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Tarnen und täuschen – der nächste Trick der Banken

Vor einiger Zeit erschien in der „FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND“ (FTD) der  Artikel „Zockerpapiere für Spießer“ über das Thema „Vertrieb von Zertifikaten über Banken“. Dieser Artikel zeigt einmal mehr, wie sehr sich das Selbstverständnis der Banken von dem unterscheidet, was sie uns vorgaukeln. Aber der Reihe nach.

Was ist eigentlich ein Zertifikat?
Stark vereinfacht funktioniert ein Zertifikat so:
Sie leihen dem Herausgeber (finanzdeutsch: Emittent) Geld. Dieser verspricht es Ihnen zurückzuzahlen, die Rückzahlung wird aber an das Eintreten bestimmter Bedingungen geknüpft. Beispielsweise an der Verlauf eines Aktienindex, wie z.B. den Dax.
Das könnte dann so ausschauen:
Sie geben dem Emittenten 10.000 Euro z.B. für ein Jahr. Vereinbart ist, dass Sie an der Wertentwicklung des Dax teilhaben. Gewinnt der Dax in diesem Jahr 10%, erhalten Sie 11.000 Euro zurück. Verliert er 10%, erhalten Sie 9.000 Euro zurück. Was habe ich als Anleger davon? Ich kann viel einfacher in bestimmte Bereiche investieren, als bei einer direkten Anlage. Wenn Sie zum Beispiel direkt in den Dax investieren wollten, müssten Sie 30 verschiedene Aktien kaufen und diese dann auch noch im richtigen Verhältnis zueinander gewichten. Hierfür werden meist größere Beträge benötigt und auch der Aufwand ist sehr hoch. So gesehen ist so ein Zertifikat also ein Instrument, um bestimmte Anlagen oder Märkte einfacher nutzen zu können. Vielleicht sagen Sie nun: „Da kann ich aber auch einen Indexfonds nehmen.“ Richtig. Das wäre aus meiner Sicht auch der wesentlich bessere Weg. Der Unterschied ist nämlich der:
Bei einem Indexfonds gehören Ihnen die Aktien im Fonds (anteilig) tatsächlich. Beim Zertifikat gehört Ihnen nur ein Anspruch gegenüber dem Emittenten. Was dieser wirklich mit dem Geld macht, ist seine Sache und geht Sie nichts an. Dazu kommt das „Emittentenrisiko“. Sollte der Emittent pleite gehen (seit Lehman wissen wir, dass keine Bank hierfür zu groß sein kann) gehen Sie leer aus. Bei einem Fonds gibt es einen Insolvenzschutz. Sollte die Fondsgesellschaft pleite gehen, bleibt der Fonds samt Inhalt unangetastet (Sondervermögen). Bei einem Zertifikat habe ich als Anleger also neben dem Marktrisiko noch das Emittentenrisiko. Wie Sie meinem Artikel zum Thema Rendite & Risiko vielleicht schon entnommen haben, wird Risiko nach den Regeln des Kapitalmarktes mit einer Renditechance vergütet. Für dieses Emittentenrisiko gibt es aber keine zusätzliche Renditechance.  Als Anleger kann ich von der Marktentwicklung profitieren und trage das dazugehörige Risiko. Mehr als der Markt hergibt, bekomme ich aber auch beim Zertifikat nicht. Obwohl ich zusätzlich das Emittentenrisiko trage. So gesehen ist der „Preis“ eines Indexzertifikates immer höher als der eines Indexfonds. Ich würde immer nur den Indexfonds nutzen, nie solch ein Zertfikikat!

Was uns die Banken als Vorteil von Zertifikaten verkaufen wollen, ist deren große Flexibilität bei der Gestaltung. Grundsätzlich kann man hier alles vereinbaren, was man will. Beliebt sind Konstrukte zur Absicherung. Das kann dann so aussehen, dass der Emittent sagt:
Lieber Anleger, Du bekommst am Ende der Laufzeit garantiert Dein eingezahltes Geld zurück, auch wenn der Dax fällt. Wenn er steigt bist Du zu 20% am Gewinn beteiligt.
So etwas nennt man „Garantiezertifikat“. Das Handelsblatt beschreibt dies so:

„Bei klassischen Garantiezertifikaten fließt das meiste Geld in eine Nullkupon-Anleihe, die dem Anleger zum Laufzeitende die Rückzahlung seines investierten Kapitals absichert. Mit dem Rest kann der Emittent Optionen erwerben, die für eine Partizipation an steigenden Aktien- oder Rohstoffkursen sorgen. Weil die Nullkupon-Anleihe derzeit aber nur eine magere Rendite abwirft, bleibt kaum Geld für die Wette auf eine Rally an der Börse übrig. Dementsprechend sehen Kapitalschutzprodukte dieser Bauart, so sie überhaupt noch an den Markt kommen, entsprechend unattraktiv aus.“

Im Prinzip sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Aber mal ehrlich, als Privatanleger steigen die meisten von uns doch schon bei der obigen (relativ einfachen) Beschreibung des Garantiezertifikates aus. Wenn das jetzt noch komplizierter wird, z.B. bei Konstruktionen mit Namen wie Knock-Out, Express, Bonus, Discount usw., welcher Privatanleger weiß da eigentlich noch, was er tut?

