.
Das wird ja auch mal wieder Zeit, werden viele Anleger denken. Man hat ja in letzter Zeit so gut wie nichts bekommen für sein Geld. Gerade bei den wegen ihrer Sicherheit so beliebten deutschen Staatsanleihen waren (bzw. sind) die Zinsen schon arg niedrig.
Woran liegt das?

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Die Antwort ist das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage. Als Folge der Finanzkrise war die Unsicherheit an den Kapitalmärkten auf der ganzen Welt extrem hoch. Weder Firmen noch Staaten wurde richtig vertraut. Und jemandem, dem man nicht vertraut, will man auch kein Geld leihen, oder? Deutschland genoss und genießt allerdings auch in dieser Krisenphase das Vertrauen der Anleger. Es hat sich die Ansicht durchgesetzt: Wenn einer die Krise gut übersteht, dann die Deutschen. Und wie das aktuelle Wirtschaftswachstum zeigt, war diese Ansicht auch nicht so verkehrt. Als in Deutschland lebender könnte man sich schon Fragen, ob die Jungs an den Stellweichen der Kapitalmärkte einen in der Krone haben oder sonst wie in ihrer Wahrnehmung gestört sind. Schließlich reden wir seit Monaten von einer Rekordstaatsverschuldung, harten Sparmaßnahmen und sogar unser Runter-mit-den-Steuern-Guido musste einsehen, dass Steuersenkungen derzeit nicht drin sind. Schade eigentlich.
Wie kommen die Kapitaljongleure also auf die Idee, dass bei uns alles im grünen Bereich ist?
Ganz einfach: Zwar ist bei uns auch so einiges welk, aber im internationalen Vergleich sind wir immer noch eine ziemlich grüne Oase in einer ziemlich vertrockneten Wüstenlandschaft. Und irgendwo muss das viele Geld ja schließlich hin. In der beschriebenen Marktphase wurden weltweit „Risiken“ abgebaut. Das bedeutet, jeder Anleger wollte erstmal Sicherheit. Die Rendite war vor dem Hintergrund drohender Verluste zweitrangig. Nichts verloren war erstmal genug verdient. Man verkaufte also Aktien und Anleihen unsicherer Länder und Firmen und investierte dieses viele Geld zu einem ordentlichen Teil in deutsche Staatsanleihen.
Wieso sinken in so einem Fall die Zinsen?
Aus Sicht der deutschen Finanzagentur, welche unser aller Staatsschulden verwaltet, war in Folge der oben beschriebenen Vorgänge viel Geld auf dem Markt, das ihr zum leihen angeboten wurde. Also kann sie ja erstmal versuchen, Geld für möglichst wenig Zinsen zu bekommen. Da die Nachfrage hoch war, hat das immer besser funktioniert. Großes Angebot (viel Geld auf dem Markt) = niedriger Preis (Zinsen auf Staatsanleihen). Natürlich ist das alles viel komplizierter und der Handel an den Börsen mit älteren Staatsanleihen kommt auch noch „erschwerend“ hinzu, aber vom Grundsatz her sind das viele nach Sicherheit suchende Geld und der gute Ruf Deutschlands als Schuldner die Gründe für das außergewöhnlich niedrige Zinsniveau bei den deutschen Staatsanleihen.
Für den Staat und damit uns als Steuerzahler ist diese Entwicklung positiv. Wenn in der Zeit der größten Neuverschuldung unseres Landes die Zinsen niedrig sind, dann ist die Belastung für den Staatshaushalt nicht so verheerend, wie dies in Zeiten deutlich höherer Zinsen gewesen wäre. So gesehen haben wir Glück gehabt. Irgendwann werden diese Anleihen aber auslaufen. Da kaum damit zu rechnen ist, dass Deutschland bis dahin all seine Schulden abgebaut hat, könnte die Refinanzierung (also alte Schulden durch neue ablösen) dann deutlich teurer werden, wenn die Zinsen bis dahin ordentlich steigen.
Aus Sicht des Steuerzahlers als „Staatsschuldner“ sind steigende Zinsen also nicht positiv.

Warum steigen die Zinsen jetzt?
Zuerst könnte man einmal erschrecken und fragen, ob die Kreditwürdigkeit Deutschlands schlechter wird und wir deshalb höhere Zinsen zahlen müssen? Nein, keine Sorge. Davon kann derzeit keine Rede sein. Wir müssen wegen des größeren Wachstums ja sogar eher weniger Schulden machen, als angenommen. Das ist es also nicht.
Grund für die steigenden Renditen ist das kleiner werdende Angebot an Anlegergeld für solche Anlagen. In den letzten Wochen hat sich an den Kapitalmärkten die Ansicht durchgesetzt, dass die allgemeinen Risiken wieder kalkulierbar sind und die Aussichten auf gute Renditen als Bezahlung für eingegangene Risiken wieder besser werden. Es ist wieder vermehrt Geld z.B. in die Aktienmärkte geflossen, was man an den Ständen der Indizes wie z.B. des Dax sehen kann, der seit Ende August bis heute rund 16% zulegen konnte. Dies Gewinne locken immer mehr Gelder in solche Anlageformen. Geld, welches natürlich nicht mehr für den Kauf deutscher Staatsanleihen zur Verfügung steht. Also muss der Verkäufer (bei neuen Anleihen der Bund) die Anleihen attraktiver machen, was durch höhere Renditen geschieht.
Wie das Handelsblatt schreibt, sieht man das sehr gut am Verlauf der Umlaufrendite:

