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Mein Fonds ist sooooooo schlecht!

Oft höre ich von Privatanlegern, Menschen wie „Du und ich“, sie hätten einen total schlechten Fonds „gemacht“. Oft ergibt sich dann ein Dialog wie der folgende:
„Was ist denn so schlecht an Deinem Fonds?“
Antwort: „Nichts als Verluste!“.
Frage: „In was investiert Dein Fonds denn?
Antwort: “In so Aktien, glaube ich. Nur Verluste!“
Fragt man weiter hartnäckig nach ergibt sich meist folgendes Bild:
Ein Privatanleger (wie Du und ich, nennen wir ihn „Michel“) hat, vielleicht motiviert von einem „Berater“, einen Fonds gekauft, weil dieser in der letzten Zeit so tolle Gewinne erzielt hat und der Michel jetzt auch so tolle Gewinne machen wollte. Klar können Aktien auch wieder fallen, aber jetzt laufen die doch gerade so gut! Und außerdem gibt es da ja den Fondsmanager, der bei Verlusten eingreift…. .
Und wie sah die Realität aus? Die Aktienkurse haben schon bald mit Schwung den Rückwärtsgang eingelegt und auch der Fondsmanager hat nicht verhindert, dass die Anlage heute nur noch die Hälfte wert ist. Also hat unser Michel einen schlechten Fonds gekauft, oder?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die Schwierigkeit an solchen Aussagen ist, dass man damit immer einen Vergleich zu irgendetwas herstellen muss. Erst dann kann man gut oder schlecht beurteilen. Unser Michel vergleicht das Ergebnis (hohe Verluste) mit seiner Erwartungshaltung (hohe Gewinne) und merkt sehr schnell, dass hier etwas schlecht gelaufen ist.

Aber ist daran wirklich der Fonds schuld?



Betrachten wir ein Beispiel.
Der Fonds „UniFonds“ (WKN 847500) beschreibt sein Anlageziel folgendermaßen:
„Das Fondsvermögen wird am deutschen Aktienmarkt angelegt und in Standardwerten investiert.“
Das sagt alles. Hier ist nirgends die Rede von „Gewinne mitnehmen, wenn es rauf geht und sichern, wenn es runter geht. Hier steht: Wir investieren in deutsche Aktien, komme was wolle.
Bevor wir uns also der Frage widmen, was eigentlich ein guter Fonds ist, bleibt hier festzustellen, dass unabhängig von der Qualität des Fonds die Entscheidung diesen zu kaufen nicht die richtige war, um Michels Erwartungshaltung zu erfüllen. Das wäre so, wie wenn Michel ein Auto kauft und dann sagt: „Schlechtes Auto, kann keinen Kaffee kochen!“.
Das schließt natürlich nicht aus, dass der Fonds auch einer der schlechteren sein kann. Aber am Anfang war die Entscheidung. Und diese Entscheidung war als erstes schon einmal verkehrt und ist der Hauptgrund für den enttäuschenden Anlageerfolg.

Aber Hand aufs Herz: Ist es nicht viel leichter und bequemer, dem Fonds die Schuld für das ungewollte Ergebnis zu geben, als diese bei sich selbst zu suchen?

Das Problem ist nur, dass Michel dann nichts aus seinem Fehler lernt und den gleichen Quatsch beim nächsten mal wieder macht.

Was soll er also machen, unser Michel?
Lesen! Lesen, was wirklich auf der Verpackung steht. Und auch glauben, dass er nichts bekommt, was nicht darauf steht. Wenn „auf dem“ oben genannten Fonds nichts von „Risikomanagement, Vermögensverwaltung oder sonst einem Hinweis darauf steht, dass man sinkende Kurse vorhersagen und darauf reagieren kann“, dann wird das dort auch nicht gemacht.
Wenn Michel also keine Verluste, wie sie am Aktienmarkt auftreten, in Kauf nehmen will, dann darf er nicht in Aktien investieren. Punkt.
Natürlich muss er dann auch auf mögliche hohe Gewinne verzichten, die man am Aktienmarkt auch immer wieder erzielen kann. Das Eine ohne das Andere gibt es nun mal nicht (Rendite / Risiko). Hüten Sie sich vor „Beratern“, die Ihnen hohe risikofreie Renditen verkaufen wollen!

Zwischenfazit:
In den meisten Fällen ist nicht ein schlechter Fonds der entscheidende Grund für die erlittenen Verluste, sondern die Tatsache, dass der Anleger sich für eine Anlageform entschieden hat, die nicht zu seiner Erwartungshaltung passt!
Erwischt er dann auch noch einen der schlechteren Fonds, läuft es doppelt dumm. Aber die schlimmeren Auswirkungen hat die falsche Entscheidung, wie wir gleich sehen werden.

