RSS

Das erste Halbjahr 2010 an den Devisenmärkten im Überblick

(finanzinfo-service.de) Das Hauptthema an den Devisenmärkten war die Stabilität des Euro. Auslöser des ganzen Dramas war der drohende Staatsbankrott Griechenlands und die Gefahr der “Infizierung” anderer EU-Länder. Hierbei bildet Spanien bis heute das größte Risiko. Sieht man nur die nackten Zahlen, kann einem wirklich mulmig werden. Gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro in diesem Halbjahr 14,7%. Noch dramatischer sieht der Wertverfall der Gemeinschaftswährung gegenüber dem japanischen Yen mit -18.8%. Und sogar gegenüber dem Britischen Pfund, das ja selbst mit großen Problemen zu kämpfen hat, gab der Euro im ersten Halbjahr 2010 7,8% nach. Schon wird die im deutschen Unterbewusstsein tief verwurzelte Angst vor einer Hyperinflation wach und Menschen suchen verzweifelt nach alternativen Anlagemöglichkeiten. Doch Vorsicht: Angst frisst Hirn!
Bevor wir uns genauer anschauen, was eigentlich geschehen ist, die gute Nachricht vorab: Der Rückgang des Euro ist gestoppt. Seit Mitte Juni erholt sich die Gemeinschaftswährung wieder. 

Was war eigentlich geschehen?
Um die Entwicklung vernünftig einzuordnen, muss man etwas weiter zurück blicken. Zwischen 2002 und 2008 hat der Wert des Euro, gemessen in US-Dollar von rund 0,87 US-Dollar auf knapp 1,60 US-Dollar zugenommen. Der historische Tiefstwert (nach Einführung des Euro) lag sogar bei nur 0,82 US-Dollar. Mit Beginn der Finanzkrise wurde der Euro sogar als Sicherheitswährung gehandelt, weil das Vertrauen in den US-Dollar wegen der hohen Staatsverschuldung der USA (bitte merken!) immer schwächer wurde. Diese beinahe Verdopplung des Euro-Wertes passte aber nicht zur Kaufkraft. Ein Big Mac  kostete in den USA nicht einen Dollar und bei uns 50 Cent. Man spricht in so einem Fall von einer “Übertreibung” der Kapitalmärkte. Der Tiefstkurs von 0,82 US-Dollar war sicher ebenso eine Übertreibung, aber nur in die andere Richtung. Meistens bewegen wir uns zwischen zwei Übertreibungen.
Diese letzte Übertreibung nach oben wurde von den Schuldenproblemen innerhalb der EU und der daraus entstehenden Unsicherheit gestoppt. Die Profis an den Märkten haben es dann nicht schwer, fallende Preise vorher zu sehen. Wenn sie dann entsprechende Geschäfte tätigen, wird diese sowieso schon vorhandene Bewegung noch beschleunigt. Dann spricht Frau Merkel von einem Angriff der Spekulanten auf den Euro. So lange unklar ist, wie sich die Schuldenprobleme auswirken, haben Anleger Angst und meiden Anlagen in Euro (Aktien, Staatsanleihen, usw.), der Kurs kann weiter fallen. Mitte Juni wurde den Märkten klar, dass der Euro wohl erstmal nicht platzen wird, die Lage beruhigte sich.
Interessant ist das Niveau, auf welchem sich der Euro zum Dollar stabilisiert hat. Schon im vergangenen Jahr sahen viele Analysten die Kaufkraftparität zwischen diesen beiden Währungen zwischen 1,20 und 1,25 US-Dollar für einen Euro. Auf dem Niveau von knapp 1,20 Endete der Absturz der Gemeinschaftswährung, derzeit liegt er etwa bei 1,25. Man spricht in diesem Fall von einer “fairen Bewertung”. Also ganz sicher kein Grund zur Panik, Das heiß aber auch, dass wir uns jetzt im Prinzip schon auf dem Weg zur nächsten Übertreibung befinden. Natürlich wissen wir nicht, ob diese nach oben oder nach unten stattfinden wird. Aber kommen wird sie ganz bestimmt. Irgendwann.

Wie schlimm ist eigentlich ein schwächerer Euro wirklich?
Lässt man einmal die Emotionen bei Seite, hat ein gesunkener Eurokurs gute und schlechte Seiten. Die gute Seite ist, dass Exporte europäischer Firmen im Ausland billiger werden. Besonders natürlich in den USA und auch in China, dessen Währung weitgehend an den US-Dollar gekoppelt ist. Das bringt Aufträge und Wachstum, besonders für die deutsche Wirtschaft. Die negative Seite ist, dass sich der Einkauf von Rohstoffen (z.B. Öl) verteuert, da diese in US-Dollar bezahlt werden. Wir merken das sehr schnell an der Zapfsäule, aber auch viele Verbrauchsgüter werden teurer. Auch Reisen außerhalb der Eurozone werden wieder teurer. Ein niedrigerer Eurokurs würde also eine inflationäre Tendenz unterstützen. Peng, da ist sie wieder, die Urangst der Deutschen vor der Geldentwertung. Ruhig Brauner! Eine mäßige Inflation ist für die wirtschaftliche Entwicklung und den allgemeinen Wohlstand sogar gut. Fachleute sehen derzeit eher die Gefahr einer Deflation, als einer Inflation. Deflation ist pures Gift für die Wirtschaft. Dies hat die Entwicklung in Japan deutlich gezeigt. Ein bisschen Inflation wäre also zu bevorzugen. Würde diese dann tatsächlich deutlich über das gesunde Maß steigen, wäre immer noch genug Zeit, in Alternativen umzusteigen. Aber jetzt schon einmal schlau machen, ist natürlich kein Fehler… .

Worauf ist zu achten?
Wie Eingangs schon beschrieben, sahen wir vor dem Beginn der Griechenland-und-Euro-Krise, dass die Anleger zunehmend das Vertrauen in den US-Dollar verloren hatten. Grund war die extreme Staatsverschuldung der USA und der amerikanischen Privathaushalte. Hat sich an diesen Problemen etwas geändert, weil die Finanzwelt nun für ein halbes Jahr woanders hin geschaut hat? Wohl eher nicht. Wenn Euroland nicht mehr genug Anlass für Spekulationen bietet, werden sich die Märkte neu fokussieren. Hier sind Großbritannien, die USA und ganz besonders Japan aussichtsreiche Kandidaten. In der Finanzwelt ist man sich einig, dass sich die Kurse von Aktien und Renten eigentlich nicht vorhersagen lassen, obwohl ein ganzer Zweig dieser Branche davon lebt, dies dennoch zu versuchen. Aber Wechselkurse zwischen den Währungen gelten als absolut unberechenbar. Vor diesem Hintergrund kann man nur sagen, dass die oben genannten Risiken bestehen. Wie und wann sie sich allerdings letztlich auswirken, bleibt spannend.

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Yahoo! Buzz
  • Twitter
  • Google Bookmarks

Your Comment