Das traurige ist nur, dass viele Privatanleger es dennoch taten. In der Phase der „New Economy“ Ende der 90er hatten die Deutschen die Investmentfonds für sich entdeckt und mit deutscher Gründlichkeit genutzt. Im Zuge der allgemeinen Aktieneuphorie wurden Fonds gekauft, je riskanter desto besser. Entsprechend herb waren die Verluste. Die Schuld wurde im Nachhinein aber nicht bei der Entscheidung, zur falschen Zeit in die falschen Märkte investiert zu haben, gesucht, sondern dem Instrument Investmentfonds zugesprochen. Die Bankenbranche machte sich dies zu Nutze und brachte die unbelasteten Zertifikate mit Garantieversprechen, „Airbag“ usw. auf den Markt. Für die Banken war dies ein Segen, denn einerseits hatten sie fast ein Monopol auf den Vertrieb von Zertifikaten (der freie Vermittler verfügte, im Gegensatz zu Investmentfonds, nicht über die nötige Zulassung), andererseits kann man dieses Produkt wunderbar undurchsichtig gestalten und die tollsten Gebühren (=Einnahmen für die Bank) darin „unsichtbar“ machen.
So kam es, dass zwischen 2003 und 2007 (dem Beginn der Finanzkrise) sehr viel Geld von Privatanlegern in Zertifikate floss. Da diese nicht über die Börsen gehandelt werden und viel weniger transparent sind als Fonds, weiß man sehr wenig darüber, wie erfolgreich die Anleger in der Breite mit diesen Instrumenten waren. Was man sicher weiß ist, dass die Banken damit extrem erfolgreich waren und sehr viel Geld mit der Auflage und dem Verkauf von Zertifikaten verdient haben. Die eierlegende Wollmilchsau ist ein Dreck dagegen… .
Gehört hat man vom wohl spektakulärsten Fall, den Zertifikaten der Pleitebank Lehman, welche in großem Stil von den Sparkassen in Deutschland als „sichere Anlage“ verkauft wurden. Sicher muss man sagen, dass damals niemand damit rechnen konnte, dass so eine große Bank zahlungsunfähig würde. Aber heute wissen wir das.

Was steht nun in dem genannten Artikel in der FTD? Die FTD beschreibt, dass die derzeit auf dem Markt angebotenen Zertifikate schon allein durch ihre Gestaltung ein gewisses Risiko, unabhängig vom Emittentenrisiko, beinhalten. Sie sollen aber trotzdem an sicherheitsorientierte Anleger verkauft werden. Um das Motto „tarnen und täuschen“ noch zu perfektionieren, werden diesen Zertifikaten Namen gegeben, welche Sicherheit vortäuschen sollen. Ein Experte:

„Begriffe wie Anleihe, Kupon oder Protect suggerieren Sicherheit. Je nachdem, wie die Märkte laufen, kann es jedoch zu hohen Verlusten kommen.“

Es handelt sich also um nichts anderes, als den gezielten Versuch der Banken, ihre Kunden hinter das Licht zu führen. Das Risiko soll verschleiert werden, um den Kunden in falscher Sicherheit zu wiegen und mit den von ihm kassierten Gebühren Ertrag für die Bank zu generieren.
Ich finde, sie sollten sich rächen! Rächen, indem Sie sich schlau genug machen, um so einen Quatsch zu erkennen und einfach nicht abzuschließen. Wenn Sie nicht zur schweigenden Mehrheit gehören, dann sagen Sie ihrem Banker ruhig in einem freundlichen und sachlichen Ton, dass die keine Geschäfte machen, bei welchen ihnen nicht reiner Wein eingeschenkt wird. Nur die Kunden werden die Banken ändern. Sonst niemand. Das man genau hinschauen muss, haben wir ja hier schon gesehen.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach sollten Privatanleger ganz die Finger von Zertifikaten lassen. Nicht weil alle schlecht sind. Aber weil diejenigen, die vielleicht Sinn machen würden, mit Sicherheit zu kompliziert sind (lesen Sie mal den Emissionsprospekt!) um die guten von den schlechten zu unterscheiden. Und das meiste Geld geht bei Anlagen verloren, die wir nicht verstehen….. .

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