Was ist dann wirklich ein schlechter Fonds?
Das hängt natürlich wieder davon ab, womit man vergleichen oder woran man ihn messen möchte. Ein Fonds z.B. der, wie das genannte Beispiel, in deutsche Standardaktien investiert, wird oft mit dem Deutschen Aktienindex „DAX 30“, meist kurz nur „Dax“ genannt, verglichen. (Man spricht auf finanzdeutsch dann davon, dass der Dax die „Benchmark“ des Fonds ist.)
In diesem Index sind die 30 Aktiengesellschaften aus Deutschland mit dem größten Börsenwert zusammengefasst. Detaillierte Infos zum Dax finden Sie beispielsweise hier  oder hier.
Ein Fondsmanager wird nun versuchen, unter diesen Aktien diejenigen heraus zu finden, die in Zukunft besser laufen als der Index selbst und mehr Geld in diese zu investieren, als dies die Gewichtung dieser Aktien im DAX vorgibt. Gelingt ihm dies, entwickelt sich der Fonds besser als der Index. In guten Börsenzeiten bedeutet dies, dass der Fonds höhere Gewinne erzielt. Legt der DAX z.B. in einem Jahr 20% zu und der Fonds konnte 22% erzielen, dann hat der Fondsmanager einen sehr guten Job gemacht. Hier wird der Privatanleger wahrscheinlich gerne zustimmen. Befinden sich die Börsen ab auf dem Weg nach unten und der DAX verliert z.B. 20%, dann hat der Fondsmanager aus Sicht der Fondsgesellschaft ein gutes Ergebnis erzielt, wenn sein Fonds „nur“ 18% verloren hat. Hiermit werden die wenigsten Privatanleger einverstanden sein. Privatanleger wollen in der Regel überhaupt keine Verluste erleiden. Diese sind aber selbst mit dem besten Aktienfonds aufgrund der Marktschwankungen vorherbestimmt.

Welchen Unterschied macht es, ob man einen guten oder einen schlechten Fonds auswählt?
Auch das kann nur beispielsweise dargestellt werden und hängt immer vom Einzelfall ab.
Ein Beispiel:
Sucht man auf der Seite morningstarfonds.de mit dem Tool „Quickrank“ nach Fonds, welche in deutsche Standardwerte investieren und sortiert diese nach ihrer Performance  (finanzdeutsch für Wertentwicklung) über die letzten 10 Jahre, ergibt sich folgendes Ergebnis:
Der beste Fonds in dieser Aufstellung hätte innerhalb der letzten 10 Jahre aus 10.000 Euro immerhin rund 13.280 Euro „gemacht“. Das gleiche Ergebnis hätten Sie erzielt, wenn Sie vor zehn Jahren eine festverzinsliche Anlage (inkl. Zinseszinseffekt) mit 2,94% Zinsen pro Jahr abgeschlossen hätten. Zu dieser Zeit lag die Verzinsung von deutschen Staatsanleihen bei rund fünf Prozent. Im Nachhinein wären Staatsanleihen per heute also die bessere Entscheidung gewesen.
So gesehen ist selbst der beste Fonds dieser Klasse aus Michels Sicht ein Reinfall. Per heute wurde er für das Risiko, welches er mit dem Kauf des Aktienfonds eingegangen ist, nicht belohnt. Allerdings kann dieses Ergebnis schon in wenigen Monaten komplett anders aussehen. Wichtig ist in Verbindung mit dem Thema dieses Artikels, dass unser Michel sogar den besten Fonds dieser Klasse per heute als „schlechten Fonds“ empfinden muss. Immerhin, er hat keine Verluste erlitten.

Anders schaut es da schon aus, wenn man nun wirklich einen schlechten Fonds aus dieser Klasse erwischt hatte. Das Schlusslicht dieser Liste hat in den letzten zehn Jahren jedes Jahr im Schnitt rund 7% verloren. Aus den angelegten 10.000 Euro wurden 4.740 Euro. Hätte man direkt in den DAX investiert, wären wenigstens noch 8.520 Euro übrig.
Hier kann man wirklich mit Recht sagen: Mein Fonds ist sooooooo schlecht!
Ein durchschnittlicher Fonds ist laut den Messungen von Morningstar übrigens nach zehn Jahren bei einem Ergebnis von rund 9.000 Euro ausgelaufen. Dies entspricht einem jährlichen Minus von 0,95% und ist damit immer noch besser als der DAX. Der als Beispiel genannte Unifonds liegt übrigens auf diesem Niveau und ist somit trotz der Verluste kein wirklich schlechter Fonds.