Quelle: www.onvista.de

Quelle: www.onvista.de

Eine Erklärung der Umlaufrendite findet man hier.
Man könnte auch die Rentenindizes Rex und Bund Future zur Veranschaulichung nutzen. Auch hier ist eine Trendwende seit Ende August erkennbar.

Was bedeutet diese Entwicklung für den Privatanleger?
Erstmal nichts schlimmes. Wer Staatsanleihen besitzt und diese bis zum Ende der Laufzeit behält bekommt die versprochenen Zinsen und anschließend sein Geld zurück. Er mag sich vielleicht ärgern, nicht später angelegt zu haben, aber das ist wirklich müßig. Und mal ehrlich, wenn wir anfangen den besten Zinssatz zu jagen, sind wir dann nicht schon einer von den gar so bösen und gerne beschimpften Spekulanten?
Ein unangenehmer Aspekt ist, dass die Kapitalmarktrenditen und die Inflation im Großen und Ganzen in die gleiche Richtung laufen. Normalerweise, weil die Notenbanken (z.B. EZB) zur Inflationsbekämpfung die Leitzinsen erhöhen und das Geld so teurer machen. Diesmal steigen die Zinsen aus anderen Gründen. Es ist aber vor dem Hintergrund des Wirtschaftswachstums und der großen Menge an im Umlauf befindlichem Geld nicht gerade unwahrscheinlich, dass die Inflation  über kurz oder lang ebenfalls anzieht. Dann wäre der Anleger, der in der absoluten Niedrigzinsphase deutsche Anleihen gekauft hat, doch der Angeschmierte. Es dürfte sehr schnell gehen, dass die Inflationsrate über die mageren Anleihezinsen steigt und der Anleger am Ende der Laufzeit zwar den versprochenen Betrag zurück bekommen hat, unter dem Strich aber einen spürbaren Kaufkraftverlust hinnehmen muss.
In diesem Fall bewahrheitet sich einmal mehr, dass es in Finanzdingen keinen Sinn macht, sich mit der großen Masse zu bewegen. Wer in der Zeit, in welcher die Kapitalmärkte nach Sicherheit gesucht haben, in Aktien eingestiegen ist, hat jetzt schon das wesentlich bessere Geschäft gemacht. Derjenige sollte jetzt vielleicht schon über den Ausstieg aus den Aktien nachdenken? Aber diese Kaltschnäuzigkeit muss man erstmal haben…. .
Für denjenigen, der sich darauf verlässt, dass man Staatsanleihen an der Börse jederzeit verkaufen kann und deswegen vielleicht eine längere Laufzeit eingegangen ist, als sinnvoll gewesen wäre, wirken sich steigende Zinsen richtig negativ aus. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, diesen Zusammenhang ausführlich zu erläutern, aber es gilt: Steigen die Renditen, verlieren Anleihen an der Börse  an Wert (Kursverluste). Je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist, umso stärker ist dieser Effekt.
Auch Rentenfonds leiden unter diesem Effekt, weil sich deren täglicher Wert auf Basis der Anleihekurse an den Börsen berechnet. In solch einem Szenario erscheint es vernünftig, bei Anlagen in Staatsanleihen nur auf kurze Restlaufzeiten zu setzten. Einerseits halten sich dann die Kursverluste in Grenzen, andererseits kann man bei der Wiederanlage früher vom gestiegenen Zinsniveau profitieren.

Am ehesten profitiert man mit Tagesgeld oder Geldmarktfonds von steigenden Zinsen. Wegen der kurzen Laufzeit hat man keine spürbaren Kursrisiken und bekommt sehr schnell die steigenden Zinsen auch auf seinen Anlagebetrag. Bei Festgeldern machen sicher auch kürzere Laufzeiten Sinn.
Für den Anleger sind steigende Zinsen also nicht unbedingt positiv. Man muss schon genau überlegen, wie die Zusammenhänge sind und welches Ziel man verfolgt.

Für diejenigen, welche die Aufnahme eines Kredites beabsichtigen könnte es allerdings Sinn machen, sich jetzt zu sputen. Steigende Kapitalmarktzinsen machen Kredite grundsätzlich teurer. Und das Szenario, jetzt z.B. ein Haus mit einem langfristig niedrigen Zinssatz zu finanzieren und damit in eine Phase höherer Inflation hinein zu laufen klingt, als wäre jetzt schon Weihnachten, oder?

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