Fazit:
Die gute und die schlechte Nachricht in Einem lautet:

In den meisten Fällen ist es nicht der Fonds, der soooooo schlecht ist. In den meisten Fällen war es die Entscheidung des Anlegers, diesen Fonds zu diesem Zeitpunkt zu kaufen.

Das ist die schlechte Nachricht, denn sie nimmt uns die bequeme Möglichkeit, die Schuld für unsere Verluste anderen, z.B. dem Fondsmanagement, in die Schuhe zu schieben.
Die gute Nachricht ist, dass wir es dann doch selbst in der Hand haben, was aus unserem Geld wird und nicht irgendwelchen „Finanzjongleuren“ hilflos ausgeliefert sind. Dann müssen wir künftig einfach nur bessere Entscheidungen treffen.
OK, zugegeben, das ist nicht wirklich einfach. Aber: „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“ Dieser Satz stammt meines Wissens nach von Ghandi. Und der ist ja nun wirklich einen weiten Weg gegangen und muss es wissen! Also wiederhole ich hier gerne meine Empfehlung aus dem Artikel über die Bankberatung in Deutschland : Übernehmen Sie selbst die alleinige Verantwortung für Ihr Geld!
Einen Vorschlag für die ersten Schritte in dieser spannenden Welt finden Sie im genannten Artikel im unteren Drittel.
An dieser Stelle empfehle ich auch die Lektüre meines Artikels „db Privatmandat“. Die Informationen dort ergänzen diesen Artikel recht gut.

Eine Anmerkung zur Auswahl von Investmentfonds:
Wie finde ich den richtigen Fonds für mich? Auf keinen Fall, in dem ich in irgendwelche Listen schaue und denjenigen nehmen, der gerade mit den meisten Gewinnen ganz oben steht. Das Problem an dieser Strategie ist: Diese Gewinne hat jemand anderes gemacht. Die mach Sie ganz sicher nicht mehr! Vorbei. Aus. Ende.
Der erste Schritt muss sein, dass Sie sich darüber klar werden, in was Sie eigentlich investieren wollen. Aktien, Renten oder Immobilien (oder vielleicht alles gemischt?). Führen wir das mal am Beispiel Aktien weiter:
Deutschland? Euroland? Europa? Weltweit? Schwellenländer?
Große, mittlere oder kleine Unternehmen? Bestimmte Branchen bevorzugt?
Gefällt Ihnen ein bestimmter Anlagestil (z.B. Value oder Growth) besser?
Jetzt wird es Ihnen zu kompliziert? Hallo! Es geht um Ihr Geld! Wenn Sie nicht die für Sie wichtigen Fragen stellen, dann werden diese niemals beantwortet. Sonst beantworten Sie mit Ihrem Geld nur die Fragen nach der Gewinnmaximierung der Banken und Finanzvertriebe. Wenn sie Anleger sind, dann ist die Zeit, in der sie sich mit diesen Themen vertraut machen, das beste Investment, dass Sie jemals getätigt haben! Wenn sie darauf keine Lust haben, dann spenden Sie Ihr Geld doch lieber einer vernünftigen Hilfsorganisation. Die können schon mit 30,- Euro monatlich Kindern in Afrika das Überleben sichern. Die brauchen es dringender, als die Bank in Frankfurt, London oder New York!

So, dass war jetzt böse, oder zumindest provokativ? Wenn nur Einer oder Eine dadurch wach wurde, dann hat es sich gelohnt. Dann nehme ich auch Kauf, wenn ein paar andere jetzt sauer auf mich sind.

Wenn sie immer noch an der richtigen Auswahl eines Investmentfonds interessiert sind, dann machen wir jetzt weiter. Sie wissen also jetzt, dass Sie beispielsweise einen Teil Ihres Geldes in einen Fonds für europäische Nebenwerte (Small-Caps) investieren möchten, der einen Value-Ansatz verfolgt. (Das ist bewusst ein wenig „hochgestochen“ ausgesucht. Versuchen Sie doch mal Schritt für Schritt herauszufinden, was dieser Fonds wirklich macht. Es ist gar nicht so schwer, wie es aussieht!) Um nun den richtigen Fonds zu finden, ist die Seite morningstarfonds.de ein gutes Hilfsmittel. Hier finden Sie übrigens auch ein gutes Glossar, welches viele Fragen  klären kann.
Mit dem Tool „Fund Screener“ können Sie eine Liste von Fonds generieren, welche den genannten Kriterien entspricht. Es macht Sinn, sich nur Fonds mit einem Rating von vier oder fünf Sterne anzeigen zu lassen. Diese Fonds gehören nach brauchbaren Kriterien zu den besseren. Nun lohnt dann auch der Blick auf die Performance. Wobei ich persönlich die Fonds bevorzugen würde, die in schlechten Börsenjahren (2001, 2002, 2007,2008) weniger stark verloren haben. Wichtig ist noch, dass der Fonds nicht durch ein einziges gutes Jahr in das vordere Feld gespült wurde, sondern regelmäßig gute Ergebnisse erzielt hat. Sie sehen das, wenn Sie sich bei Morningstar den Chart des Fonds anzeigen lassen an den Sternen über die Zeit. Wenn dort meistens vier oder fünf Sterne stehen ist das gut. Ein ständiges Auf und Ab würde ich nicht akzeptieren.
Auch diese Vorgehensweise ist keine Garantie dafür, dass der gewählte Fonds in der Zukunft zu den besseren gehört. Es ist und bleibt nur ein Blick in den Rückspiegel. Der FC Bayern wird nicht automatisch nächstes Jahr wieder deutscher Meister, weil er es dieses Jahr ist. Aber die Gefahr, dass er absteigt ist sicher geringer als bei Freiburg, St. Pauli oder Eintracht Frankfurt.
Da aber jeder Fonds auch einmal eine Schwächephase hat, würde ich auch kleinere Beträge über zwei oder drei verschiedene Fonds ähnlicher Güte verteilen. Meist wird man am Ende der geplanten Anlagedauer überrascht sein, welcher Fonds letztlich der beste war.

Wenn Sie einfach nur in Standardwerte investieren wollen, wie sie in den großen Indizes (Mehrzahl von „Index“) wie z.B. DAX, Euro Stoxx, Dow Jones oder S&P 500 enthalten sind, lohnt sich der Blick auf Indexfonds. Hier versucht kein Manager, besser zu sein als der Index, sondern die Fondsgesellschaft kauft die gleichen Werte in möglichst genau der gleichen Gewichtung in den Fonds, wie sie im Index enthalten sind. Als Anleger erhält man in diesem Fall annähernd die gleiche Wertentwicklung, wie sie der Index vorgibt. (Abzüglich der relativ geringen Kosten des Fonds.)
Warum nicht versuchen, besser zu sein als der Index?
Weil das in der Realität kaum gelingen kann. Die Firmen in diesen großen Indizes werden jeden Tag von Horden von Analysten durchleuchtet. Alle haben die gleichen Informationen, es gibt so gut wie keine Überraschungen. Um aber besser zu sein als der Markt, muss man einen Informationsvorsprung haben. Z.B. weil man sich ein Unternehmen früher und gründlicher angesehen hat, als die meisten anderen und schon früher die Chancen dieser Firma auf steigende Gewinne erkannt hat. Bei den genannten Unternehmen ist dies aus den genannten Gründen kaum möglich. Man spricht hier von einem „effizienten Markt“. Jeder weiß alles über jeden.
Bei weniger beachteten Märkten wie den Nebenwerten oder Schwellenländern haben gute Fondsmanager noch bessere Chancen, eine ungeschliffenen Diamanten frühzeitig ins Portfolio des Fonds zu holen. 

Ein letzter Tipp:
Schauen Sie in Ihr Depot. Wenigstens einmal im Monat! Dann sind die Überraschungen nicht ganz so groß und sie können die großen Katastrophen noch verhindern. Vorausgesetzt, Sie übernehmen die Verantwortung für Ihr Geld selbst.

Viel Erfolg dabei!

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1 Comments Add Yours ↓

  1. 1

    Hallo Kai,

    ein sehr interessanter Artikel. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, nicht nur Investments in Aktien breit zu streuen, sondern auch bei Fonds nach dieser Regel zuverfahren. Am besten geht das mit einer Vermögenstabelle. Sie zeigt einem automatisch an in welche Anlageklassen aktuell investiert werden muss – und das sogar antizyklisch.
    Beschrieben habe ich das ganze mal in folgendem Artikel:
    http://www.reich-mit-plan.de/2010/07/zusammenfassung-der-artikelserie-verwenden-sie-eine-eigene-vermoegenstabelle/

    Gruß

    Alex Fischer


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